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Schülerin zum Tragen von BH gezwungen

Eine 17-Jährige bekommt in den USA Probleme, weil sie ohne BH zur Schule kam. Sie muss ihre Brüste abkleben, da sonst die Jungs abgelenkt werden. Sie darf also nicht entscheiden, was sie trägt, aus "Rücksicht" auf die Männer.

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Schülerin zum Tragen von BH gezwungen
© iStockphoto.com

Es war ein sonniges, warmes Wochenende, also ging Lizzy Martinez ins Schwimmbad. Am Montag darauf hat sie einen schmerzenden Sonnenbrand, weswegen sie auf einen reibenden BH und enge Kleidung verzichtet. Stattdessen taucht sie in einem weiten, langärmeligen, grauen T-Shirt in der Braden River High School in Bradenton in Florida auf.

Aber mitten am Vormittag wird die 17-Jährige aus der Klasse geholt und ins Direktorat gebeten. Und dort fragen sie die Schulleiterin Sharon Scarbrough und die Dekanin Violeta Velazquez warum sie keinen BH tragen würde. Trotz der brennenden Haut aufgrund des Sonnenbrandes bestehen die beiden darauf, dass Lizzy einen BH zu tragen habe, da dies den Kleidungsvorschriften der Schule entspreche.

Man verpasste ihr ein Unterhemd, "damit die Jungs nicht mehr schauen und lachen". Wobei Lizzy beteuert, dass ihr nichts in der Art aufgefallen sei. Die Scham setzte erst jetzt ein und ebenso Verärgerung. Sie zog sich um und musste sich danach noch einmal präsentieren. Aber die zweite Schicht war der Dekanin noch nicht ausreichend. Sie schickte sie zur Schulklinik, wo ihr vier Stück Heftpflasterverband überreicht wurden, womit sie sich die Brustwarzen mit einem X abkleben sollte.

Aber Klebeband auf einer so sensiblen Stelle wie den Brüsten ist keine angenehme Erfahrung. Kurze Zeit danach begann die Schülerin in der Klasse zu weinen und eine Freundin begleitete sie hinaus. Ihre Mutter wurde verständigt und holte sie daraufhin ab.

Diese zeigte sich erschüttert. Denn ihre Tochter trug ja kein durchsichtiges Top, sondern ein weites Shirt: "Zu behaupten, sie versuche damit Aufmerksamkeit zu erlangen, ist absolut absurd. Und sie erzählte mir auch erst über einen Tag später von den Klebestreifen, weil sie sich so sehr dafür schämte."

»Meine Schule teilte mir damit quasi mit, dass die Erziehung der Jungs wichtiger ist und dass ich mich für meinen Körper zu schämen habe.«

Schließlich aber überwog der Ärger bei der jungen Frau und sie ließ ihren Unmut über ein Posting auf Twitter los. Diese Nachricht verbreitetet sich bald wie ein Lauffeuer im Netz. Und sorgte auch dafür, dass zahlreiche Schulkolleginnen auf einen stillen Protest setzten: Sie trugen bewusst keine BHs und klebten ein X aus Pflastern auf ihre Rucksäcke, um ihre Solidarität gegenüber diese nur für Mädchen einschränkenden Kleidungsvorschriften zu zeigen.

In den USA gibt es in mehr als der Hälfte aller Schulen Kleidungsvorschriften. Diese werden jedoch immer öfter diskriminierend eingesetzt, da vor allem die Schülerinnen von diesen betroffen sind und diese darauf ausgelegt sind, Teile des weiblichen Körpers "sittsam" zu bedecken. Es wird damit impliziert, dass ein Busen etwas Sexuelles ist und dass dieser ohne BH automatisch bei den männlichen Schülern Aufmerksamkeit auf sich zieht und diese wohl ihre zwangsläufige Erregung nicht kontrollieren könnten?

So werden mehr als fragwürdige Stereotype noch verstärkt, dass Männer willenlose Wesen im Angesicht eines Stückchen weiblicher Haut wären und dass Frauen sich entsprechend anzuziehen haben, damit sie eben keine Aufmerksamkeit erregen - im schlimmsten Falle also dass die Kleidung ein ausschlaggebender Faktor bei sexueller Belästigung sein kann. Was niemals der Fall sein darf. Denn die Verantwortung wird damit von den Tätern auf die Opfer übertragen.