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Saudi-Arabien: Frauen sollen eigenen Pass erhalten

Erst seit einem guten Jahr dürfen Frauen in Saudi-Arabien Autofahren. Nun wurde eine weitere Lockerung der strikten Regeln für Frauen angekündigt: Sie sollen künftig ohne die Erlaubnis eines männlichen Vormunds einen Pass erhalten und Reisen dürfen.

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arabische Frauen fahren Auto
© istockphotos.com

Während unser eins dieser Tage auf Online Buchungsplattformen herum surft und spontan eine Reise bucht, ist das für Frauen anderswo auf der Welt bisher komplett unvorstellbar bzw. schlichtweg unmöglich gewesen. Warum? In Saudi-Arabien etwa deshalb, weil Frauen für einen eigenen Pass und für Reisen - aber auch für ein Studium oder die Ausübung eines Berufes - die Zustimmung des Ehemanns, Vaters, Bruders oder einem anderen, männlichen Verwandten brauchten. Damit soll nun Schluss sein: Frauen sollen in Zukunft auch ohne die Erlaubnis des männlichen "Vormunds" einen Pass beantragen und auf Reisen gehen dürfen.

Rechtliche Stellung wie Minderjährige

Das war im erzkonservativen Königreich bisher nicht möglich. Dieses Vormundschaftssystem schränkt Frauen in ihrem ganzen Leben ein - im Grunde haben sie dadurch ihr Leben lang den rechtlichen Stellenwert einer Minderjährigen. International gibt es scharfe Kritik daran, auch in Saudi-Arabien selbst regt sich zunehmend Widerstand.

Autofahren erst seit 1 Jahr

In den vergangenen Jahren wurden nach und nach einzelne Bestimmungen für Frauen gelockert - so dürfen Frauen etwa seit gut einem Jahr Auto fahren - ein wichtiger Schritt zur Autonomie und ein wichtiges symbolisches Zeichen: Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem Frauen das nicht gestattet war. Außerdem dürfen Frauen neuerdings zu Fußballspielen gehen und Berufe ergreifen, die bisher nur Männern vorbehalten waren.

Nur kosmetische Reformen?

Wenngleich diese Schritte natürlich Verbesserungen für das Leben von Frauen in Saudi-Arabien bedeuten - von echter Gleichberechtigung ist das Land noch sehr weit entfernt. KritikerInnen sprechen auch immer wieder davon, dass die Reformen lediglich "kosmetischer" Natur wären und mehr als Image-Kampagnen für den saudischen Kronpinz Mohammed bin Salman dienen sollen.