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"Meine Mama war meine Rettung!"

Neulich haben wir eine Mail von WOMAN-Leserin Angela erhalten. Als die damals mit 19 Jahren schwanger wurde, war ihre Mama ihre Rettung. Wir haben mit der Linzerin über ihre Geschichte gesprochen.

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"Meine Mama war meine Rettung!"

Trauti und Angela: Ein Herz und eine Seele!

© Privat

Als Angela Cooper 19 Jahre jung war, brachte sie ihre Tochter Mona auf die Welt. Dies bedeutete für die Studentin damals: Ausbildung abbrechen und heim zu den Eltern ziehen. Heute ist die Linzerin 45 Jahre alt, zweifache Mama und konnte trotz ihrer frühen Schwangerschaft all ihre beruflichen Träume verwirklichen. Im Talk mit WOMAN erzählt Angela, wie sie es schaffte, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen und warum ihre heute 80-jährige Mama ihre größte Heldin ist.

»Es ist einfach, viel Energie zu haben, wenn man wunderbare Kinder und eine unterstützende Familie hat.«

WOMAN: Du warst gerade 19 Jahre alt und am Beginn deines Studiums als du schwanger wurdest. Wie hast du auf diese Neuigkeit reagiert?
Angela: Der zweite Streifen am Schwangerschaftstest ist sofort aufgetaucht und mir wurde klar: „Ich bin schwanger!“. Danach ist mir richtig schwindelig geworden. Eine Woche davor hab ich noch mit Freundinnen bis 3 in der Früh beim Studentenfest gefeiert und konnte es kaum erwarten endlich die große weite Welt zu entdecken. Aber jetzt war alles anders. Ich würde ein Baby bekommen.

Mona mit Baby
Angela mit ihrer Tochter Mona nach der Geburt

WOMAN: Hattest du Angst es deinen Eltern zu sagen?
Angela: Ich war total nervös es meinen Eltern zu sagen. Meiner Familie ist die Ausbildung sehr wichtig. Mein Vater, ein Mathematiker, war mit 34 einer der jüngsten Universitäts-Professoren (Einstein war 32), meine Mutter hat Mathematik, Physik und Kunst studiert. Sie war schon damals eine international erfolgreiche Künstlerin mit Ausstellungen und Licht-Installationen.

WOMAN: Und wie haben sie dann auf die Neuigkeiten reagiert?
Angela: Als ich es meiner Mama erzählte, hat sie mich in den Arm genommen und ganz lange gehalten. Dann haben wir die große Neuigkeit gemeinsam meinem Papa erzählt. Der hat auf der Stelle den besten Wein geöffnet und ein spontanes Familienfest veranstaltet – für mich gab es übrigens das beste Leitungswasser im schönsten Glas (lacht).

WOMAN: WOW, was für eine schöne Reaktion. Konntest du dein Studium abschließen?
Angela: Nein, ich musste mein Studium leider abbrechen. Ich hab damals Kunstgeschichte und Psychologie in Wien studiert und mir ein winziges Zimmer mit einer Freundin geteilt. Da stand dann direkt neben meinem Bett mein Schreibtisch und der wieder direkt neben ihrem Schreibtisch. Für ein Baby war da kein Platz. Deshalb bin ich wieder zu meinen Eltern nach Linz gezogen.

Angela und ihre Tochter Mona
Die damals 19-jährige Angela und ihre Tochter

WOMAN: Als Mona dann zur Welt kam, hast du an einem komplett anderen Berufstraum gearbeitet. Magst du davon erzählen?
Angela: Ich wollte, seit ich denken kann, Tänzerin sein. Schon als 3-Jährige hab ich mit aller Kraft die Möbel zur Seite geschoben und bin durch die Wohnung getanzt. Mit 10 Jahren haben meine Freundinnen und ich die bunten Kleider unserer Mütter angezogen, Glitzer auf unsere Wangen geschmiert und Tanz-Aufführungen im Hinterhof und Garten veranstaltet. Ich hab jede Nacht davon geträumt, mich als Tänzerin auf der Bühne zu drehen. Diesen Traum hatte ich dann irgendwann aufgegeben und erst wieder aufgenommen, nachdem ich schon Mutter war - dank der Hilfe meiner Eltern.

WOMAN: Wie hast du Kind und Ausbildung unter einen Hut gebracht?
Angela: Das war nur durch die Unterstützung meiner Eltern möglich. Ich habe bei meinen Eltern gewohnt, bis meine Tochter 6 war. So konnte ich bei meiner Tochter sein und gleichzeitig einen Beruf – noch dazu meinen Traumberuf - erlernen.
Ich kann mich erinnern, dass mir beim Lernen einmal vor Erschöpfung der Stift aus der Hand gefallen ist, weil ich die ganze Nacht mein schlafloses Kind getragen hatte, da übernahm meine Mama die Nachtschicht. Und als ich zum ersten Mal zitternd als Tänzerin auf der Bühne stand, waren meine Eltern im Publikum - mit meiner Tochter am Schoß.

WOMAN: Deine Mutter hatte, als du schwanger wurdest, selbst viel um die Ohren und arbeitete als internationale Künstlerin. Wie hat sie es geschafft, dich so stark zu unterstützen?
Angela: Meine Mutter war damals 55 und konnte sich als Künstlerin die Zeit relativ frei einteilen. Es war meiner Mama ein Bedürfnis, viel Zeit mit Mona zu verbringen. Sie hat vor allem von zuhause aus gearbeitet – im Atelier – auf diese Weise konnten wir alle als Familie zusammen leben. Ihr großes Kunst- und Friedensprojekt konnte sie auch erfolgreich umsetzen. Ihr Traum war es, einen Regenbogen um die Welt zu spannen als Symbol für Frieden, Akzeptanz und Verbindung. Wir arbeiten immer noch zusammen, entwickeln gemeinsam Konzepte und Entwürfe für ihre Kunstprojekte.

