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Schlank in nur 3 Monaten: Star-Coach Bob Greene verrät seine Fitness-Geheimnisse

Im exklusiven Interview spricht Bob Greene über die Beziehung zu seinem "Schützling" Oprah Winfrey und verrät den Schlüssel zum dauerhaften Abnehmerfolg. In der aktuellen WOMAN (Nr. 4/2010) fanden Sie das gekürzte Interview: lesen Sie hier die Original-Version!

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Schlank in nur 3 Monaten: Star-Coach Bob Greene verrät seine Fitness-Geheimnisse
© Maria Christiane

WOMAN: Wie haben Sie Oprah Winfrey kennen gelernt?

Greene: Das ist eine witzige Geschichte: Oprah und ich haben uns das erste Mal in einem Spa in Colorado getroffen - bei einer Wandertour. Ich wusste natürlich, wer sie war, aber ich hatte noch niemals ihre TV-Show gesehen, weil ich damals keinen Fernseher hatte. Ich wusste also nicht wirklich viel über sie. Sie fragte mich, wo ich her sei, und ich sagte: "New Jersey". Sie antwortete: "Oh, das muss in der Nähe von Stedman (Graham, US-Unternehmer und Winfreys Langzeit-Lebensgefährte) sein." Ich wusste damals nicht, was sie meinte, und antwortete: "Nein, das ist bei der Stadt Camden." Sie brach daraufhin in Lachen aus. Für sie war es einfach unglaublich erfrischend, dass ich nicht wusste, wer Stedman war. Ich denke, das war mein Vorteil, weil ich nicht in dieser Celebrity-Welt lebte.

WOMAN: Können Sie mehr über Ihre Hochzeit erzählen und wie Oprah Ihre Trauzeugin wurde?

Greene: Das ist auch eine lustige Geschichte. Wir verstehen uns einfach so gut. Wir lachen über dieselben Dinge. Ich kann es nicht einmal erklären. Wir kommen von so verschiedenen Familienverhältnissen, aber es war als würden wir einfach zusammenpassen. Zu dieser Zeit waren wir besonders eng, also war die Entscheidung ganz einfach. Ich hatte keinen "best man" bei meiner Hochzeit, ich hatte eine "best woman", und das war sie. Ich habe auf ihrem Anwesen in Kalifornien meine wunderschöne Frau geheiratet. Es war wunderbar!

WOMAN: Gibt es irgendwelche lustigen oder besonderen persönlichen Geschichten mit Ihren Klienten, neben denen, die Sie im Buch ansprechen? Was war der größte Gewichtsverlust eines Ihrer Schützlinge und in welcher Zeit verlor diese Person dieses?

Greene: Gerade die Geschichten, die im Buch sind, finde ich erstaunlich, da sie alle zeigen, was mit Wille alles erreicht wird. Das abgenommene Gewicht ist für mich dabei nur ein schöner Nebeneffekt. Ich finde erstaunlich, dass es diese Leute geschafft haben ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Und ich bin natürlich nicht minder Stolz auch meinen Anteil dazu geleistet zu haben. Ob Tawni, die nicht nur ihr Übergewicht, sondern auch noch ihre Depressionen überwindet oder Shawn, die 70 kg durch Umstellung ihrer Ernährung und durch Sport verloren hat und glücklich und stolz auf sich selber ist. Jede einzelne Geschichte finde ich bemerkenswert und deswegen habe ich sie auch ins Buch gebracht.

WOMAN: Wie viele Kilo an Gewicht kann eine Person verlieren (Minimum/Maximum) und was ist der durchschnittliche Gewichtsverlust in einer Woche?

Greene: Das ist sehr unterschiedlich und schwer zu verallgemeinern. Die Faustregel heißt: Man muss ca. 7000 Kalorien einsparen um 1 Kilo Fett abzubauen. Realistisch am Tag ist es 1000 Kalorien einzusparen. Das bedeutet 1 Kilo pro Woche.

