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Scheidungs-Irrtümer

Seitensprung, Schuldenberg, Sorgerecht - wenn es um Scheidung geht, sind viele Fragen offen. Wir decken die zehn größten Irrtümer rund ums Ehe-Aus auf.

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Scheidungs-Irrtümer
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Jedes achte Ehepaar landet in Österreich laut Statistik vor dem Scheidungsrichter. Doch gesprochen wird von den Beteiligten nach wie vor nicht gerne über das Zweisamkeits-Aus. Und wenn, dann sind Schilderungen oft sehr einseitig. So ranken sich um das Thema auch zahlreiche Märchen. Etwa, dass man im Falle einer gerichtlichen Trennung für die Schulden des Partners aufkommen muss. Oder dass eine Scheidung erst nach einem verpflichtenden Trennungsjahr möglich ist, die Frau automatisch das Sorgerecht bekommt. Und hätten Sie gewusst, ob ein Partner Unterhalt zahlen muss, auch wenn er arbeitslos ist? Wir bringen Licht in den dunklen Paragrafen-Dschungel.

• 1. Ehebruch ist ein absoluter Scheidungsgrund.

Juristin Marie-Christine Pranter hält fest: "Ein Seitensprung stellt zwar eine schwere Eheverfehlung dar. Da er in vielen Fällen jedoch die Folge einer zerrütteten Ehe ist, gilt er nicht als absoluter Scheidungsgrund. Außer: Eine intakte Ehe wurde durch einen Seitensprung derart zerstört, dass eine Wiederherstellung nicht mehr möglich ist.“

• 2. Vor der Scheidung muss man ein Jahr in getrennten Haushalten leben.

Falsch! In Österreich müssen Paare laut Gesetz ein halbes Jahr getrennt sein, bevor sie die Scheidung einreichen. "Doch das wird vom Gericht meist nicht geprüft“, so Expertin Pranter, "man will dadurch übereilten Entscheidungen vorbeugen.“

• 3. Ein unbefriedigendes Sexleben stellt eine schwere Eheverfehlung dar.

Falsch! "Dass ein ausreichendes Sexualleben verpflichtend ist, wird im Gesetz nicht ausdrücklich erwähnt. Eine schwerwiegende Verletzung wäre allerdings eine, die Partnerwürde missachtende, unangepasste und brutale geschlechtliche Inanspruchnahme‘. Weiters, wenn man ehelichen Verkehr beharrlich und für den anderen unerklärlich ablehnt oder den Partner grundlos aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aussperrt. Als schwerwiegend verletzend gilt auch, wenn man vom Partner übermäßig viel Sex verlangt.“ Was als übermäßig gilt, ist von Fall zu Fall verschieden.

• 4. Wer arbeitslos ist, muss keinen Unterhalt zahlen.

Falsch! Unterhaltspflicht besteht trotzdem, sie kann jedoch entsprechend herabgesetzt werden. Anders ist es, wenn ein Ehegatte keinem Erwerb nachgeht, obwohl er arbeiten könnte. Pranter: "Dann kann bei der Unterhaltsbemessung von einem fiktiv erzielbaren Gehalt ausgegangen werden.“

• 5. Ich muss meinem Ehepartner nur sexuell treu sein.

Falsch! Jedes Verhalten, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Eheleuten beeinträchtigt, ist verboten. Pranter bringt’s auf den Punkt: "Dazu gehören auch ungerechtfertigte Eingriffe in die Privatsphäre des anderen, Geiz, die Höhe des Einkommens gegenüber dem Partner zu verschweigen, größere Abhebungen vom Gehaltskonto des anderen, hemmungsloses Schuldenmachen oder Dritten Intimitäten mitzuteilen.“

• 6. Die Frau bekommt automatisch das Sorgerecht für die Kinder.

Falsch! Grundsätzlich gilt, dass auch nach einer Trennung die Obsorge beiden Eltern übertragen wird. Genauso wie während der Ehe. Allerdings muss der Hauptaufenthaltsort der Kinder festgelegt werden. "Sollten sich die Expartner diesbezüglich nicht einig werden oder sollte ein gemeinsames Sorgerecht nicht dem Kindeswohl entsprechen, so hat das Gericht eine, gütliche Einigung‘ herbeizuführen“, erklärt Marie-Christine Pranter. Gelingt dies nicht, wird gerichtlich entschieden, wem das Sorgerecht zugeteilt wird.

• 7. Wenn ich bereits am Hochzeitstag betrogen werde, kann ich die Ehe annullieren.

Falsch! Ich kann die Auflösung der Ehe dann beantragen, wenn ich über gewisse Vorfälle arglistig getäuscht wurde und nicht geheiratet hätte, wäre ich vor der Hochzeit informiert gewesen“, erklärt Juristin Pranter und verdeutlicht: "Wenn zum Beispiel eine Frau ihrem Partner außereheliche Kinder verschweigt, ein Seitensprung nicht zur Aussprache kommt oder wenn Vorstrafen bewusst verheimlicht werden.“

• 8. Wenn mein Partner Schulden hat, muss auch ich dafür aufkommen.

Falsch! Das eheliche Vermögen und die gemeinsamen Ersparnisse sind zwar unter den Partnern aufzuteilen, jeder haftet jedoch für seine Schulden. "Außer die Schulden stehen in einem direkten Zusammenhang mit dem ehelichen Vermögen und den Ersparnissen, etwa wenn ein gemeinsamer Kredit aufgenommen wurde.“

• 9. Ich muss mit meinem Partner Sex haben.

Das kann man so nicht sagen. Wer den sexuellen Kontakt aus triftigen Gründen verweigert, verstößt nicht gegen eheliche Pflichten. "Zum Beispiel wenn der Partner alkoholisiert ist, ein begründeter Verdacht auf Treueverletzung besteht oder wenn es zu Misshandlungen oder groben Beschimpfungen kommt. Auch wenn es schon jahrelang keinen menschlichen und geschlechtlichen Kontakt mehr gibt und der Partner das gemeinsame Schlafzimmer längst verlassen hat.“

• 10. Was ich während meiner Ehe erbe, muss im Falle einer Scheidung auf beide Partner aufgeteilt werden.

Falsch! Mediatorin Pranter: "Dinge, die ein Ehegatte in die Ehe eingebracht, geerbt oder von Dritten geschenkt bekommen hat, müssen nicht aufgeteilt werden. Konkret: Erbstücke werden im Falle einer Scheidung nicht in das Aufteilungsverfahren miteinbezogen, sondern verbleiben im Alleineigentum des Erben.“

Thema: Scheidung