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Macht Oberhauser Druck?

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser führt ihren Kampf gegen den Krebs offensiv. Auf Facebook. Und mit Glatze im Ministerrat. Das polarisiert.

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Macht Oberhauser Druck?

Sabine Oberhauser: Mit Glatze im Ministerrat

© ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com

Susi hat ein öffentliches Tagebuch geschrieben. Heidi ist mit dem E-Bike den Jakobsweg abgefahren und hat ein Projekt daraus gemacht. Sabine hängt jetzt an ihren täglichen Wetterreport auf Facebook Krankheits-News.

Drei Frauen, drei mal Diagnose Krebs. Und drei Mal der Entschluss, die Erkrankung keinesfalls geheim zu halten.

Der einzige Unterschied: Letztgenannte ist Ministerin. Und steht in der Öffentlichkeit.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser postet: „So – Feind erkannt – jetzt startet der Abwehrkampf.“ Sie schreibt auch „Ich habe das ärztliche Go, ganz normal weiterzuarbeiten.“ Und fügt an „Meine Haare haben begonnen am Freitag auszufallen – deprimierend – grauslich – ausgeliefert.“ Gleichzeitig wechselte die Wienerin ihr Profilfoto– und zeigt sich jetzt mit Glatze.

Das polarisiert.

»Mutig ist, wer dieser Krankheit den Kampf ansagt«

Wie überhaupt ihr Umgang mit der Krankheit. Die einen finden sie ganz besonders mutig. Andere fühlen sich belästigt von so viel Offenheit. Und dann gibt es noch die, die finden, dass sie sogar schon aufdringlich ist, Druck macht. Druck auf alle Krebskranken, die auch um ihr Leben kämpfen. Die müde sind von der Chemo, denen speiübel ist, die keine Kraft haben, arbeiten zu gehen. Die mit Chefs zu tun haben, die sich nicht darum kümmern, ob es angenehmer wäre, weiter dem Job nachzugehen oder doch lieber im Krankenstand zu sein.

Die Gesundheitsministerin kann das selbst entscheiden. Gut so.

Statt ihr jetzt dafür den Schwarzen Peter zuzuschieben, wäre es an der Zeit, für alle Menschen, die schwere Krankheiten haben, nach einer Lösung zu suchen. Und zwar nach einer, mit der es jedem einzelnen Betroffenen möglich wird, selbst zu entscheiden, wie sehr der Krebs den Alltag im Griff halten darf.

Mutig ist schließlich jeder, der dieser Krankheit den Kampf ansagt. Ob öffentlich oder nicht. Das bleibt jedem selbst überlassen!