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Sänger und Womanizer Udo Jürgens im WOMAN-Talk: "Jede Geliebte ist zufrieden!"

Sein Musical „Ich war noch niemals in New York“ (seit 17. März) handelt von später Liebe. Davon kann Sänger Udo Jürgens ein Lied singen. Kuschelt er doch mit 75 noch mit 30-Jährigen...


Sänger und Womanizer Udo Jürgens im WOMAN-Talk: "Jede Geliebte ist zufrieden!"
© Roba Press

Udo Jürgens, 75, weiß, wie man WOMAN Komplimente macht. „Gutes Heft! Wenigstens bringt ihr nicht nur Geschichten über Brad Pitt und Angelina Jolie“, streut er uns Rosen, als wir ihn in Wien zum Interview treffen. Allzu viel aufgesetztes Staraufgebot scheint ihm nicht geheuer. Damit erübrigt sich auch die Frage, ob er als Kärntner den Wiener Opernball mitverfolgt hat. „Nein! Da wird doch tagelang auch nur über die Oberweiten und Hintern irgendwelcher eingeflogener Porno-Tussis geredet“, schüttelt Jürgens den Kopf. Klar, Frischfleisch, und Sex sells! Doch er, der am 17. März mit dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ (nach seinem gleichnamigen Evergreen) im Wiener Raimund Theater Österreich-Premiere feiert, ist wohl das beste Beispiel dafür, dass es auch als Opa nicht langweilig wird. Speziell wenn er mit uns hingebungsvoll über Frauen, Sex und Viagra spricht...

WOMAN: Herr Jürgens, der Schauplatz des Musicals ist ein Kreuzfahrtschiff, das ein älteres Paar nutzt, um nach New York zum Heiraten zu fahren. Was die Nachkommenschaft verhindern will. Finden Sie es auch peinlich oder unangebracht, wenn sich zwei Menschen auf ihre alten Tage hin noch ewige Treue schwören?

Jürgens: Nein. Das Leben hat eine Zeitspanne von der Geburt bis zum Tod. Diese sollte jeder nutzen, um möglichst viel Glück zu erleben. Und wenn einem dieses Glück erst in späteren Jahren geschenkt wird, dann soll er es um Gottes willen erkennen und annehmen! Da gehört ein bisserl Mut dazu, aber bloß nicht auf Kinder oder Nachbarn hören oder sich von der Gesellschaft einengen lassen.

WOMAN: Der Plot hat eine Parallele zu Ihrem Privatleben: Sie haben Ihre zweite Frau Corinna ja auch in New York geheiratet.

Jürgens: Das ist richtig. Aber wir sagten nicht auf einem Schiff „Ja“, sondern in der Suite des Hotels Plaza Athene, in der Lady Diana immer residierte. Es gab eine kleine Zeremonie mit einem schwarzen Reverend. Diese Ehe (zuvor war er mit Panja verheiratet) hat wieder nicht gehalten, aber entscheidend war, dass die Zeit schön war. Ich habe mit Corinna bis heute guten Kontakt. Dennoch: Zwei kaputte Ehen – das waren mit Sicherheit die bittersten Niederlagen.

WOMAN: Sie strotzen vor Vitalität. Würden Sie ein drittes Mal zum Traualtar schreiten?

Jürgens: An eine Ehe denke ich überhaupt nicht mehr, denn bei mir ging das schon zweimal schief. Mir sind Freundschaften wichtiger, die Bestand haben. Wo man Menschen hat, die zu einem stehen. Aber wer weiß, was nächstes Jahr ist. Ich halte mich da an Adenauer: „Was interessiert mich der Schwachsinn, den ich gestern gesagt hab.“ Ich bin deshalb aber kein Umfaller meiner Gesinnung. Aber momentan fehlt mir ehelos absolut nichts!

WOMAN: Gibt es aktuell eine Herzdame?

