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Die Schulen sind zu: Und wie läuft das jetzt mit der Sonderbetreuungszeit?

Wird mit der erneuten Schließung der Schulen wieder die gesamte Betreuung der Kinder auf die Eltern abgeladen? Wie kann das vor allem bei Alleinerziehenden gelingen?


Die Schulen sind zu: Und wie läuft das jetzt mit der Sonderbetreuungszeit?
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Seit 17. November sind die Schulen in Österreich aufgrund der Corona-Krise sowie ständig steigender Infektionszahlen wieder geschlossen. Und damit kommt auf Eltern wie im Frühjahr wieder eine gehörige Belastung hinzu.

Aber der vorerst verkündete Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit im Falle eines Lockdowns samt 100% Kostenübernahme durch den Bund, gab zumindest einem Teil der Eltern eine Perspektive, wie sie die Kinderbetreuung schaffen können.

Die verwirrenden Informationen rund um den Rechtsanspruch der Sonderbetreuungszeit - neben der unterschiedlichen Aussagen zu den Schulschließungen selbst - haben bei den Familien jedoch für Verunsicherung und Empörung gesorgt. Die ohnehin großen Begleitschäden werden dadurch nochmals verschärft und die staatliche Bildungsverantwortung auf die Familien abgewälzt.

„Eltern fühlen sich verhöhnt. Sie brauchen momentan ihre ganze Kraft um das tägliche Leben zu schaffen. Wir fordern die Regierung auf, die Sonderbetreuungszeit wie versprochen umzusetzen. Sie ist verantwortlich für die zukünftige Generation Österreich.“ mahnt Evelyn Martin, pensionierte Lehrerin und Vorstandsvorsitzende der Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA).

Lebensumstände von Alleinerziehenden missachtet

Fast 30% aller Alleinerziehenden gaben 2019 bei einer Befragung an, dass ihre Kinder kein eigenes Zimmer besitzen und fast die Hälfte der Alleinerziehenden ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Zudem müssen in alleinerziehenden Haushalten Kinder bereits sehr früh viele Alltagsarbeiten übernehmen, oftmals auf Kosten eigener Schul- und Ausbildung.

Tipps aus den Ministerien, dass Lernen sowie Spielen bei Kindern in getrennten Räumen stattfinden soll, Empfehlungen zu ergonomisch bestgestalteten Homeoffice-Plätzen oder dass ältere Geschwister Jüngere beaufsichtigen sollen bevor Sonderbetreuungszeit in Anspruch genommen wird, gehen leider an den Lebensrealitäten vieler Alleinerziehender vorbei.

„Es ist verantwortungslos, Familien in dieser Situation erneut auf ihre Eigenverantwortung zu verweisen, wenn sie aufgrund fehlender Rahmenbedingungen die Situation nicht bewältigen können. Dass die reale Situation vieler Familien nicht berücksichtigt wird, entspricht nicht den in der Öffentlichkeit geäußerten Beteuerungen der Regierung, alle Familienformen gleich zu behandeln“, beurteilt Evelyn Martin.

Alleinerziehende überbelastet und verzweifelt

Für Alleinerziehende bedeutet der erneute Lockdown eine Überbeanspruchung ihrer Ressourcen. Die in der Öffentlichkeit positiv hervorgehobenen Maßnahmen wirken bei alleinstehenden Eltern nicht. Folgen sind zunehmend psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout bei Müttern und Vätern. Erkrankungen die letztlich auch die Zukunftschancen der Kinder schmälern. Präventive Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit, die hier Entlastung schaffen könnten wie etwa Kostenübernahmen zu Mutter-Kind-Kuren oder psychologische Behandlung auf Krankenschein als Maßnahmen fehlen. „Die Bundesregierung hatte seit dem Frühjahr Zeit, sich bessere Lösungen für Schule und Infrastruktur zu überlegen. Trotzdem wurden keine ausreichenden Vorbereitungen getroffen. Die wochenlangen Beteuerungen, dass es weder zu Lockdown noch Schulschließungen komme, waren mehr als kontraproduktiv. Die aktuelle Situation wirkt sich auf Alleinerziehende und ihre Kinder ganz besonders dramatisch aus.“, so Martin abschließend.

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