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Schauspieler und Hörbiger-Spross Cornelius Obonya: „Wir matchen uns beide gerne!“

Cornelius Obonya – der „Cordoba“-Star ist derzeit der meistgefeierte Mime. WOMAN traf den Hörbiger-Spross zum Duell mit seiner spannenden Frau und Mutter seines 4-jährigen Sohnes Carolin Pienkos.


Schauspieler und Hörbiger-Spross Cornelius Obonya: „Wir matchen uns beide gerne!“
© Roland Ferrigato

Als Hans Krankl bei der Fußball-WM 1978 das legendäre Tor für Österreich erzielte und damit die „Schmach von Cordoba“ für Intimfeind Deutschland besiegelte, war Cornelius Obonya ein neunjähriger Knirps, verfolgte das Spektakel via Fernsehen – und jubelte laut mit: „Tor! I werd narrisch.“ Zweiunddreißig Jahre später nimmt er das Wunder in dem Satirestück „Cordoba – Das Rückspiel“ ( derzeit im Wiener Rabenhof zu sehen ), in dem es um das ewige Match zwischen Österreichern und Deutschen geht, auf die Schaufel. Dabei stammt Obonyas Angetraute und Mutter seines vierjährigen Sohnes Attila, Regisseurin Carolin Pienkos ( 18. 5., „Katzelmacher“, Schauspielhaus, und 2. 7., „Romeo & Julia“ auf der Rosenburg ), selbst aus dem germanischen Osnabrück. Grund genug für WOMAN, sich mit dem Paar über Zusammenspiel, Krisen und Obonyas Oma, Paula Wessely, zu unterhalten.

WOMAN: Frau Pienkos, wo waren Sie, als das Cordoba-Tor fiel?

Pienkos: Keine Ahnung. Cordoba war mir egal. Aber seit ich mit Cornelius zusammen bin, schau ich Meisterschaftsspiele mit!

Obonya: Dann halten wir zu Deutschland! Seit meiner Zeit in Berlin – da lebte ich in den Neunzigern – bin ich ein Fan der Deutschen. Kennen gelernt habe ich Carolin allerdings erst, als ich, zurück in Wien, am Burgtheater begann. Wo sie 2001 anheuerte.

Pienkos: Es war im Mai. Ich hatte meinen Job als Produktionsassistentin bei „Maria Stuart“ begonnen, und Cornelius hat in einer Vorstellung von „Der jüngste Tag“ gespielt. Eines Tages saß er mit aufgeklebtem Schnauzbart in der Kantine. Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann Schnauzer! Trotzdem war es Liebe auf den ersten Blick (lacht) .

Obonya: Ich hab sie schon zuvor entdeckt gehabt und meine Mutter Elisabeth Orth nach diesem Blondschopf gefragt. So erfuhr ich, dass Carolin die Assistentin von Regisseurin Andrea Breth ist. Aber ich war zu feig, um sie direkt anzureden. Bis zu dem Abend in der Kantine. Da verabredete ich mich mit ihr auf ein Glas Wein nach der Vorstellung. Leider musste ich kurz außer Haus. Und als ich zurück in die Kantine wollte, kam Andrea Breth aus der Tür und meinte, dass niemand mehr da sei...

Pienkos: Dabei wartete ich dort auf ihn! War stinksauer und dachte: „Dieser blöde Sack verspricht was und lässt sich nie wieder blicken. Der hat seine Chance vertan!“ Deshalb habe ich ihn zunächst wochenlang geschnitten. Doch am 26. Juni fasste sich Cornelius ein Herz, passte mich in der Kantine auf halbem Weg ab, zerrte mich an die Bar, und da haben wir uns dann stundenlang unterhalten bis zur Sperrstunde... (lacht) !

WOMAN: Also Sogwirkung ist das eine, Timing das andere!

Pienkos: Definitiv! Das falsche Timing kann vieles durchkreuzen, auch wenn sich zwei noch so wollen! Hätte ich Cornelius fünf Jahre früher getroffen, hätte es nie gefunkt. Da stand ich auf ganz andere Typen.

