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Schäm dich!

Das Schamgefühl ist eines der ehrlichsten Gefühle und es gibt keinen Menschen der sich nie schämt oder dies noch nie empfunden hat!

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Schäm dich!
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Das Schamgefühl

Die Eltern, die Kinder, der Partner, das Alter, das Geld, die Arbeit, der Fleck auf der Bluse, der Sex, eine Krankheit, der offene Hosenschlitz, die Intelligenz. Tragisch aber wahr - gibt kaum etwas, für das man sich nicht schämen kann. Und die traurige Nachricht Nummer 2: man kommt immer wieder in Situationen, die einem peinlich sind.

Dennoch scheint es eines unserer größten Ziele zu sein, solche Ereignisse möglichst zu vermeiden. Idealerweise geht man allen Verlegenheiten, Fettnäpfchen und Worst-Case Peinlichkeiten aus dem Weg, doch das gelingt irgendwie nicht. Und das ist auch gut so!

Schäm dich!

Wem es die Schamesröte ins Gesicht treibst und somit zeigt, dass er verlegen ist, wirkt sympathischer. Denn die erkennbare Scham und Verlegenheit ist nichts anderes, als eine wortlose Entschuldigung, die unserem Gegenüber signalisiert, dass man etwas falsch gemacht hat und das nun auch weiß. Da man sie nicht künstlich erzeugen, nicht beeinflussen und nicht verstecken kann, ist sie eines der ehrlichsten Gefühle des Menschen.

Da die Scham allerdings oft als Minderwertigkeitsgefühl verstanden wird, ist sie nicht gerade unsere Freundin, schon gar nicht in der heutigen Zeit, wo jeder möglichst viel erreichen und besser als die anderen sein möchte. Der heutige Leistungsdruck wird immer größer und die Angst vorm Scheitern ebenso. Und daher handelt es sich auch um eine äußerst schwierige Angelegenheit, sich Scham überhaupt einzugestehen. In den meisten Fällen versucht man sie zu verdrängen, oder auf andere Gefühle wie Wut auszuweichen. Wer das aber nicht tut und zeigt, wie peinlich ihm etwas ist, der erntet in der Regel mehr Verständnis ein, als jemand, der so tut als wäre gar nichts passiert.

Schäm dich für alles Mögliche, aber schäm dich nicht für dein Schamgefühl.
Wie man mit Peinlichkeiten umgeht, ist von der Erzierhung abhängig und daher sollte man bereits früh damit anfangen, möglichst gut damit umzugehen. Interessant ist, dass im Rahmen einer Persönlichkeits- und Erziehungsstudie folgende Ergebnisse gezeigt werden konnten: Buben werden eher sachlich und leistungsorientiert erzogen, weshalb sie auch in den späteren Jahren besser mit Misserfolgen und damit einhergehenden Peinlichkeiten umgehen können. Mädchen hingegen neigen dazu, Kritik persönlich zu nehmen.
Die Angst davor, in eine Situation zu kommen, in der man sich für etwas genieren oder schämen muss, veranlasst uns oft dazu, eine derartige Gefahr zu vermeiden.

Was dem einen peinlich ist, ist dem anderen egal. Oder? Eine Form des Schamgefühls kann man im Grund überhaupt nicht kontrollieren, und ihm schon gar nicht aus dem Weg gehen: Die Rede ist vom Fremdschämen ! Hier geniert man sich für Dinge, Handlungen, Aussagen, die einer anderen Person passieren. Der Begriff selbst befindet sich erst seit 2009 im Duden und wurde 2010 zum Wort des Jahres gekürt. Das heißt aber nicht, dass man das Gefühl nicht vorher auch bereits empfunden hatte.
Warum einem die Peinlichkeiten anderer so nahegehen, ist nicht genau bekannt. Allerdings weiß man, dass es etwas mit Identifikation zu tun hat. Sollte dies nun der Fall sein, dass man sich für jemanden schämt, kann man es in einem konstruktiven Gespräch ansprechen und die jeweilige Person darauf hinweisen.
Und auch was das eigene eigenen Schamgefühl betrifft, könnte man folgendes beachten, um besser und leichter damit umzugehen:

1

Akzeptiere das Schamgefühl
Du kannst nicht verhindern, dass dir ab und zu mal etwas Peinliches, passiert oder du dich ungeschickt anstellst. Akzeptiere, dass du auch nur ein Mensch bist, dem durchaus Missgeschicks passieren können, dürfen und sollen.

2

Dein Verhalten definiert nicht immer deine Person
Wenn du etwas nicht machst, was andere und eventuell auch du selbst von dir erwartest, dann hast du vielleicht einen Fehler gemacht, bist aber deshalb auf keinen Fall ein absoluter Versager. Fehler und Missgeschicke sind erlaubt und kommen manchmal vor. Oft sogar öfters, als es einem lieb ist.

3

Hör auf dir den Kopf darüber zu zerbrechen
Peinliche Situationen entstehen nun mal. Je mehr du darüber nachdenkst, desto wichtiger machst du den ganzen Vorfall. Akzeptiere es und versuche es eventuell das nächste Mal anders zu machen. Die Situation ist nun aber vorbei, also beende unnötiges Grübeln und mach weiter!

4

Schamgefühle und Schamgrenzen
In gewisser Weise kann man sein Schamgefühl sehr wohl beeinflussen, denn die selbstgesetzten, oder von der Gesellschaft normierten Schamgrenzen können verschoben werden. Das bedeutet dann aber nicht, dass die gewisse Dinge egal sind, sondern nur, dass du objektiv dein Verhalten bewertest und somit festlegt, ob das nun okay oder "daneben" war. Insofern stellt man oft fest, dass etas im Grund nicht zu schlimm ist, und wenn es dir das nächste Mal passiert, dann empfindest du es vielleicht schon gar nicht mehr als Peinlichkeit.

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