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Schräger Humor mal drei: Die Stemberger-
Frauen erzählen über das Drei-Mäderl-Haus

Es ist alles Wonne und Waschtrog. Julia, Katharina und ihre Mutter Christa, in zweiter Ehe mit dem Komponisten Kurt Schwertsik verheiratet, trudeln zum WOMAN-Shooting ein. Aufgekratzt werden Neuigkeiten ausgetauscht über Julias Fanny, 10, und Anna, 7, Katharinas Tochter. Eine herzliche Familie, die Vertrautheit ist beneidenswert. Zwischen den Schwestern gibt es zwar kleine Zwistigkeiten, die aber rasch vergehen, die Mutter nimmt es mit Gleichmut. Am 23. 3. spielen sie im Wiener Ehrbar Saal Herzmanovsky-Orlandos „Abduhenendas missratene Töchter“, einen skurrilen Spaß um einen siamesischen Zwilling in der Götterwelt.


Schräger Humor mal drei: Die Stemberger-
Frauen erzählen über das Drei-Mäderl-Haus
© Susanne Spiel

Woman: Dieses Stück von Herzmanovsky-Orlando ist, vereinfacht gesagt, eigentlich unverständlich. Was reizt Sie denn daran?
Julia: Der Spaß am Sinnlosen, an einer abstrusen Geschichte, die man weder nacherzählen noch nachvollziehen kann. Und dass der Abend beim Publikum immer gut ankommt.
Christa: Das Stück ist irrwitzig, und die Handlung ist nicht zu erklären. Deshalb stellen sich die Fragen, warum etwas passiert, gar nicht. Trotzdem müssen wir sehr präzise spielen, sonst funktionieren die Pointen nicht. Das Publikum lacht aber trotzdem.

Woman: Sie spielen, singen und tanzen. Wer führt Regie?
Alle gemeinsam: Wir drei!
Julia: Wir suchen nach einer Choreografie des Spürens. Alle Proben und Aufführungen sind eine Frage des Spürens.
Katharina: Der Vorteil unserer Familienproduktionen ist, dass wir einander so gut kennen. Ich spüre, wenn Julia oder meine Mutter einatmen, ich rieche bereits, bevor sie einatmen, dass sie einatmen werden.

Woman: Wenn Sie so vertraut sind, wagen Sie dann auch, schärfere Töne anzuschlagen?
Julia: Es kann verletzlich sein!
Katharina (trotzig): So scharf wie Julia ist mich noch niemand angegangen. Die Emotionen gehen sehr schnell hoch, aber bald auch wieder runter. Man kennt sich ja gut und kann nichts unter den Teppich kehren. Nach der einen oder anderen Familienproduktion dachte ich mir: nie mehr wieder mit den beiden!

Woman: Gab es Sticheleien?
Katharina: Ich habe im Umgang mit meiner Schwester viel gelernt, anfangs fielen Teile der Dekoration auseinander, und nun reden wir schon miteinander …
Julia: Ach, Reibereien gibt es nur, um die Stimmung zu heben.

Woman: Und Sie als Mutter mischen sich da nicht ein?
Katharina: Das hat sie schon längst aufgegeben! (Lacht)
Christa: Es ist ein kindisches Hin und Her wie bei Pingpong. Der Spaß überwiegt. Wir haben uns ganz gerne!
Julia: Übertreibe aber nicht!
Katharina: Wenn Julia und ich streiten, geht es um alte Kindergeschichten, um Charakterzüge, die uns immer schon auf die Nerven gegangen sind.

Woman: Und wenn diese Scharmützel zur echten Kritik werden?
Julia: Wir haben gelernt, uns bei Kritik fest anzuschnallen, andererseits sie auch mit Respekt zu formulieren!
Christa: Da spricht unsere kleine Mediatorin! (Alle lachen)
Katharina: Ich glaube, uns würde kein Regisseur überleben!

Woman: Und haben Sie Ihre Mutter schon einmal verletzt?
Julia: Nein, nur unabsichtlich! (Alle lachen) Auf der Probe rutscht schon mal ein falscher Ton raus. Das spürt man auch.
Christa: Da sehe ich mich nicht als Mutter, eher als Partnerin.
Julia: Aber doch stehen sich zwei Generationen gegenüber. Der scharfe Ton trifft doch die eigene Mutter und nicht die Kollegin. Aber das geschieht selten. Sonst könnten wir nicht mehr miteinander arbeiten.
Christa: Nach jeder Produktion erholen wir uns von unseren Schrammen (alle lachen).

Woman: Wie sehr holen Ihre Töchter Ihren Rat?
Christa: Zunächst habe ich einmal lernen müssen, mich zurückzunehmen und sie nicht ständig auszufragen. Natürlich nehme ich an ihrem Leben Anteil, sage aber ungefragt nicht, ich würde das so oder so machen. Bei uns gab es immer die Möglichkeit, bei Problemen zu reden. Ich denke mir, sie werden schon fragen, wenn sie etwas bedrückt. Aber ich will vermeiden, diese Situation an mich zu reißen.

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