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Nach der Scheidung: Die Unterhaltsfalle!

"Ich kann es mir nicht leisten, dass meine Kinder ihren Vater öfter sehen!" Rechtsanwältin Carmen Thornton über die Unterhaltsfalle nach der Scheidung.

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Nach der Scheidung: Die Unterhaltsfalle!

Carmen Thornton ist zweifache Mutter und Anwältin für Familienrecht

© Jana Madzigon

Nach der Scheidung eines der heikelsten Themen: Wie teilen wir uns die Kinderbetreuung auf. Wann sind die Kids beim Vater, wie lange dürfen sie bleiben? Meist entscheiden darüber die Gerichte - und tendieren in den letzten Jahren vermehrt dazu, das Kontaktrecht des Vaters auszuweiten.

Für berufstätige Mütter ist dies oft eine willkommene Entlastung - allerdings verbirgt sich hier auch eine Falle, wenn es um die Unterhaltspflicht des Vaters geht.

Carmen Thornton ist zweifache Mutter und mit ihrer Rechtsanwaltskanzlei (thornton-law.at) auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren spezialisiert. Für WOMAN erklärt sie die "Unterhaltsfalle" genauer.

Scheidung: Erweitertes Kontaktrecht kann zur Unterhaltsreduktion führen

Ein Kontaktrecht, das über das übliche Ausmaß von zwei Tagen alle zwei Wochen (und vier Wochen in den Ferien) hinausgeht, kann zu einer Reduktion der Unterhaltspflicht des Vaters führen – beziehungsweise kann der Unterhalt sogar zur Gänze entfallen. Dies wird damit begründet, dass sich die Mutter durch die überdurchschnittlichen Betreuungsleistungen des Vaters natürlich etwas erspart.

Das mag in jenen Fällen, in denen sich das Kind tatsächlich bei beiden Elternteilen gleich lange aufhält (etwa jeweils eine volle Woche bei der Mutter und beim Vater), durchaus zutreffen.

In der Praxis ist es allerdings so, dass meist immer noch die Mütter hauptsächlich für die Kinderbetreuung zuständig sind, selbst wenn den Vätern ein Kontaktrecht von etwa 2-3 Tagen pro Woche zugesprochen wird. Das Kontaktrecht des Vaters beschränkt sich nämlich zumeist auf die Wochenenden oder an Wochentagen auf die Abende.

»Die Mutter steckt in der Teilzeitfalle, der Vater behält seine Vollbeschäftigung«

In vielen Fällen holt der Vater die Kinder am Freitag nach der Schule ab und bringt sie am Sonntagabend wieder zur Mutter zurück. Während der Vater also einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen kann, ist die Mutter weiterhin in der Teilzeitfalle gefangen und muss neben den damit verbundenen Gehaltseinbußen auch noch auf einen Teil des Kindesunterhalts verzichten.

Dass hat zu Folge, dass Mütter einer Ausweitung des väterlichen Kontaktrechtes oft nur deshalb nicht zustimmen können, weil sie finanziell auf die Unterhaltsleistungen des Kindesvaters angewiesen sind. Eine für beide Elternteile unbefriedigende Situation, die auch zu unnötigen gerichtlichen Auseinandersetzungen führt, unter denen letztendlich vor allem die Kinder leiden.

Alleinerziehende Mütter sind daher gut beraten, bei der Vereinbarung des Kontaktrechtes darauf zu achten, dass Väter, die sich ein überdurchschnittliches Kontaktrecht wünschen, auch tatsächlich entsprechend mehr Verantwortung übernehmen und - zumindest teilweise - auch unter der Woche für die Kinderbetreuung zuständig sind.

Themen: Scheidung,

Kommentare

ChrisDoro Jettel

Ich finde äußerst gut wie im Artikel erwänht: Kontakt zum Kind = Verantwortung für das Kind übernehmen.
Die Frage nach dem Geld muss unbedingt dabei fair gehandhabt werden und darf nicht ein Ausnutzen des Ex-Partners sein. Spätestens dann rückt das Kind nämlich aus dem Fokus.
Diese Themen gehören unbedingt weiter diskutiert.

Autor

Typisch Frauen, zuerst regen sie sich auf, weil man sich angeblich nicht genug um die Kinder kümmert, aber wenn man´s doch macht passt es ihnen auch nicht. Da sieht man mal, dass es den Frauen eigentlich nur ums Geld geht...

Autor

AHH!! Genauso ist es mir ergangen!!!! Hatte damals keinen Anwalt und mein Ex wollte unbedingt öfter seine Kinder sehen. Weil ich meine Kinder liebe habe ich ja gesagt. Im Endefeffekt war es so, dass die Kinder die ganze Zeit bei seiner Mutter waren und er sie nur am Wochenende genommen hat und deswegen viel weniger Unterhalt gezahlt hat... und ich hab durch die Finger geschaut