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Scheidungskind - so trenne ich mich richtig!

Rund 12.621 minderjährige Kinder haben im Vorjahr die Scheidung ihrer Eltern miterlebt. Wie Kinder die Trennung der Eltern verkraften, hängt stark von den Eltern ab. Beziehungscoach Dominik Borde hat 10 Tipps!

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Scheidungskind - Tipps für die Trennung

Wie Kinder mit der Situation umgehen, hängt stark von den Eltern ab

© istockphoto.com

Viele Paare trennen sich nicht, weil sie dies den Kindern nicht antun möchten. „Ein Klassiker und verständlich, weil Eltern ihren Kindern schützen wollen, aber leider die komplett falsche Entscheidung“, sagt Beziehungscoach Dominik Borde. Denn Kinder spüren intuitiv, wenn in der Beziehung der Eltern der Wurm drinnen ist und beziehen diese Missstimmung auf sich. „Sehr leicht können sich Schuldgefühle entwickeln, weil sich die Kinder verantwortlich fühlen“, so der Experte. Besser ist es die Trennung kinderfreundlich zu gestalten. Hier die Checkliste vom Profi:

1. Wie sage ich’s meinem Kind?

Viele Eltern fürchten sich vor dem Moment, in dem sie ihre Kinder einweihen müssen. „Es ist nicht einfach den Kindern zu erklären, warum Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Und ein Patentrezept gibt es auch nicht. Manche Eltern verkünden gemeinsam die Trennung, bei manchen übernimmt ein Elternteil“, so Borde. Wichtig ist für ihn aber, dass beide Elternteile sich abstimmen, was sie wie sagen, an einem Strang ziehen und dass es keine Schuldzuweisungen gibt: „Wenn unterschiedliche Versionen kursieren oder einer auf den anderen schimpft, kennen sich die Kinder nicht aus und sind verunsichert.“

Trennung

2. Bei Mama oder Papa?

Der Streit um die Kindesobsorge ist der absolute Worst-Case. Dabei gibt es heute sehr flexible Möglichkeiten, sich die Obsorge zu teilen. Egal, ob das Kind hauptsächlich bei der Mutter oder beim Vater leben soll, ob es tageweise zwischen beiden hin- und herpendelt oder, ob es jede zweites Wochenende zum jeweils anderen zieht. Das alles können und müssen die Eltern vereinbaren. „Kein Kind sollte sich entscheiden müssen, zu wem es gehört oder wen es lieber hat“, so Borde. Die Aufgabe der Eltern ist vielmehr, klare Strukturen zu schaffen und sich auch daran zu halten.

3. Vorsicht Zeitfalle

Eine Scheidung bedeutet meist eine gewaltige Umstellung für beide Seiten. Und meist bedeutet es auch, dass beide Eltern mehr arbeiten müssen. Schließlich ist es teurer, zwei Haushalte zu haben als einen gemeinsamen. Und von morgens bis abends für alles alleine zuständig zu sein, kann für Mütter und Väter eine gewaltige Umstellung sein. Umso wichtiger ist eine gute Zeiteinteilung. „Wer sich die Obsorge teilt, hat prinzipiell mehr Luft“, so Borde. Ohne delegieren und organisieren wird es dennoch nicht gehen – von der Nachmittagsbetreuung bis zu Oma, Babysitter oder Freunde. „Gerade Frauen tun sich oft schwer, Hilfe einzufordern. Sie haben das Gefühl, alles schaffen zu müssen. Dabei kommt es nicht auf die Quantität der Zeit an, sondern auf die Qualität“, sagt der Beziehungscoach.

4. Getrennt, aber gemeinsam

Fakt ist, Kinder brauchen Mutter und Vater. Das bedeutet für die Ex-Partner, dass sie nicht umhin kommen, den anderen zu sehen oder miteinander zu telefonieren. „Wenn sich die Eltern des Kindes noch gut verstehen, ist nichts dagegen einzuwenden, etwas gemeinsam zu unternehmen“, sagt Borde. Aber Vorsicht: Die Trennung sollte erst verarbeitet sein und die Fronten sollten klar sein, betont Borde: „Es hat keinen Sinn, sich zu trennen und dann sofort jedes Wochenende gemeinsam zusammenzupicken. Das weckt nur falsche Erwartungen bei den Kindern und eventuell auch bei dem Partner, der sich mit der Trennung schwerer tut“.

Scheidungskind - Tipps für die Trennung

5. Ansprechpartner für Schule & Co

Die Faustregel ist simpel: Der Elternteil, wo das Kind den überwiegenden Teil der Zeit wohnt, ist auch der Hauptansprechpartner in der Schule oder im Kindergarten. Die Kontaktdaten sollten aber von beiden aufliegen. Und bei Schulveranstaltungen ist es für die Kinder schön, wenn beide Eltern kommen. Wenn sich die Eltern die Obsorge teilen, ist es sehr wichtig, dass die Schule weiß, an wen es sich bei Unfällen, plötzlicher Krankheit oder ähnlichen Notfällen wenden soll. "Diese Überlegungen sollten vor allem praktisch sein. Wenn der Vater in der Nähe der Schule arbeitet und die Mutter am anderen Ende der Stadt, dann ist der Vater sicher rascher zur Stelle“, so Borde.

