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WOMAN-Leserin: "Ich hatte mit 25 einen Schlaganfall"

Julia aus Wien erlitt mit 25 Jahren einen Schlaganfall. Auslöser war die Kombination: Pille und Rauchen. Hier spricht sie von ihrem Schicksalsschlag und hat eine wichtige Message für alle Frauen.

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Schlaganfall mit 25 Miss Finnland

Julia war nicht bewusst, welches Risiko sie mit der Pille und Nikotin eingeht...

© Julia Baumgarten | Miss Finnland

Vor 5 Jahren rauchte Julia ca. eine Schachtel Zigaretten am Tag. Die Pille nahm sie schon seit 10 Jahren. Die Risiken? Die kannte sie, klar. Aber niemals hätte sie daran gedacht, dass sie in ihrem jungen Alter einen Schlaganfall erleiden könnte. "Schlaganfälle haben doch nur alte Menschen", so die Meinung vieler Menschen. Dem ist aber nicht so. Es kann jeden treffen. Julia erzählt WOMAN von ihrem Schicksal und möchte Frauen damit bewusst machen, welches Risiko sie mit der Pille und Nikotin eingehen.

Es war der 14. März 2011, ein Montag, ein Tag der mir wohl bis an mein Lebensende im Gedächtnis bleiben wird.
Ich bin schon mit Kopfschmerzen aufgewacht, dennoch hat es mich nicht daran gehindert mir einen Kaffee mit Milch und Zucker zu machen und dazu eine Marlboro zu rauchen. Der übliche Beginn am Morgen für mich.
Schnell angezogen, noch ein Kaffee in meinen Coffee-to-go Becher gekippt und ab ging's zur U-Bahn.
Dort suchte ich mir einen Platz und hörte Musik.
Die U-Bahn-Durchsage verkündete „Philadelphiabrücke“. Das war meine Station, ich stand auf und plötuzlich bekam ich einen unglaublich heftigen Stich in den Hinterkopf und mir wurde schwindlig.
Ich dachte, das Schwindelgefühl würde gleich verschwinden, ich wäre wohl nur zu schnell aufgestanden. – Doch dem war nicht so.
Beim Verlassen der U-Bahn, merkte ich, dass es mir immer schlechter ging. Gott sei Dank habe ich eine Arbeitskollegin gesehen, die ich sofort zur Hilfe rufte.

Wir setzen uns auf eine Bank im U-Bahn-Bereich. Mir war noch noch immer total schwindlig. Ich merkte, wie es mir merklich schlechter ging und bat meine Kollegin, einen Krankenwagen zu rufen. Sie half mir, mich hinzulegen. Die Haare fielen mir ins Gesicht und ich versuchte sie, mit der rechten Hand hinters Ohr zu geben. Fehlanzeige! Meine Hand verfehlten die Haare und trafen nur meine Brille. Von da an war mir klar: „Da stimmt etwas nicht“ – Das war kein Schwächeanfall, das muss was anderes sein.
Ich zählte die Sekunden und hoffte, dass die Sanitäter bald kommen würden, denn mir ging es immer schlechter.
Nach gefühlter Ewigkeit kamen sie und halfen mir hoch. Sie brachten mich, auf beiden Seiten gestützt, zu ihrem Krankenwagen.
Auf dem Weg ins Krankenhaus wurde mir immer schlechter und ich musste mich schlussendlich übergeben. Die Sanitäter versuchten mich zu beruhigen, ich verfiel allmählich in Panik. Die Tränen flossen mir übers Gesicht und ich wollte einfach nur, dass es aufhört.

Im Krankenhaus wurde mir gesagt, es handelt sich um einen Kreislaufkollaps. Trotzdem wurde mir Blut abgenommen und schnell ein Blutbild gemacht. Für den Arzt war keine Auffälligkeit zu erkennen. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass ich meine rechte Körperhälfte nicht mehr unter Kontrolle hatte. Dem Arzt war es egal, ich bekam eine Infusion und wurde gleich daraufhin entlassen.

Meine damals beste Freundin hatte damals frei und mich vom Krankenhaus abgeholt. Ich wohnte mit ihr zusammen und war somit nicht ganz alleine.
Ich hatte immer noch Kopfschmerzen und legte mich wieder hin. Abends, immer noch kein Ende der Schmerzen in Sicht, verkündete meine Freundin, sie würde noch ausgehen, sei aber, wenn irgendwas nicht stimmen würde, telefonisch erreichbar. Ich antwortete ihr nur „Ach, wird schon nichts sein, amüsier dich“. Dass ich sie nur ein paar Stunden später wirklich brauchte, wusste ich noch nicht.

