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Seelenheil: Welche Therapieformen helfen der menschlichen Psyche wirklich?

Psychiater oder Psychologe, Couch oder Coach: Es gibt viele Therapieformen, die einen aus der seelischen Sackgasse holen. Doch welche eignet sich wofür?


Seelenheil: Welche Therapieformen helfen der menschlichen Psyche wirklich?

Und zu wem gehen Sie? Psychologische Beratungen für alle Lebenslagen liegen im Trend. Und das nicht ohne Grund: Schließlich behaupten Studien, jede dritte Österreicherin schlittere einmal in ihrem Leben in eine psychische Krise. Während es den meisten gelingt, mithilfe von Familie und Freunden wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, vertrauen Schätzungen zufolge etwa 10 bis 15 Prozent auf professionelle Hilfe. Und die Palette angebotener Therapien ist mannigfaltig.

WOMAN erklärt gemeinsam mit den klinischen Psychologinnen Bernadette Winklbaur ( www.sucht-addiction.info ) und Margarete Zanki (Praxis-Info: Wien 19, Döblinger Hauptstraße 82, Tel.: 0699/140 82 741) vom Wiener AKH, was sich hinter den einzelnen Fachgebieten verbirgt und wie Sie die richtige Methode für sich finden.

Coaching
Die Methode: Paarcoaching, Ernährungscoaching, Berufscoaching, Traumcoaching – Möglichkeiten, sich "begleiten" zu lassen, gibt es viele. Nicht alles davon macht Sinn. Ganz streng genommen ist Coaching Beratung und Leithilfe für Menschen in Führungspositionen. Ein Coach hilft in Gesprächen und durch andere Techniken (wie z. B. Rollenspiele, Entspannungsübungen), eingefahrene Denkmuster abzulegen und neue Verhaltensweisen zu erproben. Selbst ein gutes Coaching ersetzt keine psychotherapeutische Methode.

Ideal für: Bei klar umrissenen Problemen, neuen Aufgabenstellungen (Berufswechsel). Finger weg bei schweren psychischen Problemen wie Depression oder Sucht.

Psychologische Beratung
Die Methode: Psychologische Beratung bietet sich als Unterstützung in den unterschiedlichsten Situationen an. Im Vordergrund steht immer das Gespräch mit dem Psychologen, dessen Ausbildungsrichtung großen Einfluss auf den Verlauf der Therapie nimmt. Mögliche Ziele sind Vorbeugung, Lösung, Klärung oder zumindest die Linderung von Lebensproblemen, von Krisen aller Art und inneren oder äußeren Konflikten wie Entscheidungsschwierigkeiten, Fragen zur Lebensänderung, berufliche oder familiäre Neuorientierung und vieles mehr.

Ideal für: Der Ratsuchende fühlt sich möglicherweise vor einer unüberwindbaren Hürde, sieht sich in einer Sackgasse oder fühlt sich überfordert oder ist orientierungslos.

Systemische Therapie
Die Methode: Diese Behandlungsform (zählt zur Psychotherapie) nimmt neben dem Einzelnen auch seine wichtigsten Bezugspersonen als komplexes System, das krank macht, unter die Lupe. Dieses funktioniert nur, weil sich der Klient auf eine bestimmte Art verhält: Ändert er sich, ändert er auch das System. Dauerkonflikte und Beziehungsproblematiken werden so aufgedeckt.

Ideal für: Alle, die häufig Probleme mit Mitmenschen haben, immer wieder an denselben Schwierigkeiten scheitern, aber gleichzeitig bereit sind, sich intensiv mit Familie, Partner oder anderen Bezugspersonen auseinanderzusetzen.

Analytische Psychotherapie
Die Methode: Bei der Psychotherapie sucht man nach dem Schlüssel für Probleme in Kindheit und Jugend. Die eigene Biografie wird aufgearbeitet, und man versucht, Verdrängtes, Vergessenes und Unbewusstes wieder ins Bewusstsein zu rufen - da diese "Altlasten" das heutige Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Übrigens: Die Couch von Dr. Freud kommt immer seltener zum Einsatz.

Ideal für: Mit dem Klassiker unter den Psychotherapien lassen sich psychische Störungen aller Art behandeln: Depressionen, Ängste, Traumata, psychosomatische Beschwerden wie z. B. Essstörungen. Für alle, die etwas über ihr Seelenleben erfahren wollen und zur Selbstanalyse bereit sind. Denn das kann dauern: Die Therapie erstreckt sich oft über Jahre.

Verhaltenstherapie
Die Methode: Man geht davon aus, dass psychische Probleme erlernt sind und man sie demzufolge auch wieder verlernen kann. Die mit den Ängsten verbundenen Gedanken und Gefühle werde peu à peu wieder abtrainiert, und zwar mit Entspannungsverfahren, mentalen Übungen und der direkten Konfrontation.

Ideal für: Alle, die in der Gegenwart ein Problem haben, das gelöst werden muss. Hier steht das aktive Handeln im Vordergrund. Besonders wirksam bei Zwangs-, Angsterkrankungen, Sucht und Phobien.

Gesprächstherapie
Die Methode: Die Hilfe suchende Person mit ihren jeweiligen Gefühlen, Wünschen, Wertvorstellungen und Zielen soll im Mittelpunkt der therapeutischen Interaktion stehen. Die Sichtweise des Therapeuten soll dabei weitgehend in den Hintergrund treten, Ratschläge und Bewertungen sind zu vermeiden (nicht direktives Verhalten). Eine der Besonderheiten der Methode liegt in der Rückmeldung der vom Klienten ausgedrückten emotionalen Themen durch den Therapeuten - ohne jede Verfälschung. "Also Sie fühen sich nicht akzeptiert..." Dadurch wird der Klient immer weiter in seine eigene Wahrnehmung geführt - oft bis zu den Antworten, die er im Alltag nicht auszusprechen wagt oder derer er sich nicht bewusst ist.

Ideal für: Menschen, die sehr viel über sich selbst reflektieren, offen sind und die zu einer mittelfristigen Lösung kommen wollen.

Psychiatrische Mediziner
Die Methode: Wesentlicher Unterschied zum Psychologen: Der Psychiater hat Medizin studiert und sieht psychische Probleme als Zusammenspiel von Erlebnissen und Störungen im Gehirnstoffwechsel. Der Experte behandelt mit kürzeren Gesprächen und der Verschreibung von Psychopharmaka. Die Behandlung wird von der Krankenkasse bezahlt.

Ideal für: Kommen zur seelischen Belastung Schlafstörungen, Nervenleiden, Angstzustände, Zwänge oder Wahrnehmungsveränderungen hin- zu, heißt es ab zum Psychiater. Vor allem bei schweren Störungen (z. B. Schizophrenie).