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Schulterfrei = Ablenkung? Schulmädchen wehren sich gegen Kleidervorschriften

Kleidervorschriften in den Schulen der USA: Was würdest du machen, wenn deine Tochter wegen einem schulterfreiem Top aus der Schule nachhause geschickt wird?

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© istockphoto.com/Martin Dimitrov

Das neue Schuljahr hat begonnen und schon gleich stehen 50 Mädchen der kalifornischen San Benito High School vor einem Problem: Sie haben schulterfreie, also zurzeit sehr modische, Tops an. Viele werden verwarnt, manche nachhause geschickt. Ihre bloßen Schultern seien eine Ablenkung für die Jungs, so die Kleidervorschrift der Schule. Die 50 Mädchen wundern sich, denn letztes Jahr was das mit den freien Schultern noch kein Problem gewesen.

Die Willkür dieser Regeln, die Scham der Betroffenen, wenn sie nachhause geschickt werden und der sexistische Gedanke, der hinter allen Kleidungsvorschriften (die meisten nur für Mädchen!) lauert, waren einfach zu viel: Die Schüler der kalifornischen High School solidarisierten sich mit ihren Kolleginnen und trugen einen Tag lang ebenfalls schulterfreie Tops.

Der Direktor nahm diesen Protest laut Yahoo! Stylezum Anlass, eine Diskussion mit den SchülerInnen über die Kleidungsvorschriften zu führen. Er freue sich, dass seine SchülerInnen so ruhig geblieben wären und er wäre bereit, ihre Sicht der Dinge zu hören. Das ist, gelinde gesagt, ein unglaublicher Bullshit. Eine Diskussion hätte es zuvor schon geben sollen, oder zumindest eine Benachrichtigung über die neuen Regeln.

Schulterfrei = Ablenkung für Jungs?

Das ist eigentlich das perfekte Setting für einen Albtraum: Stell dir vor, du gehst plötzlich wieder in die Schule und hast eine kurze Hose und ein schulterfreies Top an. Gestern hattest du das auch schon an, aber heute starren dich alle Jungs an und der Direktor kommt auf dich zu und macht dich vor versammelter Mannschaft zu Strecke, weil du deine Schultern herzeigst. Genau diese unendliche Scham müssen tausende Schülerinnen in Amerika jeden Tag über sich ergehen lassen.

Kein Wunder, dass das Internet nur so wimmelt von aufgebrachten Eltern, die nicht verstehen können warum die harmlose Shorts ihrer 14-jährigen Tochter zu sexy für die Schule sein soll. Unter dem Hashtag #immorethanadistraction (I'm more than a distraction - Ich bin mehr, als eine Ablenkung) sprechen viele Twitter-UserInnen von ihrem Ärger und ihren Erfahrungen. Und schon der Name des Hashtags spricht das Kernproblem der ganzen Sache an: In dem der weibliche Körper (nein, der Körper von jungen Mädchen!) als Ablenkung bezeichnet wird, wird er gleichzeitig übersexualisiert.

Ist der Körper einer Frau wirklich ein wandelndes Sexspielzeug, bei dessen Anblick sich vor allem jüngere Männer nicht mehr kontrollieren können? Das ist nicht nur den Mädchen gegenüber beleidigend, sondern auch den Jungs gegenüber, denn diese sollten ja auch nicht als wandelnde Hormonschleuder betrachtet werden. Es ist wirklich schlimm, dass es in der heutigen Zeit solche Maßnahmen für richtig gehalten werden. Ja, Direktoren und Direktorinnen wollen so sicherlich oft nur gegen sexualisierte Gewalt vorgehen und meinen es nicht einmal sexistisch, aber auch so ist es ein völlig falscher Ansatz und maximal eine Symptombekämpfung.

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