WOMAN: Was ist das Geheimnis vom erfolgreichen Abnehmen und danach das Gewicht auch behalten?

Greene: Essenziell bei diesem Programm ist die richtige Einstellung. Sie müssen wie ein Spitzensportler denken - Sie müssen keiner werden. Denn Sportler trainieren vor einem Wettkampf sehr intensiv, schalten aber danach einen Gang zurück und bleiben bei niedrigerer Trainingsintensität aktiv. Im Grunde genommen sollen Sie es genauso machen: Zwölf Wochen lang werden Sie intensiv arbeiten, danach reduzieren Sie Ihren Einsatz, bleiben aber weiterhin aktiv und essen gesund, um Ihre Fitness, Ihr Gewicht und Ihre gesundheitlichen Fortschritte beizubehalten. Es wäre nicht sinnvoll, dieses Programm zwölf Wochen lang zu befolgen, Erfolge zu feiern und anschließend die Fortschritte wieder aufzugeben und zum bisherigen Lebenswandel zurückzukehren.

WOMAN: Was ist der beste Weg um Gewicht zu verlieren?

Greene: Grundsätzlich sollten Sie, auch wenn Sie irgendeine Diät machen wollen, zunächst einmal Ihre Essgewohnheiten verbessern, ordentlich frühstücken, Zeit für regelmäßige Mahlzeiten einplanen, reichlich Wasser trinken und ganz (oder weitgehend) auf Alkohol verzichten. Ich bin überzeugt davon, dass die Kombination aus Sport und vernünftiger Ernährung ein sehr viel wirksamerer und gesünderer Ansatz ist, der das Leben weit stärker verändert als lediglich eine Diät.

WOMAN: Wie wichtig ist ein Ernährungs-Tagebuch?

Greene: Ein Ernährungs-Tagebuch kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein: Die Angewohnheit, Essen als Trost oder zur Bewältigung von Konflikten einzusetzen, hat sich meist schon früh im Leben ausgebildet. Eine negative Selbsteinschätzung oder Probleme, die seit der Kindheit latent vorhanden sind, sollen so kompensiert werden. Weil dieses Verhalten aber schon so lange besteht, ist es auch so schwer abzulegen. Besonders schwierig ist es, wenn Sie Ihr Verhalten nicht auf ein bestimmtes belastendes Ereignis, einen seelischen Schmerz oder ein Trauma zurückführen können. Aber unabhängig davon, ob Sie wissen, was dahinterstecken könnte, oder nicht, kann ich Ihnen eine sinnvolle Methode zur Selbsterkundung empfehlen: Führen Sie ein Tagebuch. Ein Tagebuch hilft Ihnen dabei, sich selbst zu analysieren und die Auslöser für das emotional motivierte Essen zu finden - wichtige Voraussetzungen, um Ihr Verhalten zu ändern.

WOMAN: Was sollte man in diesem Tagebuch notieren?

Greene: In diesem Tagebuch sollen Sie aufschreiben, was, wann und wo Sie etwas essen (zum Beispiel mitten in der Nacht im Stehen vor dem Kühlschrank) und was Sie dabei empfinden. Es geht dabei nicht darum, lediglich ein Ernährungstagebuch zu führen, sondern es soll den gesamten Tagesablauf dokumentieren, sodass Sie die Verbindungen zwischen den Ereignissen und Ihren Essgewohnheiten erkennen können. Eine Frage, die Sie sich stellen und beantworten können, mag zum Beispiel sein: "Habe ich vor dem Essen wirklich Hunger gehabt?" Wenn Sie um zehn Uhr vormittags zufällig einer früheren Freundin oder einem früheren Freund begegnen, sich dabei wegen Ihres Aussehens schlecht fühlen und mittags einen Teller "Fish and Chips" verschlingen, besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang. Hat die Bemerkung, die Ihre Mutter am Telefon über Ihr Körpergewicht gemacht hat, Sie so geärgert, dass Sie plötzlich Heißhunger auf Kartoffelchips hatten? Wahrscheinlich werden Sie Zusammenhänge erkennen, wenn Sie die Notizen in Ihrem Tagebuch aufmerksam studieren.

