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Saudi-Arabien: Dieser Radiosender kämpft für Frauenrechte

Feministische Aktivistinnen aus Saudi-Arabien haben einen Radiosender gestartet, auf dem sie über sexuelle Gewalt und andere Probleme von saudischen Frauen sprechen. Mittlerweile hat die Regierung den Sender gesperrt.

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saudi arabien

Frauen in Saudi-Arabien: Zwischen Reformen und Vormundschaft.

© 2018 Getty Images

Anfang August startete Nsawya FM (Feminismus FM) sein Programm. Dabei handelt es sich um einen Radiosender, der von einem unbekannten Ort aus und von unbekannten Protagonistinnen betrieben wird. Doch obwohl die elf Frauen - zwei Moderatorinnen und neun Mitarbeiterinnen - anonym bleiben wollen, sind sie in der ganzen Welt hörbar. Und das ist das Ziel, nämlich feministische Inhalte in einem Land zu produzieren, dessen Frauenrechte noch in den Kinderschuhen stecken. Die Aktivistinnen hinter Nsawya FM wollen den Schweigenden eine Stimme geben und haben seit Beginn des Senders drei Sendungen produziert.

Diese kann man sich auf Mixlr anhören, einer Webseite, die selbstproduzierte Radiosender unterstützt. Und genauso klingen die Sendungen auch, denn sie wurden mit nur einem Mikrophon, einem Laptop und einem Schnittprogramm aufgenommen. Die Qualität der Produktion verrät, dass die Frauen aus dem Wenigen, was sie haben, alles herausholen wollen. Bekanntgeworden ist der Sender via Twitter, jener Social Media Plattform, die in Saudi-Arabien besonders beliebt ist. Dort können auch saudische Frauen ihre Gedanken mitteilen, müssen aber immer fürchten, dass ihre Accounts werden. Deshalb habe man sich für das Radioformat entschieden, so eine der Aktivistinnen im BBC-Interview.

"Wir müssen unsere Gedanken irgendwie archivieren, denn die saudischen Behörden können jederzeit Twitter sperren. So gibt uns das Radio die Möglichkeit, Programme aufzunehmen und sie auf anderen Plattformen zu verbreiten." , erklärte die Frau, die sich Ashtar nennt. Und sie sollte Recht behalten mit dieser Idee, denn seit kurzem kann man in Saudi-Arabien nicht mehr auf Nsawya FM zugreifen. Aus anderen Ländern aber sehr wohl. Und so werden die Geschichten von saudischen Frauen, die an sogenannten Ehrenmorden gestorben sind und die von ihren Ehemännern misshandelt werden, weiterhin im Netz verbreitet.

Man wolle aber nicht provozieren oder eine Konfrontation erzwingen, so die Macherinnen. Religion und Feminismus schließt sich in ihren Augen nicht aus, so dass eine kritische Beschäftigung mit dem Thema kein Problem sein sollte. Doch das ist es in Saudi-Arabien weiterhin. Erst Anfang des Monats wurden laut Human Rights Watch die feministischen Aktivistinnen Samar Badawi und Nassima al-Sadah verhaftet. Die Menschenrechtsorganisation sieht in dieser Aktion ein klares Zeichen gegen die Verbesserung der Frauenrechte. Sie würden jede Reform, die gerade in der Monarchie durchgesetzt wird, ad Absurdum führen.

Und dabei passiert in Saudi-Arabien gerade einige Aktionen, die als Schritte in die richtige Richtung gedeutet werden könnten. Kronprinz Mohammed bin Salman hat im Juni das Fahrverbot für Frauen aufgehoben. Davor wurde ein Gesetz diskutiert, das sexuelle Gewalt unter Strafe stellen soll. Und zusätzlich spricht der Kronprinz von einer gelockerten Kleiderordnung, wonach Frauen und Männer tragen dürfen, was sie wollen, solange es dezent und moralisch ist. Bis 2030 will er das Reformprogramm "Saudi Vision 2030" durchbringen, das nicht nur eine Unabhängigkeit im Erdöl-Bereich bringen soll, sondern auch die Frauenrechte ins Visier nimmt. Doch KritikerInnen sehen in den Reformen des Kronprinzen nur kosmetische Eingriffe, mit denen das Images des Landes aufpoliert wird, ohne wirklich etwas zu ändern.

Und beim genauen Hinsehen merkt man, dass die Änderungen nur oberflächlich sind. Denn was die Frauen wirklich daran hindert, ein unabhängiges Leben zu führen, ist die Vormundschaft durch die Männer. Tatsächlich ist es in der Monarchie so, dass das Leben der Frauen auf rechtlicher und praktischer Basis von Männern bestimmt wird. Das kann der Vater, der Ehemann oder sogar der eigene Sohn sein. Ohne der Zustimmung dieses Vormundes dürfen Frauen weder ein Stipendium annehmen, noch einen Reisepass beantragen oder aus dem Gefängnis entlassen werden. AktivistInnen kämpfen für das Ende der Vormundschaft und sammeln Unterschriften. Passiert ist bis jetzt nichts, außer, dass viele von den saudischen BefürworterInnen auf Twitter denunziert und als "Spione" bezeichnet wurden. Doch dabei wäre es laut Ashtar so einfach: "Wenn der Kronprinz wollen würde, dass die Vormundschaft endet, dann hätte er sie schon beendet. Es bräuchte nämlich keine endlosen Diskussionen, sondern nur eine Unetrschrift.