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Scheidung: Warum Mütter um den Unterhalt kämpfen sollten

Wenn Väter nach der Scheidung die Alimente nicht zahlen, schrecken viele Mütter davor zurück, den Kindes-Unterhalt vor Gericht einzufordern. Ein Fehler!


Scheidung: Warum Mütter um den Unterhalt kämpfen sollten
© iStockphotoNakic

Trennen sich Eltern, muss der Elternteil, der nicht mit den Kindern zusammenlebt (meistens der Vater), Alimente zahlen. So sieht es das Gesetz vor. Aber so betrachtet es leider nicht jeder Vater, wie die auf Scheidungen, Obsorge- und Unterhaltsverfahren spezialisierte Anwältin Carmen Thornton (thornton-law.at) aus ihrer Praxis weiß:

Der Unterhalt wird nur unregelmäßig bezahlt, oft zahlt der Vater weniger für seine Kinder, als laut Gesetz vorgesehen – und manche Männer weigern sich prinzipiell, die Alimente zu leisten. In solchen Fällen sind die Mütter gefragt, den Unterhalt für ihre Kinder - notfalls auch gerichtlich - einzufordern. Davor schrecken jedoch viele Mütter zurück.

Mütter fordern die Alimente nicht bei Gericht ein, weil sie das Gesprächsklima mit dem Vater nicht zerstören wollen

Manche haben Angst, dass bei einem gerichtlichen Unterhaltsverfahren das Gesprächsklima vollkommen zerstört werden könnte. Natürlich ist es für die Kinder sehr wichtig, dass ihre Eltern miteinander auskommen. Gerade in jenen Fällen, in denen der Vater nicht einmal bereit ist, irgendeinen Beitrag zu leisten, ist das Verhältnis des Vaters zu der Mutter und seinem Kind aber meistens ohnehin nicht besonders gut.

Es kommt auch vor, dass Mütter nur deshalb keinen Unterhalt verlangen, weil sie gar nicht wissen, wie viel ihr Ex überhaupt verdient. Das ist aber kein Hindernis, denn im Unterhaltsverfahren können die Gerichte vom Vater die Herausgabe von Einkommensnachweisen (zB.: Gehaltszetteln) verlangen und notfalls auch zwangsweise durchsetzen.

Wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt: Wie man vorläufige Alimente beantragt

Was viele Mütter nicht wissen: Es besteht die Möglichkeit, einen vorläufigen Unterhalt zu beantragen. Unter Umständen kann man sogar einen Prozesskostenvorschuss verlangen. Wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt, obwohl er vom Gericht dazu verpflichtet wurde, kann man sich den Unterhalt sogar vom Staat bevorschussen lassen.

Scheidungsanwältin Carmen Thornton: "Mütter sollten keine Angst haben, das einzufordern, was ihren Kindern zusteht."

Auch Mütter, die finanziell nicht unbedingt auf den Unterhalt des Vaters angewiesen sind, sollten bedenken, dass der Unterhalt letztendlich nicht ihnen, sondern ihren Kindern zusteht und sie dafür verantwortlich sind, dieses Recht für ihre Kinder durchzusetzen.

Schon bei vergleichsweise geringen monatlichen Unterhaltsbeträgen kann über die Jahre einen ganz schöne Summe zusammenkommen. Bei einem Unterhalt von 150 Euro pro Monat kommt man bis zur Volljährigkeit des Kindes (ohne Zinsen) auf etwa EUR 35.000,--. Dieser Betrag kann einem jungen Erwachsenen einen guten Start in ein eigenständiges Leben ermöglichen und etwa für die Anzahlung einer Genossenschaftswohnung oder die Finanzierung einer Ausbildung verwendet werden.

Achtung: Unterhalt kann nur auf 3 Jahre rückwirkend verlangt werden!

Mit dem Unterhaltsantrag sollte man sich aber nicht zu lange Zeit lassen, denn Unterhalt kann rückwirkend nur für 3 Jahre beantragt werden. Wenn man abwartet, bis das Kind volljährig ist und selbst entscheiden kann, ob es seinen Unterhaltsanspruch durchsetzen möchte, wird es meist schon zu spät sein.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei thornton-law.at ist auf Scheidungen, Obsorge- und Unterhaltsverfahren spezialisiert. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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