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Schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik und Co: Die tägliche Dosis Gift?

Nehmen wir durch Kosmetika tatsächlich eine tägliche Dosis Gift zu uns? Oder ist alles bloß Hysterie? Beinhalten Lipbalm, Sonnencreme, Deo und Co wirklich gefährliche Inhaltsstoffe? Was ist dran an den Gerüchten? Wir haben nachgefragt!

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Inhaltsstoffe in Kosmetik und Co: Tägliche Dosis Gift? Was stimmt wirklich?
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Sind Aluminiumsalze in Deodorants krebserregend?

Immer wieder hört man: "Verwende ja keine Deos mit Alu!". Manche Firmen werben sogar damit, dass die Sprays und Roll-Ons frei von Aluminium sind. Kein Wunder, ein möglicher Zusammenhang zwischen der Verwendung von aluminiumchloridhaltigen Deodorants und dem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, besteht. "Das tatsächliche Risiko lässt sich aufgrund der mangelhaften Datenlage gegenwärtig nicht abschätzen", so die Geschäftsführung der Österreichischen Krebshilfe. Eventuell naht Aufklärung: Die Schweizer Krebsliga hat im Vorjahr eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind aber noch ausständig.

Du kannst dein Deo übrigens auch selber herstellen - garantiert aluminiumfrei: So geht's!

Welche Schadstoffe nehmen wir durch Lippenbalsam zu uns?

"In unserem Test haben wir in 18 von 35 Lippenpflegemitteln kritische 'Mosh','Moah' oder 'Posh' nachgewiesen. Das sind gesättigte oder aromatische Kohlenwasserstoffe, die sich im Körper anreichern können und zum Teil im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. 'Mosh' und 'Moah' in Kosmetik stammen aus Zutaten auf Mineralölbasis. 'Posh' kommen über synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe ins Produkt", so die Expertin. Wer sichergehen will: "Produkte, die vorwiegend pflanzliche Öle & Fette wie Sheabutter, Rizinusöl oder Bienenwachs enthalten, können wir laut unseren Testergebnissen empfehlen. Naturkosmetiksiegel sind eine gute Orientierung." so Lea Lukas, Kosmetikexpertin der Stiftung Warentest.

Schaden Silikone unserem Haar?

"Silikone in der Haarpflege ummanteln die Haare mit einer dünnen Schicht. Damit glänzen sie, sind leichter kämmbar und Spliss wird überdeckt", sagt die Expertin Magdalena Riekmann der "Just Green Things Beauty Boutique". So weit, so gut! Aber: "In Wahrheit pflegen Silikone nicht, sondern kaschieren nur. Bei längerer Anwendung silikonhaltiger Produkte werden die Haare immer schwerer, verlieren an Spannkraft und trocknen unbemerkt aus. Irgendwann kommt dann die Wahrheit ans Licht, und das Haarbild zeigt sich sogar schlechter als zuvor. Sinnvoller ist es, die Haare richtig und silikonfrei zu pflegen, mit einer Auswahl aus der breiten Palette natürlicher Haarpflegeprodukte."

Sind Wimpernseren schlecht für die Augen?

"2008 wurde das erste Lash-Serum auf dem US-Markt zugelassen. Es enthält den Wirkstoff Bimatoprost, ein 'Prostaglandin-Analog', das auch bei der Behandlung des Glaukoms (Grüner Star) angewendet wird. In vielen Wimpernseren werden mit Bimatoprost verwandte Wirkstoffe verwendet, um das Wimpernwachstum zu pushen. Mögliche Nebenwirkungen: Hautirritationen, Schwellungen, Rötungen, Juckreiz, & Dunkelfärbung der Lider. Wenn Wimpernseren ins Auge gelangen, kann es zu Bindehautrötung, Entzündung, Trockenheit & bleibender Dunkelfärbung der Regenbogenhaut kommen. Somit ist die Anwendung nicht unbedenklich, bei KontaktlinsenträgerInnen oder empfindlichen, trockenen und hellen Augen nicht empfehlenswert. Wer konstant ein Lash-Serum verwendet, sollte regelmäßige Augenarztkontrollen wahrnehmen." rät Augenärztin Priv.-Doz. Dr. Ana Prinz.

Kann ich Gelnägel ohne Bedenken tragen?

