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Ich mach jetzt Schluss mit Weihnachten - damit ich es wieder genießen kann!

Das Fest der Liebe? Eher das Fest der Kalorien, des Stresses, der verzweifelten Last Minute-Geschenke, des Streites und sogar der Depression! Aber so wird bei dir dieses Jahr alles anders zu Weihnachten!

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Stress zu Weihnachten
© iStpckphoto.com

Aus Filmen oder Werbung kennen wir Weihnachten alle als das Fest voller Liebe, Familie, Freude und Besinnlichkeit. Und es soll Menschen geben, die das auch schon tatsächlich so selbst erlebt haben. Aber noch viel mehr erinnern sich da eher an Stress, Streit und andere Strapazen. Erschöpfungszustände, Depressionen oder auch Aggression können Folgeerscheinungen davon sein.

Statt harmonische Weihnachten zu genießen, lassen häufig Familienkonflikte, Panik-Einkäufe oder ein drückender Geschenksideen-Wettbewerb grüßen. Dieser Trubel schlägt auf die Psyche. Die Folgen der Belastungen zeigen sich dann rasch. Heuer wird es aber anders, heuer machen wir Schluss und nehmen es mit Humor! Wie das gelingt, verrät uns Edith Mohrenschildt – Mindmanagement-Expertin, Erfolgscoach sowie selbst Familienmensch und Mutter:

WOMAN: Warum ist die Weihnachtszeit prädestiniert für Familiendramen, Streit und eigentlich so gar keine ruhige und besinnliche Zeit?
Edith Mohrenschildt: Die Antwort ist simpel: Weil wir sie dazu machen. Wir fahren unbeirrt jedes Jahr das gleiche, unsäglich frustüberladene Perfektionsprogramm und erleiden immer wieder den absoluten Erschöpfungs- und Weihnachtssupergau. Der führt unweigerlich in eine Welt der Streitereien, Tränen und Enttäuschungen. Ich bin der festen Überzeugung dieses Programm braucht ein Reset. Das wissen wir alle nur zu gut – zumindest immer NACH Weihnachten. Wir bestimmen selbst schon im Vorfeld diesen Überperfektionsanspruch.
Weihnachten an sich kann nichts dafür, es ist ein wunderbares Fest. Wir können es genau planen, denn es kommt jedes Jahr um die exakt gleiche Zeit – Weihnachten ist also unschuldig.

»Weihnachten an sich kann nichts dafür, es ist ein wunderbares Fest. «

WOMAN: Wie kann ich das ändern?
Edith Mohrenschildt: Ganz einfach: Machen Sie mit Weihnachten Schluss.

1. Schluss mit den guten Vorsätzen.
2. Schluss mit der Erwartungshaltung an sich selbst und andere.
3. Schluss mit dem selbstauferlegten Perfektionsansprüchen.
4. Schluss mit Rechthabenmüssen.
5. Schluss mit emotionaler Erpressung (von Ihnen oder Anderen).
6. Schluss mit allem, was unfreiwillig ist.
7. Schluss mit der alljährlich wiederkehrenden Erschöpfung.
8. Schluss mit allem, was mit „weil es immer so war“ beginnt.

Kennen Sie das, wenn die guten Vorsätze bislang immer Vorsätze geblieben sind? Kaum ist Weihnachten überlebt, kommen Sätze wie: „Nächstes Jahr werde ich nicht so viele Kekse backen.“ „Nächstes Jahr mache ich keine Gans mehr, sicher nicht.“ „Nächstes Jahr mache ich am Christtag genau nichts.“ „Nächstes Jahr lade ich die Schwiegereltern nicht mehr ein!“ „Nächstes Jahr werde ich nicht so viel essen!“ „Nächstes Jahr fahre ich weit, weit weg!“

»Nächstes Jahr ist genau jetzt. Machen Sie, was Sie wirklich machen möchten.«

Nächstes Jahr ist genau jetzt. Machen Sie, was Sie wirklich machen möchten. Alles, was Sie freiwillig und gerne machen, ohne Erwartungshaltungen der Dankbarkeit oder Ähnliches. Sie können es unbedenklich tun. Alles, was Ihr Herz erfreut, ist willkommen. Machen Sie, was Sie wirklich möchten. Reden Sie nicht, handeln Sie. Das ist nicht egoistisch, sondern selbstbestimmt.

