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Eine Scheidungsanwältin verrät, was man für eine funktionierende Partnerschaft tun kann

Susanna Perl-Böck arbeitet seit 10 Jahren als Scheidungsanwältin. Wir haben bei ihr nachgefragt, was Beziehungen ausmacht und woran Ehen oft scheitern.

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Eine Scheidungsanwältin verrät, was man für eine funktionierende Partnerschaft tun kann

Woran scheitert das Glück zu zweit?

© iStock

„Am Ende geht es, meiner Erfahrung nach, immer darum, dass die Erwartungen, die man an den anderen stellt, nicht erfüllt werden. Das führt dann zur Frustration", so Scheidungsanwältin Susanna Perl-Böck. Die 42-Jährige beschäftigt sich seit zehn Jahren hauptberuflich mit kaputten Beziehungen. Ihre Erfahrung: „Zum finalen Aus kommt es meist erst, wenn ein neuer Partner da ist. Ich sage immer: Zu einer Beziehung gehören zwei, zu einer Trennung drei."

Was sind die häufigsten Probleme?

Dass die Liebe gegangen ist. Andererseits ist Liebe allein kein Grund, um mit jemandem zusammen zu sein, zu dem man nicht passt. Auch diese Erkenntnis ist schmerzlich.

Wie könnte man dem vorbeugen?

Mit einer achtsamen Partnerwahl. Und Verständnis für die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin, dem anderen auch regelmäßig etwas ,zuliebe’ tun.

Was meinen Sie damit konkret?

Einfach dem oder der Anderen eine Freude machen mit Dingen, die einem selbst nicht so wichtig sind. Auch dann, wenn es nicht unbedingt mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmt. Zum Beispiel: man sieht sich gemeinsam einen Film an, der einen selbst vielleicht nicht so interessiert, man kocht ihre oder seine Lieblingsspeise, … – das alles muss aber von Herzen kommen und darf dem anderen dann nicht vorgehalten werden. Jeder Mensch hat seine Leidenschaften und Ansichten. Manche passen, was das betrifft, besser zusammen, andere nicht so gut. Wenn zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen und sich im Laufe ihrer Ehe auch noch in andere Richtungen entwickeln, entsteht langsam ein Ungleichgewicht das zu Konflikten führt.

Welche Anschuldigungen hören Sie immer wieder?

Untreue. Wenn man dann näher nachfragt, stellt sich aber meist schnell heraus, dass die Intimität in der Ehe bereits lange Zeit davor verloren gegangen ist. Und offenbar ist es genau das, was der Mensch braucht - das Gefühl des körperlichen Geborgen- und Begehrtseins. Finde ich das bei meinem Ehepartner nicht (mehr), suche ich es mir im Außen. Viele können dann in die herz- und leidenschaftslos gewordene Beziehung nicht mehr zurück. Dann ist eine Trennung unausweichlich.

Gibt es einen Unterschied zwischen Ehen mit Nachwuchs und kinderlosen?

Heutzutage bleiben immer weniger der Kinder wegen in einer unglücklichen Beziehung. Ich sehe daher keinen großen Unterschied. Eine Scheidung ohne Kinder läuft freilich friktionsfreier ab. Die Eheleute haben im Idealfall nach einer ordentlichen Trennung auch keine Berührungs- oder Streitpunkte mehr. Sind die Eheleute auch Eltern, müssen sie erst lernen, auf Elternebene weiter zu funktionieren. Und dabei zum Wohle ihrer Kinder auf ihre Verletzungen und Kränkungen, die sie auf der Paarebene erlitten haben, hinwegsehen. Dies stellt für viele Geschiedene eine große Herausforderung dar.

Von Liebe steht im Gesetz nichts, von Sex hingegen schon. Ist zweiterer also wichtiger für eine funktionierende Partnerschaft?

Schließt das eine das andere aus? Ich sage nein. Ohne Liebe kein guter Sex. Dieser ist wichtig als Kitt in einer Beziehung. Fehlt die körperliche Verbundenheit zwischen den Partnern, wird es schwierig.

Was würden Sie einem Paar vor der Hochzeit raten?

Sich zu überlegen, ob man auf dem Grund der Schwiegereltern ein Haus baut.

Ehevertrag: ja oder nein?

Bei unterschiedlichen Vermögensverhältnissen oder Investitionen in die Liegenschaft des Ehepartners auf jeden Fall.

Sie sind zum zweiten Mal verheiratet. Warum haben Sie sich trotz ständiger Konfrontation mit Negativbeispielen getraut?

Unerschütterlicher Glaube an die wahre Liebe und die naive Vorstellung an das klassische Ideal, das es heutzutage ohnehin nicht mehr gibt.

Was machen Sie anders, und warum zahlt es sich aus, an die Liebe zu glauben?

In eigener Sache wahrscheinlich nicht viel, immerhin erkenne ich mittlerweile aber die Muster. Liebe tut gut. Im Leben gibt es unterschiedliche Lieben, die es alle wert sind, gelebt zu werden. Und die Hoffnung, irgendwann wird alles gut, stirbt eben bekanntlich zuletzt.

Susanne Perl-Böck

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