Mama Trauti und Angela - die erste Kinderwagenfahrt
Angela und ihre Mama Trauti machen die erste Kinderwagenfahrt

WOMAN: Wie war es sich die Erziehung der Tochter zu teilen? Gab es zwischen dir und deiner Mutter auch einmal Streit?
Angela: Ob Politik, Kindererziehung, Alltag - wir vertreten beide sehr leidenschaftlich unsere Meinung. Als Jugendliche habe ich schon mal gerne bei einem Streit dramatisch das Zimmer verlassen und die Türe hinter mir zugeknallt.

»Meine Mutter wird heuer 80 und hat mehr Energie und Kraft als viele 18-Jährige.«

WOMAN: Würdest du sagen, deine Mutter ist ein Vorbild?
Angela: Meine Mutter wird heuer 80 und hat mehr Energie und Kraft als viele 18-Jährige. Sie arbeitet mit voller Begeisterung an ihren Kunst- und Friedens-Projekten und hat täglich neue Ideen, lernt Neues dazu. Sie lernt gerade ihre 8. Sprache, postet regelmäßig auf Facebook, lernt Qigong, spielt Klavier, arbeitet oft bis 3 Uhr in der Früh an ihrer Kunst, weil sie gerade so viele Ideen hat, bereist die Welt, plant und verwirklicht weltumspannende Kunstprojekte. Sie hat bereits viermal bei der Biennale Venedig teilgenommen. Sie ist definitiv ein Vorbild!

WOMAN: Nach deiner Tänzerkarriere hast du dich wieder beruflich verändert. Heute arbeitest du als TCM-Energetikerin und hast sogar eine Qigong-Akademie aufgebaut. Wie kam es dazu?
Angela: Ich hatte eine Zeit lang ein ordentliches Tief: ich war zwar hauptberuflich Tänzerin und habe es geliebt, auf der Bühne zu stehen aber gleichzeitig haben mich die Proben, das Training und die Auftritte ausgelaugt. Nach jeder Aufführung lag ich wochenlang mit roter Nase und Husten im Bett. Irgendwann hatte ich dann ein Burnout. Und wieder war meine Mama meine Rettung: Ich habe eine intensive Qigong-Ausbildung absolviert und sie hat mit den Kindern gespielt, wenn ich geübt und gelernt habe. Qigong hat mich so aufgebaut, dass ich morgens regelrecht aus dem Bett gesprungen bin!

Ich war so begeistert, dass ich gleich noch eine TCM (=Traditionell Chinesische Medizin)-Ausbildung angeschlossen habe. Ich wollte einfach wissen, warum das wirkt!

Mama Trauti und Tochter Mona
Mama Trauti mit ihrer Enkeltochter Mona

WOMAN: Woher nimmst du deine ganze Energie für all das?
Angela: Es ist einfach, viel Energie zu haben, wenn man wunderbare Kinder und eine unterstützende Familie hat. Außerdem habe ich das Glück, dass ich als Qigong-Lehrerin den für mich inzwischen schönsten Beruf auf Erden habe.

WOMAN: Welche Art von Mutter wolltest du immer werden?
Angela: Als Jugendliche dachte ich, dass ich mit 30 erwachsen sein würde und dann bereit, schwanger zu werden. Ich sah mich als sehr vernünftige, ausgeglichene, sanftmütige, fast weise Mutter. Mit 45 warte ich immer noch drauf, dass ich endlich 30 und weise werde (lacht)!

Angela mit ihren Kindern
Angela mit ihren beiden Kindern Mona (25) und Paul (17)

WOMAN: Wie würde der letzte Satz lauten, den du deiner Mutter sagen würdest?
Angela: Es wäre wohl ein sehr langer Satz (lacht): Danke für alles, ich liebe dich, du bist immer für deine Familie da und verwirklichst gleichzeitig deinen Lebens-Traum, du bist großzügig, möchtest am liebsten jedem einzelnen Menschen helfen und täglich die Welt retten, du hast mir von klein auf gezeigt, dass es viele gibt, denen es an allem mangelt, und dass es wichtig ist, diese Menschen nicht zu vergessen, gleichzeitig hast du mir die Augen für das Schöne, das Besondere im Leben geöffnet, du kannst dich über ein Glitzern am See stundenlang freuen, und ein nebeliger Tag ist für dich kein grauer Tag sondern ein romantischer.

Mama Trauti
Mama Trauti, die große Heldin!

Themen: Eltern, Muttertag

Kommentare

Angela Cooper

Außerdem danke ich ganz herzlich allen anderen, die ihr meine Kinder, Familie und mich auf unserem Weg begleitet und unterstützt habt! Und natürlich danke für die mehr als 400 Reaktionen unter dem Artikel - so viele Herzen! Meine Mama hat jedes einzelne verdient!

Angela Cooper

Ich möchte mich bei den Menschen bedanken, die neben meiner Mutter - in der im Interview beschriebenen Situation – ganz besonders wichtig für mich waren. Ein Riesen-Dankeschön daher an (nach dem Alter gereiht) Jim, Andreas, Max, Mona und Pauli! Angela

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