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Schauspielerin Julia Cencig im WOMAN-Interview: "Muttersein ist ein Opfer!"

In der ORF-Serie „Das Glück dieser Erde“ entfaltet sie sich von der fürsorglichen Ehefrau & Mutter zur Erfolgs-Lady. Privat schupft Julia Cencig seit zwei Jahren Kind und Karriere...


Schauspielerin Julia Cencig im WOMAN-Interview: "Muttersein ist ein Opfer!"
© Susanne Spiel

Am TV-Schirm kämpft Julia Cencig, 39, als Birgit Gross in der Serie „Das Glück dieser Erde“ (donnerstags, 20.15 Uhr, ORF 2) mit schwerwiegenden Ehesorgen. Und auch privat ist die Schauspielerin krisenerprobt.

„Beziehungs-Troubles hatte ich schon viele! Unter meinen Exfreunden waren einige faule Eier“, lacht die gebürtige Kärntnerin, die seit viereinhalb Jahren mit Posaunist Clemens Hofer liiert ist. Nachdenklich wird sie hingegen, wenn sie von der bisher schlimmsten Zeit ihres Lebens erzählt: Bevor sich Tochter Emilia „ankündigte“, hatte Cencig nämlich eine Fehlgeburt und eine Eileiterschwangerschaft.

„Seither weiß ich: Kinder sind ein großes Geschenk und alles andere als selbstverständlich“, sagt sie und drückt den zweijährigen Lockenkopf fest an sich...

WOMAN: Job & Kind haben Sie gut im Griff. Schließlich sind Sie im Vorjahr für drei Serien und einen Film vor der Kamera gestanden. Haben Sie Emilia gegenüber ein schlechtes Gewissen?

Cencig: Wenn ich drehe, kümmert sich Clemens um die Kleine. Und wir haben auch eine Babysitterin. Manchmal frage ich mich selbst, wie wir das alles schaffen. Aber irgendwie klappt’s immer! Durch Emilia hat mein Leben eine völlig neue Richtung genommen: Früher drehte sich alles um die Arbeit, jetzt hat sich das verlagert. Premieren kommen und gehen, die Liebe eines Kindes bleibt. Den Job sehe ich mittlerweile als Luxus. Ich genieße es, wenn ich auf Drehs bin und mich nur um mich kümmern muss. Ein Leben mit Kind ist eben auch anstrengend.

WOMAN: Ein 24-Stunden-Job, der von vielen unterschätzt und belächelt wird...

Cencig: Keine Gesellschaft der Welt könnte existieren ohne diese unbezahlte Arbeit der Mütter! Von den meisten wird das viel zu selbstverständlich genommen. Schließlich ist es ja eh super, wenn man zuhause sein kann. Doch das „Muttersein“ ist ein riesiges Opfer von jeder Frau.

WOMAN: Ihr Filmcharakter Birgit folgt ihren Träumen, die Ehe schlittert dabei in die Krise. Wieweit ist Selbstverwirklichung erlaubt?

Cencig: Man muss immer seiner Leidenschaft folgen, eine gute Partnerschaft muss das aushalten. Jeder sollte sich darin selbst entfalten können, sonst geht es auf Dauer ohnehin nicht gut. Dieser Prüfung muss man sich stellen.

WOMAN: Haben Sie für Ihre Familie bereits zurückstecken müssen?

Cencig: Natürlich bin ich auch schon Kompromisse eingegangen – lange Theater-Engagements im Sommer gehen mit Kind nicht. Aber man darf seine Ziele trotzdem nie aus den Augen verlieren, sonst ist man irgendwann unglücklich. Es braucht die Bereitschaft beider Partner, Kompromisse einzugehen. (Emilia kraxelt zu ihr auf den Stuhl und will wissen, wo ihr Papa ist.) Der Papa kommt bald. Und dann wird er die Mili ins Bett bringen. Papa ist für sie nämlich zurzeit der absolute Star!

WOMAN: Wie schaut’s bei Ihnen eigentlich mit Halbe-Halbe aus?

Cencig: Clemens ist ein großartiger Vater! Und der Rest, so würde ich sagen, ist ausbaufähig. (lacht.) Ich verlange aber auch keine 50:50 von ihm, sondern versuche, es ihm zu ermöglichen, dass seine Proben und Auftritte stattfinden können. Frauen lassen sich eben noch immer leicht in diese Rolle drängen und glauben, alles unter einen Hut bringen zu müssen. Man schupft das schon alles irgendwie! Da muss ich noch an mir arbeiten...

