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Zu wenig Liebe? Mach was!

Selbstliebe plus Fremdliebe ist gleich Gesamtliebe. Und die reicht bei vielen Menschen nicht aus für ein glückliches Leben. Am einfachsten ist es, sich selbst mehr zu lieben, rät der Coach und Buchautor Eugen Prehsler sehr plausibel. Doch wie macht man das? Wir haben mit ihm gesprochen.

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Selbstliebe für Anfänger - bist du unterliebt?

So lernst du, dich selbst zu lieben!

© istockphoto.com

Er ist Vater von vier Kindern, Unternehmensberater, Trainer und Coach. Und er hat zwei herausragende Qualitäten: guten Humor und viel Wissen über das Thema der Stunde: Selbstliebe. In seinem großartigen ersten Buch "Bist du unterliebt? Selbstliebe für Anfänger" - Nachwort von Roland Düringer - bringt Eugen Prehsler die beiden Attribute zusammen. Und seine Argumente für die Selbstliebe überzeugen: "Du frisst und säufst weniger, deine Ängste und Aggressionen verschwinden, und du siehst seltener auf deinem Handy nach, ob jemand an dich denkt!" und: "Dein Herdentrieb nimmt ab, und du hast die Chance auf einen eigenen Willen." Warum Selbstliebe für ein freies, glückliches Leben unabdingbar ist und wie man sich aus der "Unterliebtheit" herauskatapultieren kann, fasst der Wiener für uns im Talk zusammen.

»Dann geht's Ihnen einfach Oasch!«

WOMAN: Es tönt ja schon von allen Seiten: Du musst dich selbst mehr lieben.. .
Eugen Prehsler: Ich kann es auch nicht mehr hören, liebe Frau Berger. Deshalb hab ich ja das Buch geschrieben. Schreiben und Lesen ist leiser, als darüber reden. Aber niemand muss sich lieben. Ich sag das sicher nicht. Man kann sein Leben auch mit Arbeiten und Fernsehen runterbiegen. Doch es wär' den Versuch wert, es mit Selbstliebe zu probieren.

WOMAN: Ist zu wenig Selbstliebe ein Phänomen unserer Zeit?
Prehsler: Nein. Unterliebe begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Ein Phänomen unserer Zeit ist aber, dass wir uns dem Thema derart intensiv widmen. Find' ich großartig.

»Wir machen viele Trotteleien, um von anderen gemocht, geliebt, zu werden.«

WOMAN: Sie haben eine spannende Formel aufgestellt. Die "Gesamtliebe", die ein Mensch bekommt, setzt sich aus Selbstliebe und Fremdliebe zusammen. Lg=Ls+Lf. Wenn ich nicht genug Fremdliebe habe, liebe ich mich einfach selbst umso mehr? Und umgekehrt?
Prehsler: Umgekehrt ist es nicht so ideal. Es kann schon funktionieren, Sie werden halt nur abhängig von der Fremdliebe und müssen um die ständig buhlen. Wir machen viele Trotteleien, um von anderen gemocht, geliebt, zu werden. Wenn das für jemanden okay ist, warum nicht? Ich möchte aber auch sagen, dass es in einer Beziehung zum Beispiel ein bisschen unfair und gefährlich ist, vom Partner zu verlangen: "Liebe wenigstens du mich!" Das ist ähnlich kritisch wie: "Mach mich glücklich!" Mach dich doch selber glücklich.

WOMAN: Das Glück von anderen zu erwarten, ist aber ein verbreiteter Ansatz...
Prehsler: Ja, ich kenne auch einige Menschen persönlich, die so denken und so leben. Die gehen mir ziemlich auf den Geist. Die nerven ihre Umgebung gewaltig. Sie saugen sie aus. Eltern, die ihre Kinder in Dankbarkeitsgeiselhaft nehmen. Da müssen die Kinder bis ins eigene hohe Alter immer für Mutti und Vati da sein. Oder Partner eben, die am Auftrag scheitern, den anderen ständig lieben zu müssen.

Eugen Prehsler
Coach und Autor Eugen Prehsler erklärt, wie man sich selbst lieben lern

WOMAN: Wenn ich aber nicht auf ein ausreichendes Maß an Gesamtliebe komme, also unterliebt bin, was ist dann?
Prehsler: Dann geht's Ihnen einfach oasch. Sie können das Leben in seiner faszinierenden, begeisternden Schönheit nicht leben. Sie nerven mit Ihrer Liebessucht. Sich und die Umwelt. Sucht ist überhaupt ein Symptom der Unterliebe. Jede Form von Sucht. Drogen, Arbeit, Shoppen, Facebook: "Bitte, bitte hab mich lieb!" kann man zu einem guten Wein sagen, zum neuen Kleid, zu seinen Facebook-Freunden. Und wenigstens in der Arbeit bist wer, bist wichtig! Wenn daheim schon keiner wartet. Angst ist auch ein ganz wichtiges Symptom der Unterliebe. Und Aggression. Andere erniedrigen, sich für etwas Besseres halten.