6. Stressfrei in den Urlaub

Mit dem Vater nach Kroatien oder mit der Mutter nach Griechenland? Ein Kind möchte sich nicht entscheiden und soll das auch nicht tun. Besser ist, wenn die Eltern ihre Urlaube so aufeinander abstimmen, dass sie nicht gleichzeitig fallen. Dann können die Kinder zwei Urlaube genießen. Wichtig findet Beziehungscoach Borde, dass Urlaube nicht in einen Wettstreit ausufern, nach dem Motto: Wer kann mehr bieten?

7. Feiertagsblues

Schwieriger als Urlaube ist es Feiertage zu planen. Weihnachten fällt nun mal auf den 24. Dezember, und Geburtstag ist auch nur einmal im Jahr. „Gerade Geburtstage und Feiertage sind auch sehr emotional besetzt. Da hilft nur, eine möglichst faire Lösung für alle Beteiligten zu finden“, sagt Borde und betont: „Die ultimative Lösung gibt es nicht. Manche Familien feiern etwa gemeinsam mit neuen Partnern, in anderen Familien werden diese Tage zweimalt, einmal bei der Mutter und einmal beim Vater.“ Doch egal für welchen Weg sich die Eltern entscheiden – hinterher vor den Kindern nörgeln ist ein No-Go.

8. An einem Strang ziehen

Klar, Kinder loten Grenzen aus und brauchen Grenzen. Schon in Familien, wo Mutter und Vater zusammen leben, versuchen die Kleinen, sich Vorteile zu verschaffen, wenn sie nur mit einem Elternteil verhandeln, nach dem Motto „der Papa hat’s aber erlaubt“. Bei getrennt lebenden Paaren umso mehr. „Ich habe aber auch schon viele Männer und Frauen erlebt, die bewusst Dinge erlaubt haben, nur um dem oder der Ex etwas auszuwischen oder um unbewusst die Kinder zu bestechen“, berichtet Borde und betont: „Kinder sollten kein Spielball sein zwischen den Interessen der Erwachsenen, daran zerbricht ihr Selbstbewusstsein.“ Besser: An einem Strang bei der Erziehung ziehen, auch wenn es schwer fällt und das gemeinsame Festlegen der Regeln oft auch durchaus mühsam.

Scheidungskind - Tipps für die Trennung

9. Neue Partner akzeptieren

Wenn die erste ernstzunehmende, neue Partnerin im Leben des Ex auftaucht, dann müssen viele erst mal schlucken. Das mühsam zusammengezimmerte Gefüge aus Mutter-Ex-Kinder gerät dann meist gehörig ins Wanken. Aber auch wenn die Neue vielleicht nie die beste Freundin wird, so heißt es doch, sich zu arrangieren. Denn ob es passt oder nicht, aber auch für die Kinder wird die neue Partnerin eine Bezugsperson werden. Daher: „Nicht über die Neue schimpfen, sondern ihr mit Respekt begegnen. Denn meist ist der Groll auf die neue Partnerin in Wahrheit eine Mischung aus Eifersucht, dass der Ex jemanden hat, und noch nicht aufgearbeiteten Gefühlen aus der Ex-Beziehung“, sagt Dominik Borde.

10. Konfliktkultur

Konflikte bleiben bei einer Trennung nicht aus. Schließlich gab es ja Gründe, warum zwei Menschen nicht mehr zusammen sein können oder wollen. Die Frage ist nur „Wie lebe ich diese aus?“ Für einen friedlichen Abschluss empfiehlt Borde, sich nach der Trennung vor Augen zu halten, wofür man dem Ex dankbar sein kann und was man aus der zerbrochenen Beziehung gelernt hat. „Wenn man ohne Groll auseinander geht, dann ist das ein guter Grundstein, dass man weiterhin gemeinsam für die Kinder da sein kann“, sagt Borde. Wenn ein Ex Stress macht, dann meist, weil er oder sie sich nicht ausreichend geachtet fühlt und denkt, die gemeinsame Zeit wurde nicht wert geschätzt. Und wenn dennoch Konflikte auftauchen: Reden, reden, reden. Und sich vor Augen führen, dass man nur ein gemeinsames Ziel hat: die Kinder.

Dominik Borde - Therapeut
Dominik Borde, Beziehungscouch für Singles und Paare

Dominik Borde ist selbst vierfacher Vater und glücklich in einer Beziehung. Er zählt zu den führenden Beziehungscoaches im deutschsprachigen Raum. Er ist Trainer, Buchautor und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik. Wenn du weitere Fragen hast oder Hilfe brauchst, besuche: www.sozialdynamik.at

Themen: Kinder, Eltern

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