WOMAN: Wann sollte man die Einträge machen? Abends oder immer gleich nach dem Essen?

Greene: Nehmen Sie Ihr Tagebuch überallhin mit, damit Sie möglichst sofort aufschreiben können, was Sie bei einem Anfall von Heißhunger gegessen haben, was Sie dabei empfunden haben und was vorher geschehen war. Gehen Sie Ihre Notizen durch, bevor Sie zu Bett gehen, und ergänzen Sie, was Ihnen noch dazu einfällt.

WOMAN: Welchen Zweck erfüllt das Ernährungs-Tagebuch?

Greene: Der Zweck dieses Tagebuchs besteht darin, etwas über sich zu erfahren und diese Erkenntnis dazu zu nutzen, die nötigen Änderungen in Ihrem Leben vorzunehmen. Es ist ein Buch über Sie. Nutzen Sie die Möglichkeit zu entdecken, was Sie über sich selbst noch nicht gewusst haben, und destruktives Verhalten zu ändern. Nutzen Sie dieses Wissen, um zwischen echtem Hunger und dem emotional motivierten Appetit zu unterscheiden. Wenn Sie zum Beispiel erkennen, dass Sie immer gleich zum Süßigkeitenautomaten eilen, wenn Sie vom Chef angeschrien werden, können Sie versuchen, das nächste Mal zunächst einmal tief durchzuatmen und sich dann wieder an die Arbeit zu machen. Sind Sie in diesem Moment wütend? Ja. Aber haben Sie wirklich Hunger? Nein.

WOMAN: Welche Fehler machen die meisten, wenn sie abnehmen? Sie sind Stoffwechsel-Experte - wie können wir unseren Stoffwechsel anregen?

Greene: Meine 12-Wochen-Schlankheitskur stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar, enthält allerdings keine wirkliche Diät. Wenn Sie bisher immer versucht haben, auf diese Weise Gewicht zu verlieren, wird Sie das vielleicht überraschen - oder sogar abschrecken. Ich bin aber überzeugt davon, dass es sinnvoller ist, einen Trainingsplan aufzustellen und ein paar einfache Ernährungsregeln zu befolgen. Grundsätzlich sollten Sie, auch wenn Sie irgendeine Diät machen wollen, zunächst einmal Ihre Essgewohnheiten verbessern, ordentlich frühstücken, Zeit für regelmäßige Mahlzeiten einplanen, reichlich Wasser trinken und ganz (oder weitgehend) auf Alkohol verzichten.

WOMAN: Ist ein strukturierter Ernährungsplan notwendig?

Greene: Wenn Sie nach den zwölf Wochen dieses Programms Ihre Ziele nicht erreicht haben, ist es vielleicht ratsam, im Anschluss einen strukturierten Ernährungsplan festzulegen. Aus diesem Grund habe ich im Kapitel "Übergang zum Alltag" einige Diäten umfassend behandelt. Wichtig ist jedoch, die Kalorien nicht allzu drastisch zu reduzieren, bevor man den Stoffwechsel durch hinreichendes Training auf Hochtouren gebracht hat. Das gilt vor allem dann, wenn der Stoffwechsel nach vielen Jahren ständig wechselnder Diäten nur noch im Schneckentempo arbeitet: Ein "Stoffwechsel-Tuning" ist immer hilfreich, bevor man eine Diät beginnt, aber bei Dauerdiäten ist es unerlässlich, den Kalorienverbrauch durch Sport zu erhöhen. Eine starke Einschränkung der Nahrungszufuhr bewirkt aber genau das Gegenteil: Sie verlangsamt den Stoffwechsel. Der Körper reagiert sehr empfindlich auf den Kalorienumsatz. Wird die Kalorienzufuhr eingeschränkt, löst dies einen Überlebensmechanismus aus, der auf die Zeit zurückgeht, als Nahrung noch nicht immer und überall verfügbar war wie heute: Der Stoffwechsel schaltet einen Gang zurück, damit nicht zu viel Energie verloren geht. Den Kalorienverbrauch drastisch zu senken, ohne zu trainieren, ist daher einer der größten Fehler, den man machen kann.

