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Frauen in der Wirtschaft und Corona: Selbstständige Frauen berichten von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus

Die Corona-Bestimmungen treffen vor allem Selbstständige mit voller Wucht. Wir haben vier Frauen in der Wirtschaft gefragt, wie sie damit umgehen.

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Frauen in der Wirtschaft und Corona: Selbstständige Frauen berichten von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus
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Viele Menschen sind von den aktuellen Maßnahmen beruflich schwer betroffen. Größere Veranstaltungen wurden abgesagt. Restaurants, Bars und Geschäfte haben geschlossen. Auch, wenn die Nicht-Verbreitung des Virus und die Gesundheit der Menschen im Vordergrund steht – "die Wirtschaft", das ist auch deine Freundin, die selbständige Yogalehrerin, die kleine Kaffeebar, wo du dir deinen morgendlichen Kaffee besorgst und eben jene Menschen, die dein Gehalt zahlen...

Wir haben selbstständige Frauen aus verschiedenen Branchen gefragt, welche wirtschaftlichen Folgen sie aufgrund des Coronavirus befürchten und ob sie als Selbstständige (Existenz)-Ängste plagen. Welche Maßnahmen treffen sie und wie sehen sie in die nahe Zukunft?

Karin Teigl von Constantly K – Bloggerin, Moderatorin, Influencerin

"Ich sehe hier besonders schlimme Folgen in der Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsbranche. Die Menschen haben Angst und aufgrund der in Kraft getretenen regierungsbedingten Einschränkungen, sind Firmen in genannten Branchen die Hände gebunden. Langfristig gesehen betrifft dies natürlich auch mich – mein Kernmarkt befindet sich in der DACH-Region, jedoch haben die meisten Unternehmen den Hauptfirmensitz oder Produktionsstätten über den Erdball verteilt zum Beispiel auch in China, wo es bereits zu Lieferengpässen kommt. Ich bin jedoch überzeugt, dass Influencer-Marketing trotzdem weiterhin relevant bleiben wird, da gerade durch Ausgangssperren & Co E-Commerce zunehmend an Wichtigkeit gewinnt. Ich bin ja neben meinem Beruf als "Influencerin" auch ausgebildete Moderatorin, in diesem Bereich merke ich den Auftragsrückgang aufgrund der Absagen von Großveranstaltungen verstärkt.

Eigentlich wäre ich in Summe (ohne zu übertreiben) in den nächsten Wochen drei Tage am Stück zu Hause gewesen. Da der Großteil der Großveranstaltungen abgesagt wurde, kann ich den ganzen Monat nicht verreisen. Da ich mit den meisten Kunden langfristig arbeite, findet man hier Lösungen, die Maßnahmen sind jedoch auf jeden Fall auch für mich spürbar. Besonders hart trifft die Influencer-Welt auch die Verschiebung des Coachella-Festivals, da s sowohl für Kunden als auch Kolleginnen aus der Branche ein harter Schlag ist. Nichtsdestotrotz befürworte ich die Entscheidung der Veranstalter und Kunden. Die allgemeine Sicherheit, besonders was ältere Menschen betrifft, hat hier auf jeden Fall Priorität."

Daniela Luschin-Wangail, Reiseveranstalterin

"Ich bin Reiseveranstalterin mit Schwerpunkt auf Reisen in asiatische Länder, von denen derzeit so gut wie alle betroffen sind. Jänner bis April sind für die Hauptsaison im Sommer die buchungsstärksten Monate, in denen wir ungefähr 80 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaften. Während der Jänner noch ganz gut angefangen hat, spüren wir seit Februar einen deutlichen und seit März einen massiven Rückgang und haben oft über eine Woche keine einzige Buchung. Ein paar ganz Mutige trauen sich noch anzufragen (aber nicht zu buchen), die meisten aber warten zu. Verständlicherweise, ich persönlich würde jetzt auch nicht verreisen und abwarten, weil man ja nicht weiß, wie sich das alles entwickelt, welche Länder als nächstes betroffen sind und ob man – wenn man überhaupt in ein Land reinkommt – dann auch wieder rauskommt.

Ich werfe hier niemandem Panik vor, es wäre jetzt auch nicht vernünftig, kurzfristig eine Reise zu buchen. Wir wissen alle nicht, wie es sich entwickelt. Aus rechtlicher Sicht sind aber zumindest die KundInnen gut abgesichert, denn wir als ReiseveranstalterInnen stehen ohnedies in der Pflicht, den Gästen bei aufrechter Reisewarnung oder bei Einreisebeschränkungen alles zu refundieren. Doch wir bleiben da auf der Strecke, denn an uns denkt hier niemand, daran dass auch wir überleben müssen und es noch schaffen müssen uns selbst über Wasser zu halten. Ich kann aber auch hier niemandem einen Vorwurf machen – that’s life –, so gut wie jeder Job kommt mit gewissen Risiken. Hätte ich einen sicheren Job haben wollen, dann hätte ich Bestatterin werden müssen. Kriege, politische Unruhen, Naturkatastrophen sind unsere ständigen BegleiterInnen. Wir haben einen wunderbaren Job, aber solche gibt es leider auch nicht ohne Nebenwirkungen. So gesehen versuche ich gelassen zu bleiben, was angesichts meiner Umstände als Mutter von drei Kindern zwischen 4 und 13 Jahren nicht immer leicht ist. Auch der Vater der Kinder arbeitet mit mir gemeinsam, also kann ich mich hier nicht darauf verlassen, dass ja noch wer anderer etwas an notwendigen Geldmitteln miteinbringt.