Obonya: Auch ich war von meiner Ex gerade drei Monate getrennt und wollte das Singledasein auskosten, bevor ich es ernsthaft anging. Ich wollte keine Partnerschaft eingehen, nur damit ich nicht allein bin. Im Grunde aber sehnte ich mir etwas zutiefst Romantisches herbei. Erst seit ich mein Leben mit Carolin teile, weiß ich, was Liebe wirklich heißt! (Küsst sie.)

WOMAN: Und wie wirkt sich Ihre Leidenschaft im Alltag aus?

Pienkos (lacht) : Wir können unglaublich offensiv streiten. Ich bin Krebs, Aszendent Löwe! Ich bin sehr direkt, schnell und spreche alles ganz offen an.

Obonya: Und ich bin eher der typische Österreicher, der herumlaviert. Das hat mir Carolin ein wenig ausgetrieben – fantastisch! Wir haben in unserer Streitkultur viel voneinander gelernt. Am schönsten ist das Versöhnen!

Pienkos: Wir haben begriffen, dass man Streit statt auf der verletzenden Beziehungsebene besser sachlich auf der Inhaltsebene austrägt. Uns wurde einiges auch im Zuge des Eltern-Coachings bewusst; ein Kind leidet extrem darunter, wenn die Eltern ihre Konflikte mit sich herumtragen, weil es das spüren kann. Es ist gut, emotional zu sein.

WOMAN: Hatten Sie schon einmal eine handfeste Krise?

Obonya: Eigentlich nicht. Etwas belastend war nur die Zeit, als Attila klein war und Carolin für sechs Wochen wegen eines beruflichen Engagements nicht im Land war. Da war ich quasi Alleinerzieher. Carolin hat da leider verpasst, als Attila die ersten Gehschritte machte. Ich hab aber alles aufgezeichnet und ihr auf Video gezeigt!

WOMAN: Ihr Kleiner heißt nach seinem Uropa Attila Hörbiger. Ist es eine Bürde, aus dem berühmten Schauspielerclan zu stammen?

Obonya: Weder Bürde noch besonderes Privileg. Als junger Schauspieler beneidete ich andere manchmal, wie unbelastet sie in den Beruf starteten.

WOMAN: Frau Pienkos, sind Ihre Eltern auch Schauspieler?

Pienkos: Nein, sie haben überhaupt nichts mit dem Theater zu tun. Mein Vater ist leider viel zu früh gestorben. Ich war erst 16. Er hat immer sehr viel gearbeitet, und als er endlich mit meiner Mutter das Leben genießen und reisen wollte, ließ er sich prophylaktisch am Herzen operieren, denn er hatte eine Herzinsuffizienz. Doch er hat die OP nicht überlebt.

WOMAN: Eine tragische Familiengeschichte! Herr Obonya, Ihre Oma, Paula Wessely, hat Propagandafilme gedreht. Wie stehen Sie zu ihrer Vergangenheit?

Obonya: Es war der Film „Heimkehr“. Ich habe meine Großmutter vor vielen Jahren mal gefragt, was sie denn veranlasst hatte, das zu tun, und das mit ihr besprochen. Keiner von uns, der eine große Karriere machen will, kann behaupten, dass er sich niemals unter ein diktatorisches Regime fügen würde. Meine Großmutter hat ihren Beruf geliebt, sie hat diesen Film gemacht und war sich bewusst, was sie getan hat. Und es hat sie ihr Leben lang begleitet. Ich finde, es ist wichtig, dass der Umgang mit dem Nationalsozialismus ein Thema bleibt. Wir haben schließlich einen Dritten Nationalratspräsidenten, der mit diesem verschissenen Gedankengut ständig um sich wirft! Man soll als Nachgeborener immer Fragen stellen.

WOMAN: Ihre Großcousine ist Mavie Hörbiger. Gibt’s oft Familienbesuche?

Obonya: Nein. Wir schaffen das große Zusammensein in der Familie leider nie wirklich. Wir alle sind lauter Flaggschiffe, die über die Weltmeere segeln. Die Flotte kommt leider nur alle heiligen Zeiten zusammen.

Interview: Petra Klikovits