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Schönheitswahn in der Schwangerschaft

Top gestylt zur Geburt? Das Streben nach Schönheit macht vor schwangeren Frauen keinen Halt. Das Ergebnis: Jede 4. Schwangere leidet bereits unter einer Essstörung!

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Schönheitswahn in der Schwangerschaft

Jede 4. Schwangere hat große Angst vor einer Gewichtszunahme!

© Thinkstock. Pic by anopdesignstock

Make-up, Maniküre, Brazilian Waxing. Nein, ich zähle hier nicht die Beauty-Rituale einer Frau vor der Miss-Wahl auf, sondern die einer Frau vor dem Geburtstermin. Denn was Kim Kardashian kann, das können andere Mütter schon lange. Perfekt gestylt wollte die 32-jährige Sängerin nach ihrer Geburt aussehen, nahm angeblich einen Make-up-Artist und Friseur mit in den Kreissaal.

Kann man derlei als überhöhten Wahnsinn einer überkandidelten Hollywood-Tussi abtun? Mitnichten. "Pregorexie" ist ein grauenhafter Trend, der sich in den USA derzeit ausbreitet. Dabei handelt es sich um Magersucht in der Schwangerschaft. Der Begriff wird gebildet aus den beiden Begriffen "pregnant" (schwanger) und "anorexia" (Fachbegriff für Magersucht).

Früher hieß es: "In der Schwangerschaft darf ich endlich Essen für Zwei!" Heute lautet die Devise offenbar: Schlank um wirklich jeden Preis – möglichst während der neun Monate Schwangerschaft, auf jeden Fall aber sofort nach der Geburt.

Wann tritt Magersucht auf?

Essstörungen sind ein Kontrollversuch über den eigenen Körper. Meist treten sie auf, wenn sich im Leben etwas verändert, etwas unüberwindbar wirkt und man sich überfordert fühlt. Deshalb treten Essstörungen häufig bei Mädchen in der Pubertät auf. In dieser emotionalen und biologischen Umbruchsphase zwischen Kindsein und Erwachsensein kommt es dann zum besagten Kontrollzwang.

Neben der Pubertät ist die Schwangerschaft die zweite große Umbruchsphase im Leben einer Frau. Wieder verändert sich der Körper, der Hormonhaushalt, das gesamte Leben. Damit gehören auch Schwangere zur für Essstörungen anfälligen Gruppe - auch wenn dies lange von Experten und Psychologen vernachlässigt wurde.

»Victoria Beckham trug eine Woche nach der Geburt ihres 4. Kindes wieder Größe 34.«

Nach 5 Wochen am Catwalk

Eine britische Studie hat im letzten Jahr mit 739 schwangeren Probandinnen Tests durchgeführt, um herauszufinden, wie gefährdet werdende Mütter wirklich sind. Das erschreckende Ergebnis der Studie: Jede vierte (!) Schwangere gab an, Angst vor einer Gewichtszunahme und damit vor einer Veränderung ihres Körpers zu haben. Jede zehnte Probandin zeigte bereits Verhaltensweisen einer Essstörung, wobei im Rückblick betrachtet bereits 9,2% der Probandinnen vor der Schwangerschaft eine Essstörung aufwiesen.

Studienleiterin Nadia Micali: "Wir haben festgestellt, dass die vielen Unzufriedenheiten der Frauen mit dem öffentlichen Bild der schwangeren Frau zusammenhängen." Da wäre etwa jenes: Heidi Klum ist schwanger, bekommt ihr Baby und defiliert fünf Wochen nach der Geburt in Unterwäsche und mit Top-Body über den Catwalk der Victoria's Secret Show. Victoria Beckham trug eine Woche nach der Geburt ihres 4. Kindes wieder Größe 34. Kaum verwunderlich, dass "normale" Frauen unrealistische Erwartungen an den eigenen Körper stellen!

Zwar behaupten manche Forscher und Experten, dass sich ungeborene Kinder die Nährstoffe holen, die sie brauchen... Doch andere Erhebungen beweisen das Gegenteil: Eine Studie aus Schweden zeigte, dass sich Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft auf ihr Gewicht achteten und weniger aßen, körperlich zarter blieben und sich langsamer entwickelten. Außerdem wurden vermehrte Frühgeburten nachgewiesen.

Heidi Klum lief nur 5 Wochen nach der Geburt wieder für Victoria's Secret!

Gefährlicher Trend

Experten warnen nun massiv: Frauen sollen sich in der Schwangerschaft gesund, ausgewogen und ausreichend ernähren. Denn der Trend zum trainierten, schlanken Körper und das Kalorienzählen kann dem ungeborenen Kind nachhaltig Schäden zuführen! Die zusätzlichen Kilos sind dank Stillen und Stress der ersten Monate meist von selbst schnell abgebaut...