»Ich stand auf und gleich daraufhin knickte meine rechte Seite weg. „Ich kann nicht mehr gehen“ war mein erster Gedanke. «

Ich wachte um ca. 2 Uhr nachts mit extremen Kopfschmerzen auf und musste sofort auf die Toilette. Ich versuchte mich noch mal umzudrehen, doch ich konnte einfach nicht aufstehen. Dennoch, der Drang siegte. Ich stand auf und gleich daraufhin knickte meine rechte Seite weg. „Ich kann nicht mehr gehen“ war das erste, was mir in den Kopf schoss. Mir war obendrein wieder extrem schwindlig. Irgendwie hatte ich es auf die Toilette geschafft und wieder zurück ins Bett. – Dort angekommen, hoffte ich, wenn ich liege, würde das Schwindelgefühl weggehen. – Falsch gedacht. – Es wurde schlimmer.
Verzweifelt versuchte ich meine beste Freundin zu erreichen, immerhin meinte sie ja, ich soll mich melden. Nur die Mailbox. Immer wieder nur die Mailbox.

Schlussendlich rief ich mir selbst einen Krankenwagen. Dass ich froh sein konnte, überhaupt noch sprechen zu können, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Sanitäter waren, im Gegensatz zu denen am Morgen, sehr besorgt und freundlich. Sie haben sofort gemerkt, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Kreislaufkollaps handelt.
Sie brachten mich ins Wilhelminenspital. Da es aber mitten in der Nacht war, wurde ich erst am nächsten Tag behandelt. Die Stunden bis zur Behandlung waren die Hölle. Ich konnte nicht schlafen, denn mir war immer noch schwindlig und laufend musste ich mich übergeben.
Erst um ca. 8 Uhr morgens kam ich auf die Neurologie, um mich untersucht zu werden. Denn alle vorigen Behandlungen und Untersuchungen waren ohne Ergebnis.

Schnell stand die Diagnose „Kleinhirninsult“ fest – auf gut deutsch „Schlaganfall“ – mit nicht mal 25 Jahren. Das bei mir nur die rechte Körperhälfte und nicht das Sprachvermögen betroffen war, war ein Zufall.
Nachdem die Ärztin die Worte ausgesprochen hatte, schossen mir unendlich viele Fragen in den Kopf „Warum? Wieso? Warum ich? Das passiert doch nur anderen!“ – Doch die Kombination Rauchen und Pille sollten ausgerechnet mir zum Verhängnis werden.
Man hört ja immer wieder, dass die Kombination Thrombose und anderen „Krankheiten“ hervorrufen können. Klar, man wusste das, doch ich dachte nie daran, dass es einmal mich selbst treffen sollte.

9 Tage musste ich im Krankenhaus bleiben. Tage, in denen ich von einer Untersuchung zur anderen gebracht wurde. Natürlich wurde mir auch Physiotherapie verordnet. Es musste festgestellt werden, ob ich bleibende Schäden hatte. Gar nicht so leicht herauszufinden, denn es war meine rechte Körperhälfte betroffen und ich bin Linkshänder. Ich versuchte also verzweifelt Sachen mit der rechten Seite zu machen,, wo ich nicht mal wusste ob ich sie vor dem Schlaganfall konnte.
Psychologisch gesehen war die Zeit nach dem Schlaganfall echt eine Herausforderung. Von 0 auf 100 änderte sich mein Leben.

Ich musste mit dem Rauchen aufhören. Das hat nicht ganz geklappt. Zumindest nicht gleich.
Nach meinen Krankenhausaufenthalt war ich noch 4 Wochen zu Hause. 4 Wochen kombiniert mit Angst und Panikattacken. Sobald ich alleine zu Hause war, hatte ich Angst, ich könnte noch mal einen „Anfall“ bekommen.
Das U-Bahn fahren war ebenfalls eine echte Herausforderung. Generell waren aber alle öffentlichen Verkehrsmittel eine echte Mutprobe.
Erst 3 Jahre nach meinen Kleinhirninsult schaffte ich es wieder mich in einer U-Bahn hinzusetzen. Für einige von euch mag das jetzt sehr komisch klingen, für mich aber eine echte Meisterleistung.
Ich hab endlich geschafft, mein Trauma zu überwinden, damit abzuschließen.

Für mich, war dieser Tag/diese Nacht eine der schlimmsten Erfahrungen in meinen Leben. Aber zu gleich war es wohl auch bitternötig. Denn erst an diesem Tag stellte ich fest, dass ich aus meinem Leben mehr machen musste, dass ich etwas ändern musste.

»Es kann nicht nur andere treffen, sondern ganz schnell euch selbst!«

Seit 2011 haben sich so viele Dinge verändert und das ist gut so:
- Ich hab zu rauchen aufgehört
- Die Pille ist mein Feind – keine hormonellen Verhütungsmittel mehr
- Ich hab die Liebe meines Lebens gefunden
- Ein Haus gebaut
- Ich ernähre mich bewusster
- Ich höre auf meinen Körper
- Stress wird so gut es geht vermieden
- Und das Wichtigste: ICH LEBE

Gott sei Dank habe ich keine bleibenden Schäden davon getragen. Das Einzige, was ich aber seit dem Schlaganfall zu mir nehmen muss, sind Blutverdünner. Ganz ehrlich, ich hatte echt Glück.

Ich möchte hier keinen großartigen Ratschläge geben, weil jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er die Pille nimmt und raucht. Aber bitte denkt daran: „Es kann nicht nur andere treffen, sondern ganz schnell euch selbst!“

Auf ihrem Blog www.missfinnland.at gibt Julia unter anderem auch Tipps, wie man zum Rauchen aufhört!