WOMAN: Was kann man gegen den Jojo-Effekt tun?

Greene: Man sollte vermeiden nach Abschluss des Programms in alte ungesunde Muster zurückzufallen. Mein Programm zielt auch auf eine dauerhafte Bewußtseinsänderung und ein neues Lebensgefühl ab. Schon ein bisschen täglicher Sport und gesündere Ernährung können den YoYo-Effekt verhindern. Aber wie bei allem muss auch hier der Wille vorhanden sein!

WOMAN: Gibt es Speisen, die verboten sind? Oder ist auch Platz für kleine Sünden wie ein Stückchen Schokolade oder ein Glas Wein?

Greene: Verboten ist nichts, aber wenn Sie übermäßig viele fettige, salzige und gezuckerte Lebensmittel essen, wird Ihre Kondition darunter leiden, nahrhafte Lebensmittel werden Ihnen hingegen die Kraft und die Nährstoffe für eine gute Leistung geben.

WOMAN: Ist Alkohol ein komplettes No-Go?

Greene: Nein, ich kann aber nur raten: Verzichten Sie weitestgehend auf Alkohol. Hier haben Sie etwas Spielraum, da es unrealistisch wäre zu erwarten, dass Sie für immer komplett auf Alkohol verzichten. Vergessen Sie aber nie, dass Alkohol Kalorien enthält, das Urteilsvermögen im Hinblick auf die Nahrungsmittelauswahl trübt und Ihnen am nächsten Tag das Training erheblich schwerer macht.

WOMAN: Wie wichtig ist Frühstück?

Greene: Viele Menschen haben morgens einfach keinen Hunger, und da sie darin eine schmerzfreie Möglichkeit sehen, Kalorien zu sparen, sind sie darüber auch glücklich. Übersehen wird dabei, dass ein gesundes Frühstück gleich nach dem Aufstehen allerdings überaus positive Auswirkungen auf drei Bereiche hat, die das Körpergewicht beeinflussen: den Stoffwechsel, das Energieniveau und die Ernährung während des restlichen Tags. Der Stoffwechselumsatz ist im Schlaf am niedrigsten, das bedeutet, dass Sie im Schlaf kaum Kalorien verbrauchen. Nach dem Aufstehen beschleunigt der Stoffwechsel, aber nur langsam, wenn er keinen Anstoß erhält. Und genau dies tut das Frühstück.
Ich wiederhole nicht gerne Altbekanntes, aber das Frühstück ist wirklich die wichtigste Mahlzeit des Tages. Auch wenn Sie bisher nie gefrühstückt haben, sollten Sie jetzt damit anfangen.

WOMAN: Wie groß ist die ideale Portion für ein Frühstück, Mittagessen oder Abendessen?

Greene: Nehmen Sie ein gesundes Frühstück zu sich, ein maßvolles Mittagessen, einen kleinen Snack (75 bis 150 Kalorien) zwischen Mittagessen und Abendessen und ein nahrhaftes, mäßig großes Abendessen. Hoffentlich ist Ihnen aufgefallen, dass ich die Worte "klein", "maßvoll" und "mäßig" verwendet habe. Denn wenn Sie sich bei jedem Essen vollstopfen, kann das dazu führen, dass Ihr Körper abnormal große Mengen Insulin ausschüttet, was den Körper dazu anreizt, Fett anzulagern. Essen Sie deshalb weder zu viel noch zu wenig. Das ist ein guter Schutz gegen emotionales Essen und Gewichtszunahme.

