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Überleben mit 1,15 Euro am Tag?

Die Redakteurinnen Melanie Zingl und Katharina Domiter beteiligten sich an der weltweiten Kampagne "Live Below the Line" und lebten von € 1,15 am Tag. Lese hier, wie es den beiden dabei ergangen ist …

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  • Tag 1: Das Mittagessen ist bescheiden – Nudeln mit Gemüse. (Lecker, aber wenig!). Der Magen knurrt ...

    Bild 1 von 7 © Privat
  • Tag 1: Gemein, wenn man gleich am ersten Tag des Projekts zu einer Feier eingeladen ist. Für zwei Gläser Bowle, einen Burrito und eine Handvoll Partysnacks übernimmt Melanie das Aufräumen - AUSGABEN DER ZWEI: € 1,78

    Bild 2 von 7 © Privat

Ben Affeck macht auf arm und will fünf Tage lang von 1,50 Dollar am Tag leben. So die Schlagzeile einer amerikanischen Nachrichten-Agentur. Gemeinsam mit über 20.000 anderen Menschen beteiligt er sich damit am Anti-Armuts-Projekt "Live Below the Line" . Die weltweite Kampagne ruft jährlich dazu auf, fünf Tage lang mit lediglich 1,50 Dollar auszukommen, um Bewusstsein zu schaffen. Schließlich haben rund 1,4 Milliarden der Erdbevölkerung täglich nicht mehr als diese kleine Summe zur Verfügung. Das sind umgerechnet 1,15 Euro.
Während Melanie und Kathi die Meldung lesen, stehen neben ihnen gerade zwei große Becher Kaffee vom Bäcker ums Eck. Müsli und Frühstücks-Croissants haben sie bereits verspeist. Macht in Summe bereits über acht Euro aus. Und es ist noch nicht einmal Mittag. Schwer vorstellbar, eine Woche lang von gerade einmal einem Achtel an Geld zu leben. Ist das überhaupt machbar? Die beiden beschließen: Die Herausforderung nehmen sie an! Und wollen sehen, wie viel Disziplin die fünf Tage ihnen tatsächlich abverlangen werden. Insgesamt dürfen sie zusammen in den nächsten fünf Tagen nicht mehr als € 11,50 für Essen und Trinken ausgeben. Nach der ersten Durchsicht der Einkaufsprospekte ist klar: Durchhaltevermögen ist gefragt! Naschereien werden die nächste Zeit rigoros vom Speiseplan gestrichen. Eine Tafel Schokolade kommt immerhin schon auf mehr als die Hälfte des Tagesbudgets. Essen im Restaurant ist ab sofort auch nicht mehr drin. Und der morgendliche Café Latte muss ebenfalls ausfallen.

Nur nicht schwach werden.

Tag eins starten die Redakteurinnen mit einem Besuch beim Diskonter. Was geht sich um das bisschen Geld eigentlich alles aus? Doch schon der Weg zum Supermarkt ist eine Challenge – vorbei an Imbissbuden, quer über den Wochenmarkt, an der Ecke gönnen sich ein paar Leute ein Eis. Wie soll man da stark bleiben? Auch in den nächsten Tagen sehen sich die Redakteurinnen mit vielen Verlockungen konfrontiert. Und beweisen Kreativität, denn wer täglich nur € 1,15 im Börsel hat, muss sich überlegen, wie er durch den Tag kommt. Von Aufräumarbeiten, Autowaschen bis hin zur Charmeoffensive am Wiener Naschmarkt – Melanie und Kathi haben sich ihr tägliches Brot hart verdient. Und gleichzeitig die kleinen Dinge des Alltags wieder zu schätzen gelernt.

Nicht selbstverständlich.

Wie gut ein Schokoladenriegel zwischendurch schmecken kann, vergessen wir schnell, wenn wir unbedacht in uns hineinvöllern. In einer Welt voll Überfluss haben wir vergessen, was es heißt, dankbar zu sein. Dafür, wie gut es uns geht. Und dafür, dass wir uns keine Gedanken machen müssen, ob wir am nächsten Tag etwas zu Essen haben.

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wenn man es freiwillig zum "Spaß" macht, ist es ja ganz lustig, mal eine Woche oder so... - ich muss oft genug mit 2 Euro für mich und meine beiden Kinder einkaufen gehen, da ist das dann nicht mehr so lustig und ich geh mal davon aus, dass es, zur Schande dieses Landes, genug Mütter gibt, die "viel Fantasie beim Kochen brauchen", um ihre Lieben mit fast Nichts durch zu füttern.