WOMAN: Im TV mimen Sie eine Köchin. Wie steht’s denn um Ihre eigenen Gourmetkünste?

Cencig: Zuhause bin ich eher eine Improvisationsköchin – ich koche gerne, und wie man mir immer wieder bestätigt auch gar nicht so schlecht. Nur einmal ist es total in die Hose gegangen. Als ich noch in der Serie „Medicopter“ vor der Kamera gestanden bin, habe ich mal die gesamte Crew eingeladen. Und als gebürtige Kärntnerin wollte ich Kasnudeln auftischen. Die sind aber leider im siedenden Wasser zerplatzt. Das war peinlich! Im Endeffekt haben meine Gäste Salat gegessen.

WOMAN: In der Serie stehen Sie vor der Scheidung. Wann würden Sie sich privat trennen?

Cencig: Wenn über lange Zeit Tränen und Streit überwiegen. Doch wenn man ein Kind hat, trennt man sich nicht so leicht. Ein Seitensprung wäre für mich kein Grund dazu. Ich trenne mich nicht rasch, aber wenn, dann endgültig.

WOMAN: Kann man mit Ihnen gut streiten?

Cencig: Ich bin Waage, also sehr harmoniebedürftig. Aber wenn sich mal ein Gewitter auftut, muss das auch raus. Danach kann ich aber auch sehr schnell wieder verzeihen. Nachtragend bin ich überhaupt nicht. Ich vergesse solche Konflikte schnell wieder. Dinge, die mich am Vortag noch wahnsinnig aufgeregt haben, habe ich am nächsten Morgen vergessen. Das war schon als Kind so.

WOMAN: Schon mal eine arge Liebeskrise gehabt?

Cencig: Viele! Wegen der ersten bin ich vor vielen Jahren Vegetarierin geworden. Ich dachte, ich muss in meinem Leben etwas radikal ändern, sonst überlebe ich diese Trennung nicht. Und nach dem Aus einer darauf folgenden Beziehung war ich sogar beim Psychiater. Es war eine unglückliche Liebesgeschichte, die auf sehr unschöne Art zerbrochen ist. Damals habe ich keinen Ausweg mehr gesehen, bin immer unglücklicher und dünner geworden. Bei derselben Therapeutin habe ich auch Jahre später Hilfe gesucht. Vor Milis Geburt habe ich ein Kind im vierten Monat verloren, und gleich darauf hatte ich auch eine Eileiterschwangerschaft. Es war schlimm, ich wollte unbedingt schwanger werden. Ein Dreivierteljahr später hat’s dann mit meiner Tochter geklappt. Ich war so dankbar!

WOMAN: Wünschen Sie sich mehr Kinder?

Cencig: Kommendes Jahr werde ich 40. Die späte Mutterschaft hat ihren Preis. Es ist ein Unterschied, ob man mit Mitte 20 oder mit Mitte 30 ein Kind bekommt. Und wer weiß schon, ob es dann auch reibungslos abläuft. Ein zweites Baby würde ich dankbar annehmen. Aber ich habe jetzt keinen Stress mehr.

WOMAN: Freuen Sie sich schon auf Ihren 40-er?

Cencig: Freuen wäre übertrieben. Zurzeit verdränge ich es noch. (lacht) Die 38 hat mir schon nicht so gefallen, das war bereits sehr 40 orientiert. Aber noch merke ich keine negativen Seiten des Alters. Ich fühle mich jung. Genetisch bin ich da Gott sei Dank auch gut ausgestattet.

WOMAN: Rückblickend: Wo sind Sie denn in den vergangenen 20 Jahren eines besseren belehrt worden?

Cencig: Auch wenn es pessimistisch klingt, aber ich habe gelernt, dass sich Menschen nicht ändern. Vielleicht legen sie kleine Gewohnheiten ab, aber es ist verlorene Liebesmüh darauf zu hoffen, dass sich Menschen in ihrem Wesen ändern. In meinem Umfeld sind auch schon die ersten Leute gestorben, nahe Bekannte oder Verwandte die auch plötzlich alt geworden sind. Man muss das Leben genießen – das habe ich mir in vergangener Zeit oft gedacht. Wir sind alle nicht in Stein gemeißelt. Solche Gedanken habe ich früher nicht gehabt.

MEHR über Julia Cencig sowie viele tolle weitere Bilder finden Sie in WOMAN 08/2011!

Interview: Melanie Zingl