WOMAN: Familienfeierlichkeiten können an sich schon vorbelastet sein, aufgrund unterschiedlichster Spannungen. Wie kann ich diese umgehen? Als direkt Betroffene als auch als Außenstehende?
Edith Mohrenschildt: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich selbst zu beeinflussen, ohne sich selbst dabei belügen zu müssen oder sich untreu zu werden. Nicht in das Treiben und die Spannungen einzusteigen, bedarf einer gewissen Disziplin der Gedanken und einer inneren Haltung dazu. Ganz simpel könnten Sie entscheiden, nicht mehr Teil dieses weihnachtlichen Spannungsplanes zu sein.
Wollen Sie dennoch dabei sein, können Sie sich immer selbst fragen: „Ist das wirklich essenziell, was da in meinem Kopf so passiert?“ Ist das essenziell, dass Oma schon wieder nur vom Essen redet, und ich meine, mich ärgern zu müssen. Ist das essenziell, ob es ein Weihnachtsessen gibt, das mir nicht schmeckt. Ist das essenziell, ob der Christbaum groß, klein, dick, dünn, nicht meinem Geschmack entsprechend geschmückt wurde?
Weiters ist es sehr hilfreich, wenn man sich bei jedem Familienmitglied bemüht, ausschließlich nur das Gute in ihm oder ihr zu sehen. Jeder Mensch hat etwas Gutes. Bemühen Sie sich draufzukommen, was es ist – das ergibt auch andere Gesprächsthemen. Ein Beispiel: Die Mutter, die tränenreich am Herd steht und sich bereits den dritten ‚Arbeitswein‘ genehmigt hat und anschließend gestresst und verheult vorm Christbaum sitzt, kann man auch, neben dem grandiosen Essen, zum Beispiel auf ihr erfolgreich abgeschlossenes, berufliches Projekt oder ihren grünen Daumen ansprechen. Sie müssen nicht lügen, inkludieren Sie sich aber auch nicht in die Spannungen. Und noch etwas: Im Besten Fall haben Sie einen sehr positiven Einfluss auf die gesamte Truppe.

WOMAN: Haben Sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht?
Edith Mohrenschildt: Ja. Das Weihnachten meiner Kindheit war geprägt von unhinterfragter Tradition und Großfamilienspannungen aller Art. Sie waren mir wunderbare Lehrmeister.

WOMAN: Und wird dieses Jahr unter dem Christbaum alles anders sein?
Edith Mohrenschildt: Mein Weihnachten ist schon seit 25 Jahren anders – seit ich selbst dafür verantwortlich bin. Meine Türe steht Menschen, die alleine oder in ihren Familienverbänden nicht so geborgen sind, offen. Wir haben immer einen großen Tisch. Ich finde es jedes Jahr aufs Neue äußerst bedenklich, dass die Menschen in die Weihnachtsmesse laufen, sich gerührt die Geschichte der Herbergssuche anhören, dann nach Hause gehen und ihre Türen nach wie vor fest verschließen.
Kommentare wie: „Nein, an Weihnachten kann ich dich nicht nehmen. Das ist ja das Fest der Familie!“, finde ich äußerst fragwürdig. Zudem fühle ich mich nicht dafür verantwortlich, wer was isst und wer nicht. Es gibt immer genug zu essen in meinem Haus und mit Sicherheit ist für jeden was dabei. Doch essenziell ist es für mich nicht. Für mich ist es wichtig, gute Gespräche zu führen, auf die Menschen die unter meinem Dach sind neugierig zu sein und dass ich für Inspiration - wie gute Texte zum gegenseitigen Vorlesen -, Humor, Verständnis und Achtsamkeit sorge.

WOMAN: Welche Tipps wollen Sie unseren Leserinnen und Lesern unbedingt für die Feiertage mitgeben?
Edith Mohrenschildt:
1. Freude ist Ihr bester Kompass, denn Liebe oder Erfolg - zum Beispiel von einem gelungenen Weihnachtsfest - sind ohne Freude nicht möglich.
2. Perfektion ist der sichere Weg ins Unglück. Sie macht starr und gibt keine Möglichkeit, sich den Menschen oder Situationen anzupassen. Perfektion ist eng verbunden mit enttäuschten Erwartungshaltungen. Deshalb raus aus der Perfektion und rein in ein liebevolles, humorvolles Miteinander.
3. Wenn jemand ein Problem mit Ihnen hat, kann er es behalten. Ist ja schließlich seins. Sie müssen nicht jeden Ball fangen, der Ihnen zugeschmissen wird. Entscheiden Sie gelassener.
4. Ich liebe dich, weil du bist! Kehren Sie zurück zum Wesentlichen: Lieben Sie die Menschen in Ihrem Umfeld, weil sie sind. Das ist meines Erachtens nach unsere einzige Aufgabe – Liebe ohne Leistung.
5. Pfeifen Sie auf Schuldgefühle. Denn dafür haben Sie heuer einfach keine Zeit!

Edith Mohrenschildt ist Gedankenexpertin, Geschäftsführerin und Inhaberin der Agentur alphaorange.at und alphaorangelive.at. Sie referiert an Universitäten, in Unternehmen und Konzernen und auf Kongressen.

Edith Mohrenschildt

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