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Die ganze Nacht nicht geschlafen? Wahrscheinlicher ist, dass du das nur geträumt hast

Schlaflose Nächte hat jede und jeder schon mal erlebt. Doch wer meint, die gesamte Nacht wachgelegen zu haben, hat dies in Wirklichkeit meist nur geträumt.

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Die ganze Nacht nicht geschlafen? Wahrscheinlicher ist, dass du das nur geträumt hast

Warum Schlaflosigkeit oft geträumt ist

© milos-kreckovic/ iStock

Man wacht wie gerädert auf und ist noch müder als am Vortag - schließlich hat man sich die ganze Nacht nur von einer Seite auf die andere gewälzt und eigentlich kein Auge zugetan.

Diese fürchterlichen Nächte kennen wir wohl alle. Aber erstaunlicherweise sind schlaflose Nächte oft nur geträumt! Denn wie nun ein Forschungsteam aus Freiburg herausgefunden hat, sind die meisten Menschen, die denken an Schlaflosigkeit zu leiden, weitaus weniger wach, als sie dies selbst annehmen.

"Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen..."

Patientinnen und Patienten, deren Schlaflosigkeit untersucht wird, schlafen nämlich tatsächlich rund 80 Prozent des ganz normalen Schlaf-Pensums. Die "erlebten" schlaflosen Nächte finden oft nur im Traum statt: Denn wer unter Schlafstörungen leidet, kann oft Schlaf- und Wachphasen nicht unterscheiden.

Für die Studie bat man 27 ProbandInnen mit schweren Schlafstörungen sowie 27 gesunde Menschen in ein Schlaflabor. Dort verbrachten die Schlafenden die ersten beiden Nächte ohne Störungen, um sich an die Umgebung zu gewöhnen. Ab der 3. Nacht wurden die Teilnehmenden mit einem Signalton aus der sogenannten REM-Phase, auch als Traumphase bekannt, geweckt.

Daraufhin sollten sie einen Knopf drücken und ihnen wurde im abgedunkelten Zimmer die folgende Frage gestellt: „Haben Sie gerade geschlafen oder waren Sie wach?"

Nur geträumte Schlaflosigkeit

Das Ergebnis der Studie erstaunte auch Forschungsgruppenleiter Bernd Feige: "Obwohl alle aus dem Traumschlaf geweckt wurden, war sich jeder sechste mit Schlafproblemen sicher, wachgelegen zu haben.“ Gesunde Teilnehmende hätten hingegen nie angegeben, dass sie wach gewesen wären, obwohl sie gerade aus der Traumphase geweckt wurden.

Zudem wurden die Personen mit Schlafstörung befragt, woran sie sich vor dem Signalton erinnern würden. Dazu gaben die vermeintlich wachen Probanden quälende Gedanken darüber an, nicht schlafen zu können. „Offensichtlich bauen manche Menschen die Sorge vor einer Schlafstörung in ihre Träume ein. Sie träumen also nur von einer Schlafstörung“, erklärt Dr. Feige.

Nicht weniger belastend für die Betroffenen

„Ganz wichtig ist: Für die Belastung der Patienten und Patientinnen macht es keinen Unterschied, ob die Schlafstörung objektiv messbar oder nur im Traum vorhanden ist. Aber die Erkenntnis gibt uns wertvolle Hinweise zur Behandlung der Schlafstörung“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Dieter Riemann. „Schlaflosigkeit kann eine schwere Krankheit sein und das Risiko für andere schwere Krankheiten erhöhen, etwa Depression oder Schlaganfall."