Praktisch sind die immer schön geformten künstlichen Fingernägel ja schon. Aber Achtung: "Die Aushärtung unter der UV-Lampe könnte Pigmentflecken hervorrufen oder gar Hautkrebs verursachen", so die Dermatologin Dr. Verena Beck. Denn "unter dem Nagelbett kann ein Melanom entstehen, da sollte die Kosmetikerin sehr aufmerksam sein". Zudem muss alles steril sein, "sonst werden Pilze und Bakterien übertragen. So kann es sein, dass unter Gelnägeln ein Pilz gedeiht - das führt schnell zum Infekt." Also dem immer weicher werdenden Nagel vielleicht hin und wieder eine kleine Pause gönnen oder doch lieber ab und zu selbst die Feile schwingen?

Wie gefährlich sind Nanopartikel in Kosmetika?

"Lösliche und unlösliche Nanomaterialien in kosmetischen Mitteln werden vor allem aufgrund von folgenden Vorteilen verwendet: Wirkstoffe können besser in tiefere Hautschichten transportiert werden, und UV-Filter in Form von Nanopartikeln schützen wirksam vor schädlichen Sonnenstrahlen. Lösliche und biologisch abbaubare Substanzen wie Liposome und Nanoemulsionen geben nach derzeitigem Wissensstand keinen Anlass für gesundheitliche Bedenken. Auch hinsichtlich des UV-Filters Titandioxid in seiner unlöslichen Nanoform haben Studien gezeigt, dass dieser nicht über die Haut in den Blutkreislauf und in die Zellen des Körpers gelangen kann. Ist hingegen die Haut krank oder geschädigt, kann ein Eindringen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Fest steht jedoch: Die UV-Strahlung der Sonne schädigt nachhaltig die Haut. Aus diesem Grund sollte auf keinen Fall auf Sonnenschutz verzichtet werden." sagt Dr. Karin Gromann, Leiterin der Abteilung II/B/14: Stoffliche und technologische Risiken, Gentechnik des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen.

Wie "böse" sind Parabene in Pflegeprodukten wirklich?

"Parabene werden als Konservierungsstoffe und Stabilisator verwendet", so die Dermatologin Dr. Sabine Schwarz. Wobei die meistverwendeten Methylparabene und Ethylparabene nur eine geringe hormonelle Aktivität besitzen. Sie sind deshalb in der in Pflegeprodukten eingesetzten Konzentration von maximal 0,4% kein Risiko für die Gesundheit. "Hormonell wirksame Chemikalien (z. B. Parabene-Verbindungen) können aber in Sonnencremen als UV-Filter und/oder Konservierungsstoff vorkommen. Auch Plastik als Verpackung hat eine hormonähnliche Struktur und wirkt auch so im Körper. Das bedeutet, dass bestimmte Krebsarten gefördert werden können. Gerade Kleinkinder und stillende/schwangere Frauen sollten auf parabenefreie Rezepturen zurückgreifen.

Inhaltsstoffe im Schnellcheck

Was klatsche ich mir da eigentlich ins Gesicht? Mit smarten Apps kannst du bedenkenlos einkaufen und den Überblick behalten:

ToxFox: Schadstoffe schnell aufspüren: Einfach vor dem Kauf den Barcode des Produkts scannen und so die hormonellen Schadstoffe in über mehr als 80.000 Körperpflegeprodukten sofort erkennen!

INCI: Überblick über mehr als 20.000 Inhaltsstoffe, die auf Grundlage der Europäischen Kosmetikverordnung Verwendung in Kosmetika finden. Plus: Welche Aufgaben diese haben.

Codecheck: Auf einen Blick wird ersichtlich, was sich tatsächlich hinter kryptischen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln und Kosmetika verbirgt. Einem gesunden, nachhaltigen Einkauf steht nichts mehr im Wege!

Thema: Bio & fair

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2.ter Teil. Ich schreibe seit 2-3 Jahren dass dies nicht stimmt, bringe Beweise, wie neuere Studien - was geschieht? Man wird als dumm und unwissend hingestellt.

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Schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik und Co: Die tägliche Dosis Gift?

Einer der besten Artikel der letzten Monate - endlich keiner nämlich das Angst macht.
Leider gibt es in letzter Zeit so viele - richtig militante Leute - die Aluminiumsalze und vor allem Parabene verdammen, ja den Mitmenschen einreden wollen dass man damit praktisch sofort stirbt.
Danke - weiter so.