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#WOMANforWOMEN: Warum dieses Ski-Camp nur für Frauen ist

Sandra Lahnsteiner ist Skitrainerin, Athletin und Freeriderin. Sie organisiert das "Shades of Winter"-Ski-Camp, an dem nur Frauen teilnehmen dürfen.

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Sandra Lahnsteiner
© facebook.com/Sandra Lahnsteiner

Vor allem, wenn ein riesiges, bedeutendes Event wie Olympia über unsere Fernseher flimmert, könnte man glauben, dass Sport einer der wenigen Dinge ist, wo Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Tatsächlich ist das Sportbusiness aber alles andere als fehlerfrei, verdienen Athletinnen doch in nahezu jeder Sportart um ein Vielfaches weniger als ihre männlichen Kollegen. Dass nur sehr wenige Fußballerinnen von ihrem Talent leben können, während sich zahlreiche Männer damit dumm und dämlich verdienen, mag wirtschaftlich erklärbar sein, ist aber ohnehin nur die Spitze des Eisberges. In vielen Sportarten müssen sich Frauen ihre Daseinsberechtigung noch erkämpfen.

Sandra Lahnsteiner hat nicht gekämpft, sie hat einfach gemacht. Als eine von wenigen Frauen hat sie nach dem Sportstudium die Ausbildung zur C-Trainerin gemacht. Dies ist die höchste Ski Alpin Trainerausbildung in Österreich. Nachdem sie einige Jahre lang als Trainerin gearbeitet hatte, wurde ihr die Möglichkeit angeboten, in einem Freestyleskifilm mitzuspielen.

"Dabei lernte ich eine neue kreative Seite in mir kennen, die Arbeit mit Kamera und Fotografen, mit Licht und Schatten am Berg und selber als Skifahrer der Pinsel auf der weißen Leinwand sein zu können, das hat mich sofort motiviert." , erzählt die Sportlerin. Sie sah, wie sich eine Nische auftat: "Und es war zu dieser Zeit, als ich feststellte, dass es eigentlich keine Freeskifilmproduktionen gibt, die ausschließlich weibliche Athletinnen featuren. Aus diesem Grund habe ich dann gemeinsam mit einem befreundeten Kameramann meinen ersten eigenen Film organisiert: ‚As We Are - A Girls Ski Movie'"

Lahnsteiner war auf den Geschmack gekommen. Nach zwei weiteren Filmen gelang ihr der internationale Durchbruch mit "Shades of Winter", dem ersten Teil einer Trilogie. "Man muss seine Träume verfolgen, um Ziele zu erreichen. Dafür muss man sich erst mal Ziele setzen! Aber es ist nie zu spät. Ich selbst habe mit 33 meinen ersten Backflip auf Skiern geschafft." , antwortet Lahnsteiner auf die Frage, was junge Frauen aus dem Sportfilm mit den beeindruckenden Bildern mitnehmen sollen.

»"Ich liebe die Herausforderung am Berg genauso, wie die einfachen „Genussmomente“ mit Freunden."«

Dass in ihren Filmen nur Frauen vorkommen, sei nie ein Problem gewesen, sagt die Filmemacherin: "Ganz im Gegenteil, die Athletinnen fanden es cool, weil wir uns einfach den Raum genommen haben. Auch die Filmfestivals haben jedes meiner Projekte mit offenen Armen aufgenommen, eben weil Athletinnen gezeigt werden." Zusammenhalten, das sei das Motto der Community. Auch, nachdem ein schrecklicher Unfall alle erschüttert.

Matilda Rapaport, alpine Freeskifahrerin und Teil der "Shades of Winter"-Filme, stirbt nach einem Lawinenunfall. "Matildas Tod hat mich noch viel mehr sensibilisiert, mit wem ich am Berg unterwegs bin. Gerade deswegen, weil es in Matildas Fall leider einfach so lange gedauert hat, bis sie gefunden wurde. Mir ist wichtig, dass sich alle auskennen, die richtige Ausrüstung dabei haben, auch Mediacrews, die sind ja oft am nächsten an uns dran." , sagt Lahnsteiner. "Es ist entscheidend, dass sich alle Leute, mit denen man abseits unterwegs ist, gut auskennen. Es genügt nicht die Notfallausrüstung mitzuhaben, man muss im Ernstfall ganz genau wissen, was zu tun ist."

Doch auch, wenn Lahnsteiner vorsichtiger geworden ist, hat sich ihre Einstellung zum Sport nicht verändert: "Ich liebe Skifahren und speziell Freeriden, ich liebe die Herausforderung am Berg genauso, wie die einfachen „Genussmomente“ mit Freunden. Mir persönlich ist es aber nicht wichtig, immer noch extremere Sachen zu machen und herauszustechen." Trotzdem sticht die Sportlerin heraus,denn in Gedenken an ihre Kollegin Rapaport hat sie das "Shades of Winter"-Camp ins Leben gerufen.

Bei diesem "All Female"-Camp geht es um das Verbessern der eigenen Fähigkeiten und vor allem um den Umgang mit dem Berg. In einer kleinen Gruppe werden Lawinensicherheitstrainings absolviert und Freeskiing-Erfahrungen gesammelt. "Beim letzten Camp in Gastein war die jüngste Teilnehmerin gerade mal 20 Jahre alt. Es ist so wunderschön zu sehen, wie sehr sich die Mädels und Frauen gegenseitig unterstützen können. Sie haben alle individuelle Geschichten, Lebenserfahrungen, Einstellungen zum Skifahren." , erzählt Lahnsteiner über das letzte Camp im Februar 2018.

Ähnlich wie beim Girls Rock Camp, wo Mädchen gemeinsam Bands gründen und musizieren, will Lahnsteiner Frauen auch bei ihren Kursen jenen eigenen Raum geben, den sie brauchen, um sich zu entfalten: "Beim Camp sind alle gleich. Es wird einem die Zeit gegeben, sich auf die neue Situation einzustellen. Man darf hier jegliche Emotionen zeigen, ausprobieren, scheitern und es immer wieder nochmal machen." Das gegenseitige Empowerment ist der springende Punkt. Und dieses soll sich jetzt nicht mehr nur auf den Wintersport beschränken, sondern auch auf Lahnsteiners nächstes Projekt zutreffen: Ein "Shades of Winter"-Mountainbike-Camp im Sommer.