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Dein Kind beginnt mit der Schule? Das solltest du beachten

Der Bestseller-Autor und Psychologe Dr. Roman Braun gibt wertvolle Tipps, was man beim Schuleintritt seines Kindes alles beachten muss.

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Dein Kind beginnt mit der Schule? Das solltest du beachten
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Wenn das eigene Kind mit der Schule beginnt, kreisen sich die Gedanken der Eltern um viele Dinge: Wie wird sich das Kind machen? Wird es sich wohlfühlen? Ist es selbstständig genug? Um euch die Unsicherheit ein bisschen zu nehmen, haben wir den Bestseller-Autor, Lebens- und Sozialberater und Psychologen Dr. Roman Braun zur Rate gezogen. Hier kommen die wichtigsten Kick-off-Tipps für den Schulstart.

1. Wie bereitet man sein Kind am besten auf den Schulalltag vor?

Grundsätzlich gilt: Kinder lernen gern und freudvoll und das schon seit sie auf der Welt sind. Das ändert sich auch mit dem Schuleintritt nicht. Sie möchten das machen, was die Großen auch machen und haben einen ungeheuren Drang, zu zeigen, was sie können. Denn Kinder präsentieren sich und ihre Fähigkeiten unglaublich gern. Toll, dass die Schule ihnen diese Möglichkeit bietet – das sollte auch im Fokus der Eltern stehen. Mama und Papa haben nämlich eine absolute Vorbildwirkung. Wenn sie denken, "Oh Gott, wie kann ich mein Kind auf die Schule vorbereiten?", und nervös auf den großen ersten Tag hinplanen, dann übertragen sie diese Angst auf ihr Kind. Es ist daher also eher Elterntraining gefragt, als die Vorbereitung des Kindes.

Wenn Eltern merken, dass das Kind schon hibbelig wird, dann sollten sie das nicht abtun. Das gilt übrigens für die gesamte Schullaufbahn des Kindes. Wenn Eltern Nervosität bei ihrem Kind spüren, sei es beim Schuleintritt oder vor einem Referat, dann rate ich ihnen folgendes zu vermitteln: Das kribbelige Gefühl, was das Kind da spürt, ist Vorfreude. Der Körper kann es kaum noch erwarten im Rampenlicht zu stehen, das spürt oder sieht man dann überall. Die Wangen sind errötet, das Herz schlägt schneller und man atmet unruhiger. Fatal wäre es, einem Kind zu sagen, es solle "ganz ruhig sein". Dadurch zerstört man die Vorfreude, weil man sie durch diesen Satz unterdrückt. Mama und Papa sollten "Freust du dich?" fragen und nicht "Bist du schon nervös?".

Dr. Roman Braun


2. Wie sieht ein lernfreundliches Kinderzimmer aus?

Ganz wichtig ist der richtige Schreibtisch – der ist nämlich gerade bei Schulanfängern häufig noch zu hoch. Wer sich ständig strecken muss, der verliert schnell die Lust an der Aufgabe. Ein größenverstellbarer Kindertisch ist hingegen ideal. Und da darf auch gern einmal etwas Chaos herrschen. Das hängt auch von der Aufgabe ab: Studien beweisen, dass ein aufgeräumter Tisch bei Aufgaben, die Genauigkeit und Ausdauer fordern, unterstützt und hilfreich ist. Für einen kreativen Prozess kann hingegen das Durcheinander absolut förderlich sein.
Übrigens haben dabei auch Farben Auswirkung auf die Freude am Lernen. Rot wirkt aktivierend, Blau hingegen fördert die detailorientierte Arbeit. Gerade für das Hausaufgabenmachen empfehle ich daher die psychologische Wirkung von blauen Farben im Raum. Und das muss natürlich nicht unbedingt das Kinderzimmer sein – wenn Eltern zum Beispiel im Wohnzimmer eine Lernumgebung schaffen, in der Störelemente wie Musik vermieden werden, dann kann auch das der ideale Ort für die Hausaufgaben sein. Eine gute Raumluft durch ausgiebiges und häufiges Lüften sorgt zudem für noch bessere Voraussetzungen, damit sich das Kind gut konzentrieren kann.

3. Über welche Dinge sollte man mit dem Kind in den ersten Tagen beim Schulantritt sprechen bzw. auf welche Dinge sollte man besonders eingehen?

Wenn Kinder zum ersten Mal in die Schule gehen, dann geht es um drei ganz wesentliche Dinge: um die anderen Kinder, die sie kennenlernen; um die neue Lehrerin oder den Lehrer, die/der nun eine neue Bezugsperson wird; und darum, dass sie ihren Eltern einen Wunsch erfüllen. Es wäre nicht altersgemäß, von einem Kind zu erwarten, dass es aus eigener Motivation heraus in die Schule gehen möchte. So offen können Eltern ruhig mit ihren Kindern sprechen. Mama und Papa können die Vorfreude auf die Schule verstärken, indem sie mit dem Kind über diese drei Dinge sprechen: die Neugier auf die Mitschüler, die Freude, etwas zu lernen, und darüber, dass das Kind so toll mithilft, die Aufgabe der Eltern zu erfüllen. Vor dem großen Tag können Eltern schon eine Generalprobe machen und gemeinsam mit dem Nachwuchs Stimmung erzeugen. Wenn die Familien vorab schon einmal das neue Morgenritual durchgespielt und die neue Umgebung bereits erkundet hat, dann geht der erste Tag gleich viel entspannter los.

4. Was tun, wenn das Kind keine Freunde findet bzw. wenn es äußert, dass es noch keine Kontakte geknüpft hat?

Eltern machen oft den Fehler, das als Problem zu werten. So ist es aber nicht! Sie gehen dabei von sich aus und projizieren ihre Wünsche und Statusvorstellungen auf das Kind. Dabei wäre das gar nicht altersgemäß. Kinder in diesem Alter knüpfen keine langjährigen Freundschaften. Es handelt sich vielmehr um vorübergehende Kameradschaften. Erst ab dem Teenageralter werden Freundschaften eingegangen, die auch langfristig bestehen bleiben. Es macht nichts, wenn das Kind introvertiert ist, denn bereits das Beobachten ist positiv für die Entwicklung. Eltern können das unterstützen, indem sie ihrem Kind Fragen über MitschülerInnen stellen, z.B.: Wer hat heute am meisten getratscht? Was hatten die anderen Kinder an? Viel wichtiger als Freundschaften ist nämlich, dass das Kind neue Eindrücke macht, indem es MitschülerInnen und LehrerInnen beobachtet und kennenlernt.

Über Dr. Roman Braun

Dr. Roman Braun M.Ed. ist Geschäftsführer von Trinergy International, Doktor der Psychologie, NLP-Master-Trainer, Master-Coach der ICF, zertifizierter Lebens- und Sozialberater und Bestseller-Autor. Er leitet akademische Coaching-Ausbildungen. Weitere Informationen unter trinergy.at.

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