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Ruiniert dein Handy deine Beziehung?

Am Beginn einer Beziehung ist ein Handy ein Segen. Im Laufe der Beziehung kann es zum Liebeskiller werden. Ruiniert das Smartphone bereits eure Liebe?

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Ruiniert dein Handy deine Beziehung?
© Instagram/kaitlynbristowe

Während der ersten Phase einer Beziehung – nennen wir es neudeutsch: Dating - ist das Handy ein echter Segen. Ein paar Flirt-SMS untertags, witzige Memes von kleinen Möpsen zwischendurch, FaceTiming vor dem Schlafengehen, ein letztes Kuss-Emoticon...

Wenn wir noch nicht im gemeinsamen Alltag angekommen sind, dann ist das Smartphone das beste Werkzeug, um die Verbindung auch dann aufrecht zu erhalten, wenn man einander nicht sehen kann. Doch später? Hat das Handy das Potential, deine Beziehung zu zerstören.

Ich nehme mich selbst an der Nase: Über das Smartphone läuft mein halbes Leben. Das erste, was ich in der Früh mache: Blick aufs Handy. Das letzte, was ich am Abend mache? Ihr ahnt es. Selbst wenn mein Freund und ich zusammen fernsehen oder beim Abendessen sitzen: Immer wieder der verstohlene Blick auf das Display. Das ist nicht gut für die Beziehung. Und deshalb will ich es ändern.

Alle 6 Minuten checken wir unser Telefon. Wie oft fragen wir unseren Partner etwas?

Ich stehe mit meinem Verhalten übrigens nicht alleine da. Eine Studie von 2016 hat ergeben, dass 70% aller Frauen der Ansicht sind, dass das Smartphone ihre Beziehung negativ beeinflusst. Nur ein paar der vorgebrachten Beispiele:

  • Mein Partner nimmt sein Handy zur Hand und schaut aufs Display – während ich noch spreche.
  • Er schreibt ein SMS, während wir gerade gemeinsam einen Film sehen.
  • Er hat mitten in einem Satz von mir einen Anruf beantwortet.
  • ...

All das nehmen wir als kleine Respektlosigkeiten wahr – und führt damit zu Unzufriedenheit. Aber wie durchbrechen wir diesen Kreislauf? Keiner von uns will schließlich mehr Zeit mit seinem Endgerät verbringen als mit seinem Partner.

Erinnerst du dich an die Zeit VOR Smartphone?

Gut, manche von euch vielleicht nicht. Aber ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der man zuhause Festnetz hatte und – wenn man unterwegs dringend telefonieren wollte – eine Telefonzelle aufsuchen musste. Wollte man spontan einen Freund besuchen, musste man die Türklingel drücken und hoffen, dass er da ist. War man auf Reisen, hatte man zur Orientierung einen Faltplan in der Tasche. Im Supermarkt stand man an der Kasse und beobachtete Menschen statt Displays. Und beim Cocktailabend mit dem Partner hatte man tatsächlich eine Konversation.

Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – und das ist auch gut so. Die ständige Erreichbarkeit ist ein Segen und Jammern über die Vergangenheit ein Blödsinn. Aber wir sollten uns daran erinnern, dass es möglich ist, auch ohne Handy ein paar Stunden zu überleben.

Wusstest du, dass der durchschnittliche Europäer alle sechs Minuten sein Handy überprüft? Ehrlich: Ich habe mal mitgetrackt. Ich checke es manchmal sogar alle zwei Minuten. Peinlich.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass es nicht die Existenz des Smartphones ist, die Beziehungen gefährdet. Es ist unser zwanghaftes Verhalten, sie ständig zu checken. Das zieht Aufmerksamkeit vom Partner ab. "Real Life"-Interaktionen stumpfen ab, wenn man ständig durch kleine Gesten der Unaufmerksamkeit Desinteresse am anderen signalisiert.

Was also interessiert dich mehr: Dein Handy oder dein Partner?

Jetzt führt dein Handy nicht zwangsläufig zur Scheidung oder zum Beziehungsende. Aber es übt Druck auf die Beziehung aus, es führt zu Unzufriedenheit und kann damit Spannungen verstärken.

Warum? Es ist einfacher, sich hinter dem Bildschirm zu verstecken, als sich mit dem Partner zu "verbinden". Das nämlich ist harte Arbeit: Man muss Interesse zeigen, man muss nachfragen, interagieren, empathisch sein. Wie viel leichter fällt es da, schnell durch den Facebook-Feed zu scrollen.

Wie du dem entgegen wirkst? Indem ihr handyfreie Zeiten vereinbart. Der Abend gehört euch. Ohne Smartphone. Das Abendessen wird genossen, während das Handy im Schlafzimmer liegt. Beim Schlafengehen ist es tabu... Nur ein paar Vorschläge. Wie ihr es handhabt, bleibt euch überlassen. Hauptsache, ihr lasst das Handy auch mal liegen und widmet euch euren Liebsten.