WOMAN: Sollte man auch Kalorien zählen?

Greene: Grob zu wissen, welche Menge an Kalorien man täglich zu sich nimmt, ist sicherlich nicht schlecht. Durch striktes Kalorienzählen wird das ganze jedoch zu einer Art Zwang, die sich eher negativ auf die Gewichtsreduzierung auswirkt. Denn wer zu etwas gezwungen wird, macht es nicht gerne.

WOMAN: Wann ist der ideale Zeitpunkt für das letzte Mahl? 18 Uhr? Was raten Sie jemandem, dem am Abend der Hunger plagt und nicht einschlafen kann?

Greene: Wenn Sie mit einem leichten Hungergefühl ins Bett gehen, bedeutet dies, dass Ihr Körper nachts von seinen Fettreserven zehren muss. Allzu oft wird dem Drang zu essen aber nachgegeben und somit ist eine Chance verpasst, Kalorien abzubauen. Um dies zu verhindern, müssen Sie nur über diesen kurzen unangenehmen Augenblick hinwegkommen. Damit Sie mit diesem winzig kleinen Hungergefühl ins Bett gehen, muss zwischen der letzten Mahlzeit oder dem letzten Snack und der Zeit, wenn Sie ins Bett gehen, genügend Zeit verstreichen. Natürlich meine ich nicht, dass Sie mit knurrendem Magen ins Bett gehen sollen oder jeder ab Punkt 18 Uhr nichts mehr essen darf, wie es im Rahmen von Diäten oft vorgeschrieben wird.

WOMAN: Also gibt es keinen wirklichen Zeitpunkt für das letzte Essen an einem Tag?

Greene: Sie sollten aber mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen. Wenn Sie sogar drei Stunden schaffen, umso besser. Sie können erst einmal mit zwei Stunden anfangen und sich dann auf zweieinhalb bis drei Stunden hocharbeiten. Natürlich geht es bei dieser Regel darum, weniger zu essen, gleichzeitig ist sie aber auch eine gute Vorbereitung auf ein gesünderes Essverhalten. Denn wenn Sie hungrig zu Bett gehen, werden Sie auch hungrig aufstehen und demzufolge gerne frühstücken. Das führt wiederum dazu, dass Sie tagsüber genügend Kalorien zum Verbrennen haben. Wenn Sie aber unmittelbar vor dem Zubettgehen etwas essen, wird kaum etwas von dem Essen verdaut werden, denn die Verdauung ist im Schlaf weitgehend ausgeschaltet, sodass Sie noch Stunden nach dem Aufwachen keinen Hunger verspüren.

WOMAN: Was empfehlen Sie als Alternative zu Zucker und warum?

Greene: Mein Tipp, gewöhnen Sie Ihren Geschmack auf weniger Süßes um. Das ist anfangs zwar schwierig, aber es funktioniert.

WOMAN: Viele Menschen tendieren dazu mehr zu essen, wenn sie unter Stress stehen. Was raten Sie in diesem Fall?

Greene: Normalerweise sollte jeder nur so viel essen, dass er ausreichend versorgt ist und in einem gewissen Maß sinnliche Lust dabei erlebt hat. In Wirklichkeit essen aber viele Menschen eher aus emotionalen Gründen - Langeweile, Stress, Sorge, Depression oder einer Leere in ihrem Leben. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, müssen Sie zunächst unbedingt die emotionalen Auslöser erkennen, die Sie zum Kühlschrank oder zum Küchenschrank treiben. Auch hier ist es unerlässlich, sich selbst gegenüber ganz ehrlich zu sein. Welche Gefühle und Probleme haben Sie wirklich, warum versuchen Sie, diese mit Essen zu bewältigen? Wenn es Ihnen gelingt, das emotional motivierte Essen abzustellen, kann allein dies schon dazu führen, dass Sie - ohne strikte Diät - Ihr gewünschtes Körpergewicht erreichen. Viele Menschen, die aus emotionalen Gründen essen, sind sich dessen nicht einmal bewusst. Aber auch wenn man weiß, was einen dazu treibt, die eigenen Gefühle durch Essen zu verdecken, ist es schwer, dagegen anzukämpfen. Denn Essen kann in diesem Fall beinahe zu einer Droge werden: Es macht süchtig. Und obwohl Sie Ihren spirituellen oder emotionalen Hunger auf diese Weise niemals stillen können, ist es eine große Herausforderung, diese Gewohnheit aufzugeben. Aber glauben Sie mir, es lohnt sich.