»Mich lassen derzeit massive Existenzängste von morgens bis abends nicht los und begleiten mich selbst in den Schlaf hinein.«

Mich lassen derzeit massive Existenzängste von morgens bis abends nicht los und begleiten mich selbst in den Schlaf hinein. Aber ich atme immer wieder bewusst durch und erinnere mich an vergangene harte Zeiten – von denen ich schon einige hatte – und daran, dass es nach jedem Talgang auch wieder einen Aufstieg gab. Und daran, dass Krisen in meinem Leben auch immer Türen zu neuen Wegen geöffnet haben. Das hält mich momentan über Wasser. Und dass ich da irgendwie durch muss, Lösungen finden muss, weil es nicht nur um mich sondern vor allem auch um meine Kinder geht.

Ich bin auf der Suche nach anderen Einkommensmöglichkeiten und bin da auch sehr offensiv. Es ist mir egal wie, aber es muss Geld reinkommen, um diese Zeit überbrücken zu können. Da bin ich mir auch nicht zu schade für simple, stupide Tätigkeiten, biete mich derzeit für so gut wie alles, das Geld einbringt, an. Daten eintippseln, Broschüren falten und in Kuverts einsackeln. Ich setze gerade massiv auf meine Fähigkeiten als Organisatorin und Logistikerin und mein kreatives Können als Schriftstellerin und (nicht ausgebildete) Illustratorin. Wenn ich in dem Bereich etwas finden würde, würde ich es sogar als Bereicherung sehen und mich darüber freuen, dass ich auch mal was anderes machen darf, das mir Freude bereitet und gleichzeitig etwas Geld einbringt.

Ein Überbrückungskredit wäre der allerletzte Ausweg, denn hier bin ich einfach zu pragmatisch und muss auch bedenken, dass – wenn er Spuk mal vorbei ist – ich auch entsprechend viel erwirtschaften muss, um die laufenden Kosten als auch die Kreditraten zurückzahlen zu können. Auch in guten Zeiten bin ich nie in Geld geschwommen, ein ganz passabel gutes Leben konnte ich mir leisten, aber allzu viel war da auch nie drinnen. Somit bleibt ein Kredit wirklich nur als Letztes."

Katharina Strassl, Top-Stylistin und Friseursalon-Besitzerin

"Da wir ja als FriseurInnen kein Home Office machen können, wäre das erste große Problem, wenn Schulen und Kindergärten schließen, unsere Mütter deswegen zuhause bleiben müssen und im Betrieb ausfallen. Hier rechnen wir natürlich mit massiven Umsatzeinbußen, da wir die gewohnte Kundenkapazität nicht mehr in vollem Umfang bedienen können. Das nächste Problem würde dann eintreffen, wenn wir einen positiven Coronafall im Team haben und unser Betrieb komplett unter Quarantäne gestellt würde. Hier liegen unsere Hoffnungen bei den im Seuchenschutzgesetz vorgesehenen staatlichen Ausfallszahlungen, da wir keine 14 Tage ohne Einnahmen überleben könnten. Bei über 55 Prozent Personalkosten ist das sonst nicht zu stemmen.

Ansonsten gibt es wohl kaum ein anderes Gewerbe, bei dem ohnehin so viel Hände gewaschen wird, wie bei uns. Desinfektionsmittel stehen für KundInnen und MitarbeiterInnen aber dennoch zu Verfügung. Wir müssen uns derzeit schon mit Handschuhen eindecken, da bei unseren Zuflieferfirmen schon teilweise große Engpässe bestehen. Auch Einwegmäntel und manche Haarfärbemittel werden knapp."

Viola Bachmayr-Heyda, Konditorin und Betreiberin der Patisserie Viola

"Da die strengeren Maßnahmen erst seit wenigen Tagen gelten, merken wir im Café zurzeit noch keinen großen Unterschied. Aber es ist immer so, dass es unter der Woche ruhiger ist als am Wochenende. Da findet nämlich der Brunch statt, der sehr beliebt und gut besucht ist. Dementsprechend haben wir auf ein Flying Buffet umgestellt. So müssen unsere Gäste nicht dicht am Buffet stehen und selbst schöpfen. Und alle Speisen bleiben bei uns in der Küche und wandern von dort direkt auf den Tisch der Essenden.

Im Endeffekt gilt: Wir schauen, was in nächster Zeit auf uns zukommt. Wir wollen auf keinen Fall Panik verbreiten und das Lokal schließen, obwohl noch Gäste kommen. Uns gibt es ja auch noch nicht so lang und wir kennen deshalb die Abfolge zwischen sehr ruhigen und stressigen Tagen gut. Jetzt ist nur die Frage, ob es langfristig nicht nur bei den ruhigen Tagen bleibt."