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Ernsthaft? Das Salzburger Magistrat schafft das Binnen-I ab

Sprache schafft Realität. Das scheint für das Salzburger Magistrat nicht im Vordergrund zu stehen. Das Binnen-I wird in der internen Kommunikation abgeschafft.

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Ernsthaft? Das Salzburger Magistrat schafft das Binnen-I ab
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Wie eine schwedische Studie belegt, verringert eine geschlechtsneutrale Sprache Vorurteile und stärkt die Akzeptanz von Frauen und LGBTQ-Personen. Das in Schweden genutzte ungeschlechtliche Personalpronomen "hen" hat nachweislich positive Auswirkungen. Davon sind wir in der deutschen Sprache weit entfernt. Mit dem Binnen-I wurde aber eine Lösung gefunden, Frauen sprachlich nicht (mehr) auszuschließen. Und auch im Jahr 2019 müssen wir diesen Umstand immer wieder neu diskutieren. Etwa wenn es (wieder mal) heißt: "Frauen sind mitgemeint" oder "Der Lesefluss wird gestört". Nein, wir Frauen fühlen uns nicht mitgemeint.

Studien belegen: Gute Lesbarkeit ist kein Argument

Und auch Unlesbarkeit ist kein Argument, wie eine Studie der TU Braunschweig gezeigt hat. Dort hat man herausgefunden, dass einzig die Textqualität für die Lesbarkeit entscheidet ist und nicht, ob "Kundinnen" und "Kunden" genannt werden. Dieses "Argument" wird nämlich gerade wieder aus den verstaubten Kisten des letzten Jahrhunderts hervorgekramt. Und zwar beim Salzburger Magistrat , das via Dienstanordnung die "männliche Form für personenbezogene Bezeichnungen" nahegelegt. In der internen Kommunikation wird also auf geschlechtsneutrale Formulierungen verzichtet. Allerdings soll bei Presseaussendungen oder anderen Schriften, die nach außen gelangen, auch künftig die gendergerechte Formulierung verwendet werden – hier wird sogar das weniger verbreitete und neuere Gendersternchen verwendet.

Praxis sei nicht neu

Diese Praxis sei allerdings nicht neu, wie Magistratsdirektor Martin Floss den Salzburger Nachrichten bestätigt. Auf seinen Auftrag hin werden Frauen also schon seit längerem sprachlich ausgeschlossen oder – Verzeihung – "mitgemeint." Bei der Überarbeitung der Dienstanordnung hätte man sich laut Floss sogar beraten lassen: "Wir haben uns dazu auch von einer Agentur beraten lassen. Die hat uns ebenfalls nahegelegt, auf Formulierungen mit Binnen-I und Sternchen zu verzichten, da diese die Lesbarkeit erschweren." Die entsprechende Agentur hat wahrscheinlich neuere wissenschaftliche Studien zu diesem Thema völlig ausgeblendet.

Gegenwind kommt (wenig überraschend) von Frauen

Wie Eva Spießberger, Leiterin des Büros für Diversität der Stadt Salzburg, gegenüber dem Standard erklärt, gäbe es immer viele Initiativen im Haus, die das Thema der gerechten Sprache betreffen würden. "Dennoch bildet Kommunikation Realität ab, und diese Realität sollte im Jahr 2019 nicht so aussehen, dass nur Männer sprachlich repräsentiert sind". Gegenwind kommt auch seitens der Stadträtin Martina Berthold: "Wir werden darüber diskutieren müssen, ob wir auch bei internen Dokumenten geschlechtergerechte Formulierungen verwenden. Ich glaube auch nicht, dass alle im Magistrat mit der derzeitigen Praxis einverstanden sind", so die Stadträtin gegenüber den Salzburger Nachrichten. Das Argument mit der leichten Lesbarkeit gelte für sie ebenfalls nicht.

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Thema: Feminismus