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Terroranschlag: "Meine Schwester hätte 'Komm, setz dich her zu mir' gesagt"

Die Schwester der 44-jährigen Frau, die dem Attentäter am Montag zum Opfer fiel, veröffentlichte im Standard berührende Zeilen, die ihr alle gelesen haben solltet.

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Terroranschlag: "Meine Schwester hätte 'Komm, setz dich her zu mir' gesagt"
© 2020 Getty Images

Das Einende über das Trennende stellen: Das ist die Message, die vom Terroranschlag in Wien vergangenen Montag übrig bleiben sollte. Tatsache ist jedoch, dass bis dato bereits von verbalen Angriffen gegen Muslime – insbesondere kopftuchtragenden Frauen – berichtet wurde. "Schleich di, du Oaschloch" – eine umstrittene Aussage, die nun auf Pullis gedruckt wird und als Hashtag kursiert. Würde ihre Schwester noch leben, hätte sie gesagt, dass "Wut, Hass, Ausgrenzung, Null-Toleranz und Gewalt niemals Teil einer Lösung sein können, aber sehr oft Teil des Problems sind", schreibt Irmgard P. in einem Text, der heute im Standard erschienen ist.

Sie ist die Schwester jener 44-jährigen Frau, die am Montag den Schüssen des Attentäters erlegen ist. "Weil sie am 2. November war, wo sie war, muss ich jetzt ihr Begräbnis organisieren", so Irmgard P. in dem Andenken an ihre Schwester Gudrun, die sich schon in ihrer Kindheit für Schwächere eingesetzt habe. "Wäre sie nicht dort gewesen, würden wir nun möglicherweise zusammensitzen und uns darüber austauschen, was da passiert ist."

"Leg die Waffe weg und setz dich her zu mir"

Gudrun war am Montag mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf ein After-Work-Bier nahe ihrem Büro. Hätte sie die Macht gehabt, sich auszusuchen, wie sie in dieser Situation gehandelt hätte, würde Gudrun dem Mann gegenübertreten und klare Worte für ihn finden, weiß ihre Schwester. "Sie hätte gesagt: 'Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir. Erzähl mir, was dich so wütend macht." Ein starker und gleichsam kluger Satz, der die Haltung der verstorbenen Frau zu Tage bringt.

Unter den Todesopfern waren zwei Frauen und zwei Männer. 22 Menschen wurden verletzt.

Hatte sich immer für Schwächere eingesetzt

In ihrem Nachruf beschreibt Irmgard, wie viel Glück die beiden Schwestern gehabt hätten, in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem Toleranz und Menschlichkeit gelebt wurden. Sie seien Teil einer liebenden Familie gewesen, anerkannte Mitglieder von Klassen, Gruppen, FreundInnen und Vereinen. "Wir wurden gesehen, anerkannt und und unserer Persönlichkeit wertgeschätzt". Platz für Manipulationen hätte es aufgrund ihrer Bildung und Vorbilder keinen gegeben. "Sie hat sich seit ihrer Kindheit für Schwächere eingesetzt, sie war engagiert im Schutz von Frauen vor Gewalt", erinnert sich Irmgard P. Durch ihre berührenden Worte fand ihre verstorbene Schwester nun Gehör, die bislang nur als "zweites weibliches Opfer" bekannt war.

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