Jürgens: Nein, nicht im herkömmlichen Sinn. Ich habe glückliche Freundschaften mit Frauen. Meine Geliebten waren alle zufrieden mit mir – meine Ehefrauen nicht. Ist erst der Ring am Finger, geht bei mir die Romantik flöten, man benimmt sich komisch, das Besitzdenken erwacht, eine Routine schleicht sich ein. Ich reagiere nicht gut, wenn ich mit jemand ununterbrochen zusammenleben muss. Ich habe mich immer nach dem Ausbruch gesehnt, war nie treu! Ich glaube, Männer, die keinen Erfolg bei Frauen haben, können leichter treu sein...

WOMAN: Wenn Sie sich einsam fühlen: Kuscheln Sie dann auch mit Ihren Frauenkumpels?

Jürgens: Ja, das tue ich! Nähe und Gespräche zum anderen Geschlecht sind wunderbar. Ich habe mit meinen Freundinnen so ein Agreement, und das passt. Wir kümmern uns umeinander. Und ich schaffe von Anfang an klare Fronten und bin ehrlich. Das ist wichtig!

WOMAN: Wie alt sind denn Ihre Kuschelpartnerinnen?

Jürgens: Sehr unterschiedlich. Aber in meinem Alter natürlich nicht.

WOMAN: In meinem Alter?

Jürgens: Wie alt sind Sie?

WOMAN: Bald 30.

Jürgens: Ja, das ist ein wunderbares Alter (lächelt) !

WOMAN: Und was bietet ein 75-Jähriger einer 30-Jährigen so, das ihr etwa ein Gleichaltriger nicht bieten könnte?

Jürgens (überzeugt): Alles! Vor allem die Lebenserfahrung.

WOMAN: Junge Männer reißen oft Viagra-Witze, wenn sie gegen einen reiferen Konkurrenten abstinken.

Jürgens: Über Sexualität redet man nicht. Und schon gar nicht im hohen Alter. Karl Lagerfeld hat gesagt: Sex über 50 ist unappetitlich...

WOMAN: Finde ich nicht.

Jürgens (lacht): Ich ja auch nicht! Ich genieße und schweige.

WOMAN: Tun Sie das! Sie sind ja vor fünf Monaten zum vierten Mal Großvater geworden...

Jürgens: Ja, mein Sohn John hat eine Tochter bekommen. Sie heißt Lilly! Das sind so zauberhafte Kinder! Weil sie nicht gedrillt werden. Genauso war es, als ich ein Bub war. Meine Eltern haben nie die Hand erhoben – ich als Vater auch nicht. Wenn ich mit meinen Enkeln essen gehe, war es noch nie so, dass sie in einem Restaurant losgeplärrt hätten. Noch nicht einmal, als sie klein waren. Mein Enkelsohn Dennis zum Beispiel bestand schon mit 4 auf Krawatte und Anzug – so wie der Opa Udo (lächelt stolz) . Wenn John T-Shirts und Jeans trug, meinte Dennis immer: „Papa, kannst du dich nicht umziehen?“ Und deshalb machen wir uns für ihn immer chic.

WOMAN: Was muss man der Generation junger Männer mitgeben, dass sie später in der Lage sind, das Herz einer Frau zu berühren, zu erobern – und auch festzuhalten?

Jürgens: Junge Männer müssen begreifen, dass nicht der Porsche der Schlüssel zum Erfolg ist. Das signalisiert zwar „Bei mir bist du in guten Händen“. Aber eine solide Beziehung sollte aus guten Gesprächen erwachsen. Damit man weiß, wie sie denkt, wie sie fühlt …Und dann erst ist wichtig, was sie beruflich macht. Es zählt nur: „Die will ich wiedersehen!“ Mit coolen Aufreißschmähs reißt man gar nichts. Glaub ich. Hab ich ja nie angewendet, ich wurde immer aufgerissen (lacht) .

WOMAN: Wie zum Beispiel?

Jürgens: Meist mit der Bitte um ein Autogramm. Ich passe aber auf, dass es kein Groupie ist, das mich stalkt. Das ist mir schon passiert. Aber wenn jemand in seinem Wesen so gewinnend ist, dass ich mir denke: „Donnerwetter, was für eine Frau!“, dann lade ich sie auf einen Drink ein...

Interview: Petra Klikovits