WOMAN: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Fettleibigkeit oft ein Zeichen für ein emotionales Problem ist. Aber es kann auch an medizinischen Gründen liegen. Raten Sie Menschen generell einen Check beim Arzt zu machen, bevor sie mit Ihrem Programm beginnen?

Greene: Grundsätzlich ist natürlich immer wichtig, dass Sie eine Aktivität wählen, die Ihre Gesundheit nicht gefährdet. Wenn Sie an Bluthochdruck oder Herzproblemen leiden, eine Lungenkrankheit haben, rauchen oder andere ernste medizinische Befunde festgestellt wurden, sollten Sie zunächst den Rat Ihres Arztes einholen. Wahrscheinlich werden Sie in diesen Fällen sehr anstrengende Aktivitäten vermeiden müssen. Ebenso sollten Sie auch Ihren Hausarzt konsultieren, wenn Sie unter orthopädischen Beschwerden leiden. Bestimmte Aktivitäten, einschließlich solcher an Trainingsgeräten, können Muskel- und Gelenkschmerzen verstärken.

WOMAN: Welche Tipps haben Sie, um nicht in alte - ungesunde - Ernährungsmuster zurückzufallen?

Greene: So einfach es klingt: Seele und Körper in Einklang zu bekommen. Auch hilft es, sich selbst Rituale zu schaffen, die man dann auch gerne einhält. Das Bewußtsein, etwas Gutes für sich zu tun, ist dabei ein sehr wichtiger Faktor. Aber ohne den Willen zum Erfolg geht es nicht!

WOMAN: Warum machen Sie Werbung für große Firmen wie McDonald's (Salat-Kampagne) und Nestlé? Ist es wirklich möglich, Junk Food-Liebhaber in Salat-Esser zu "verwandeln"?

Greene: Ja, ich denke mit Aufklärung zur bewußteren Ernährung ist viel zu erreichen und in der heutigen Zeit ist es auch notwendig. Warum also sollte man nicht Läden miteinschließen, die viel Kundschaft anziehen. Genau hier kann viel Aufklärung betrieben werden. Zum Hamburger einen Salat statt Pommes und schon ist es gesünder. Auch wenn man nicht jeden damit erreicht, sollte es meines Erachtens zumindest versucht werden.

WOMAN: Ist es möglich abzunehmen ohne Sport zu machen? Und vice-versa - Gewicht nur durch Sporteln verlieren?

Greene: Ja, natürlich, aber die gesündeste und erfolgversprechendste Methode mit dem besten Ergebnis liegt einfach in der Kombination von beidem.

WOMAN: Gibt es irgendwelche Ernährungs- und SportEmpfehlungen für Frauen in der Menopause?

Greene: In der Menopause ist das hormonelle Gleichgewicht gestört. Gerade hier helfen gesunde Ernährung und sportliche Betätigung um Seele und Körper wieder in Einklang zu bekommen.

WOMAN: Bezüglich Gewicht verlieren und fit werden: Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Greene: Männer und Frauen sind von Grund auf verschieden. Das betrifft vor allem auch die Körperform. Männer haben meistens ihr Fett am Bauch und haben damit die Form eines Apfels. Bei Frauen hingegen lagert sich das Fett eher an den Hüften ab und erinnert an eine Birne. Männer verlieren auch grundsätzlich schneller an Gewicht als Frauen. Frauen sind meiner Erfahrung nach aber konsequenter, wenn es ums Training geht.