WOMAN: Unterliebte können ja auch nicht wirklich auf einen selbstbewussten Partner hoffen, denn sie ziehen wieder Unterliebte an. Keine glückliche Verbindung, sagen Sie.
Prehsler: Ja, das sag ich. Hat aber auch einen Vorteil in unserer Gesellschaft: das Angebot an potenziellen Partnern ist ziemlich groß. Die meisten Partnerschaften sind ja sowieso keine Liebesbeziehungen, sondern therapeutische Seilschaften. Unterliebe-Beziehungen. Das kann trotzdem gutgehen. Man/frau kann sich ja gemeinsam in die Liebe hineinentwickeln. Ich kenne aber nicht viele, die das wirklich geschafft haben.

WOMAN: Gut, dann hilft wirklich nur mehr, sich vor den Spiegel zu stellen und sich selbst zu sagen, wie toll man ist. "Aloha! Du bist das Leben, du bist die Liebe, du bist der Sinn!", soll man sich laut Ihrem Buch sagen. Kann einem das nicht auch ein bisschen peinlich sein?
Prehsler: Ja, kann es. Für die meisten von uns. Das haben wir ja gelernt. Genau das sollten wir aber wieder entlernen. Halten Sie es für besser, wenn Sie sich ständig vorm Spiegel niedermachen und sich selbst vorhalten, dass Sie schon wieder ein halbes Kilo zugenommen haben, die Orangenhaut auch schon mehr wird, ein neues Fältchen im Gesicht da ist und ein Wimmerl am Po? Lernen Sie um. Das geht nicht von heute auf morgen. Üben Sie sechs Wochen lang. Und dann geht es Ihnen damit gut, verdammt gut.

Selbstliebe für Anfänger - bist du unterliebt?

WOMAN: Und seine guten Eigenschaften aufschreiben soll man ja auch...
Prehsler: Zuerst eine Gegenfrage: Dürfen Sie sich schon selbst lieben? Haben Sie sich das erlaubt? Oder glauben Sie noch immer, dass Sie minderwertig, nutzlos, nicht liebenswert sind, wie Ihnen möglicherweise Ihr Leben lang gesagt wurde? Wenn Sie noch vor dem großen Selbstliebe-Verbotstaferl stehen, brauchen Sie keinen einzigen Tipp. Er wird nämlich nicht funktionieren. Wenn Sie sich schon für die Selbstliebe und die Liebe generell entschieden haben, dann wissen Sie doch eh schon, was Sie tun können. Machen Sie's einfach. Und ein paar neue Möglichkeiten finden Sie in meinem Buch.

»Nach vier Wochen haben Sie mindestens 43 Gründe, warum Sie liebenswert sind. Da ist es dann nicht mehr so peinlich, sich selbst im Spiegel anzulächeln.«

WOMAN: Und wenn ich's mir erlaube?
Prehsler: Dann versuchen Sie die Liebenswert-Übung. Schreiben Sie fünf Eigenschaften oder Dinge auf - am besten Eigenschaftswörter -, die Sie Ihrer Meinung nach liebenswert machen. Dann die nächsten fünf. Dann nehmen Sie den Zettel und schreiben alles auf, was Ihnen in den nächsten Tagen oder Wochen zusätzlich einfällt oder was Ihnen andere sagen. Nach vier Wochen haben Sie mindestens 43 Gründe, warum Sie liebenswert sind. Da ist es dann nicht mehr so peinlich, sich selbst im Spiegel anzulächeln. Sie haben ja 43 gute Gründe. Das funktioniert super. Nur die meisten schaffen es nicht, die Peinlichkeitshürde zu überwinden. Die bleiben in der Selbstvernichtungshaltung stecken. Und machen diese Übung kein zweites Mal.

WOMAN: Wie müssten Menschen aufwachsen, damit sie später das richtige Maß an Selbstliebe besitzen?
Prehsler: Ich soll eine der größten Fragen der Menschheit in wenigen Worten auf den Punkt bringen? Aber ich will eine Teilantwort geben. Bezogen auf die wichtigsten Menschen, die so ein kleiner Erdenwurm in seinem Umfeld hat. Die Eltern. Ich habe es mir als Vater leicht gemacht. Ich habe meine Kinder bedingungslos geliebt und sie ans Leben herangeführt. Bedingungsloses Lieben geht gar nicht so schwer und hat mir Enttäuschungen erspart. Und das Leben ist ein großartiger Lehrmeister, Inspirateur und Energiegeber. Als Eltern müssen wir die Kinder nur ans Leben heranlassen.

WOMAN: Viele werden aber auch noch immer zu sogenannter Bescheidenheit erzogen, zum "Sich-Zurücknehmen"!
Prehsler: Wir wurden auch dazu erzogen, dass das Wichtigste ein sicherer Job ist und Wirtschaftswachstum sein muss. Wir wurden auch dazu erzogen, nicht aufzufallen. Deshalb fallen ja auch manche von uns dann um. Weil sie nie auffallen. Weil sie sich bis in die Depression zurücknehmen. Bescheidenheit und Zurücknehmen halte ich für ganz böse Menschenunterdrücker. Probieren Sie sich lieber in Ihrer Unbescheidenheit aus, und schauen Sie, wie weit Sie damit kommen! Bescheiden! Wie das schon klingt!

In seinem Buch "Bist du unterliebt? Selbstliebe für Anfänger" spricht der Autor Eugen Prehsler die Leser mit viel Humor an. Erhältlich bei edition a für Euro 19,95!

Bist du unterliebt? Selbstliebe für Anfänger von Eugen Prehsler

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