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Seitensprung - So gehst du damit um

Ein Seitensprung ist eine harte Beziehungsprobe. Welche Gründe gibt es für's externe Betthupferl – und wie sollen "Täter" und "Opfer" damit umgehen? Tipps von Expertin Elia Bragagna.

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Seitensprung - So gehst du damit um

Ein Seitensprung kann zum Knackpunkt für die Beziehung werden – aber auch zur Chance.

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Er hat schon so manch stabile Beziehung zerstört oder zumindest ins Wanken gebracht - der Seitensprung . Dabei werden oft Männer als die bösen Fremdgeher beschuldigt. Was ist dran an dem Vorurteil? Und kann sich ein Seitensprung eigentlich auch positiv auf die Beziehung auswirken? Diese und weitere Fragen beantwortet die Ärztin, Psycho- und Sexualtherapeutin Elia Bragagna. Außerdem erklärt Sie die häufigsten Gründe für das Fremdgehen und gibt hilfreiche Ratschläge für Betroffene.

Warum ist uns Treue wichtig?

Ein Seitensprung ist häufig keine schöne Sache. Er führt zu Tränen und Kummer auf Seiten des „Opfers“ und Schuldgefühlen und Reue auf Seiten des Fremdgehers. Dabei sollte Sex doch die schönste Nebensache der Welt sein.

Doch woher kommt überhaupt unser Treueanspruch? „Das Bedürfnis nach Treue ist biologisch bedingt.“, erklärt Elia Bragagna. „Beim Sex werden die Hormone Oxycotin und Vasopression ausgeschüttet, die als sogenannte Bindungshormone fungieren.“ Sie bewirken ein Zusammengehörigkeitsgefühl und verstärken so die Bindung zwischen den Partnern. „Dabei ist die Häufigkeit des Sexualkontaktes für die Paarbindung unwichtig, von Bedeutung ist nur, dass es überhaupt zum Akt kommt.“

Mögliche Gründe des Seitensprungs:

Monotonie in der Partnerschaft

Die Ursachen des Fremdgehens sind vielfältig und können von Beziehung zu Beziehung variieren. „Die Verschmelzungswünsche die man am Anfang einer Beziehung hat, können dazu führen, dass die Beziehung im Laufe ihrer Entwicklung immer enger und enger wird – oft zu eng“, so Bragagna. „Wenn die beiden Beziehungspartner aufhören, eigene Persönlichkeiten zu sein und nur noch als Paar existieren, so ist das sehr gefährlich.“

Nicht selten passt man sich dem Partner einfach zu sehr an, es werden eigene Hobbys und Freunde aufgegeben, bis man sämtliche Aktivitäten und Sozialkontakte mit dem Beziehungspartner gemeinsam hat. „Das stoppt die eigene Lebendigkeit und kann dazu führen, dass die Partnerschaft monoton und langweilig wird.“ Eine Folge kann dann der Seitensprung sein, weil man neue Abenteuer in einem fremden Bett sucht.

Bedürfnis nach Aufmerksamkeit

Gerade in längeren Beziehungen fehlt vielen Frauen oft die Bestätigung und Wertschätzung ihres Partners. „Sie fühlen sich zunehmend weniger geliebt und anziehend und suchen die fehlende Aufmerksamkeit womöglich in den Armen eines anderen Mannes.“

Denn das Klischee, dass Männer als die ewigen Fremdgeher abstempelt, stimmt nicht. „Studien in deutschen Großstädten zufolge, sind Frauen die häufigeren Fremdgeher. Zwar ist die Zahl der weiblichen Fremdgänger nicht wesentlich – aber doch höher.“

Irritationsfaktor Kinder

Ein weiterer möglicher Störfaktor einer Beziehung können Kinder sein. „So sehr wir sie auch lieben: Sie können eine Partnerschaft oftmals ganz schön irritieren.“ Wenn es selbstverständlich ist, dass die Kinder abends einfach so ins elterliche Schlafzimmer stürmen oder gar regelmäßig im Bett der Eltern schlafen, dann müssen häufig Mama und Papa als Paar und vor allem der Sex zurückstehen.

„Viele Paare berichten, dass der Sex erst dran kommt, wenn alle anderen Alltagserledigungen gemacht sind. Doch wann passiert das schon?“ so Elia Bragagna. Und wenn Zuhause kein Platz mehr die Sexualität mit dem Partner ist, dann holt man sie sich den Kick vielleicht wo anders.

Wie soll sich der Fremdgeher verhalten?

Zuerst einmal sollte man mit sich selbst ehrlich sein und sich nach dem Grund des Seitensprunges und seiner Relevanz fragen. Wenn er für einen selbst eigentlich total irrelevant war und nichts mit der Beziehung an sich zu tun hat, sollte man vielleicht besser darüber schweigen.

Bragana: „Das kommt auf das Abkommen zwischen den beiden Beziehungspartnern an. In jeder Beziehung gibt es dieses Abkommen, ob nun einmal tatsächlich konkret ausgesprochen oder auch nicht. Und je nach Abkommen ist es besser über das Vorgefallene zu reden oder zu schweigen.“

Ist der Seitensprung aber auf ein konkretes Problem in der Beziehung zurückzuführen sollte man unbedingt mit dem Partner darüber reden und mit ihm gemeinsam daran arbeiten – alleine oder in einer Paartherapie.

Und was, wenn man selbst die Betrogene ist?

Hier gelten die gleichen Grundsätze. Wichtig sind die Beweggründe des Fremdgehens und die Relevanz des Seitensprungs. Frau muss selbst entscheiden, wie viel ihr an der Beziehung liegt und was diese ihr Wert ist.

"Ein Seitensprung kann durchaus eine Chance für eine Partnerschaft darstellen, wenn dadurch reflektiert wird, an welchen Ecken und Kanten der Beziehung noch gefeilt werden muss.", gibt Elia Bragagna zu denken.
Das kann jedoch nur passieren, wenn beide Partner bereit sind, wieder aufeinander zu zugehen und den Mut haben, offen und ehrlich miteinander zu sein.

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