WOMAN: Wenn jemand bei Ihrem Training nicht mitkommt: Wie viel soll man pro Woche mindestens üben und welche Sportarten soll man machen?

Greene: Weit verbreitet ist die falsche Einstellung "je mehr, desto besser". Was viele nicht wissen: Es kommt nicht auf die Länge der Übungen an, sondern auf die Ausführung. Beim Sport spielt das Alter keine Rolle sondern es kommt ganz auf die Konstitution der Person an und welche Effekte sie in welcher Zeit erreichen will. Schwimmen ist immer eine sehr gelenkschonende Alternative. Es ist wichtig seinen Körper nicht zu überlasten; man sollte immer für das jeweilige Alter angemessene Übungen durchführen.

WOMAN: Wie sieht ein typischer Bob Greene-Tag aus? Welche Übungen haben Sie heute selbst schon gemacht?

Greene: Ich trainiere für mich täglich je 1 Stunde in der früh und 1 Stunde am Abend im Studio. Cardio und meine Übungen. Über den Tag verteilt trainiere oder jogge ich mit meinen Klienten.

WOMAN: Würden Sie sich selbst als gesundheitsfanatisch bezeichnen? Wie wirkt sich Ihr Job auf Ihre Frau und Ihre kleine Tochter aus?

Greene: Ja, in gewisser Weise schon. Wäre ich sonst Fitness-Trainer geworden (lacht). Gesundheit ist sehr wichtig und diese hängt eben auch mit Fitness zusammen. Und ich denke in dieser Hinsicht bin ich auch Vorbild für meine Frau und Tochter.

WOMAN: Ganz ehrlich: Haben Sie bereits den perfekten Körper oder gibt es auch bei Ihnen ein paar Problemzonen, an denen Sie noch arbeiten müssen?

Greene: Ich war ein merkwürdiges Kind. Ich bin in Cherry Hill (New Jersey) aufgewachsen, in einer Familie, die seit jeher mit dem Gewicht zu kämpfen hatte. Ich war aber immer aktiv und der einzige der zum Beispiel sagte: "Wisst ihr was? Ich denke, Speck hat nichts auf unserem Tisch verloren!" Damals war ich 8, 9 oder 10. Irgendwie hab ich von meiner Familie gelernt, warum Menschen Essen auswählen, das eigentlich nicht gut für sie ist. Ich war nie in meinem Leben übergewichtig und ich denke, dass mein Body noch immer top ist.

WOMAN: Wie sieht der perfekte Körper für Sie aus?

Greene: Den perfekten Körper an sich gibt es so nicht. Um perfekt zu sein, muss alles stimmen. Ich achte bei meinen Klienten zuerst auf die Körperhaltung und die Ausstrahlung, dann erst schaue ich auf die Proportionen.

WOMAN: Was denken Sie über Schönheits-OPs - würden Sie sich selbst unters Messer legen?

Greene: Wenn es den Leuten dadurch psychisch besser geht, finde ich es okay. Für mich käme diese Alternative nicht in Frage.

WOMAN: Waren Sie jemals in Österreich und wenn ja, was haben Sie sich angeschaut? Wenn nicht, was wissen Sie über Österreich? Kennen Sie einen Promi, mit dem Sie einmal trainieren möchten?

Greene: Nein, leider nicht. Aber ich weiß, dass Arnold Schwarzenegger ursprünglich aus Österreich kommt. Mit ihm würde ich gerne mal trainieren.

WOMAN: Was sind Ihre - beruflichen und privaten - Ziele für die Zukunft?

Greene: Wir werden sehen. Mein größter Wunsch ist es, die Ernährungsgewohnheiten der US-Amerikaner zu ändern. Und ich würde eben gerne mal mit Arnold Schwarzenegger trainieren. (lacht)

WEITER: Die Top-Fitness-Übungen von Bob Greene!

Thema: Fitness