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Selfie Surgery: Wie jung ist zu jung?

Schönheits-Chirurgen warnen vor dem Trend zur "Selfie-Surgery". Immer mehr junge Mädchen wollen eine Beauty-OP, um auf ihren Instagram-Accounts zu punkten.

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Selfie Surgery: Wie jung ist zu jung?

Kylie Jenner und ihre Freundin "Gigi Gorgeous"

© Instagram/Kylie Jenner

Kylie Jenner ist mit 18 Jahren der jüngste Spross der Kardashian-Jenner-Dynastie, jener Familie, die es dank Reality-TV zu weltweiter Berühmtheit gelangte. Ihr Leben? Natürlich anders als das durchschnittlicher Teenager.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist Miss Jenner ein Vorbild für abertausende junge Mädchen weltweit. 37,2 Millionen Fans zählt ihr Instagram-Account, das Gros sind kleine Mädchen, die jedes Selfie der brünetten Beauty virtuell beklatschen.

Dieses neue Vorbild der Jugend nun gab der angesehenen New York Times nun ein Interview, in dem sie die Arbeit ihres Schönheits-Chirurgen über den grünen Klee lobte. Genauer gesagt: Seine Fähigkeit, ihre Lippen mit Fillern auf Schlauchboot-Größe zu polstern.

"Dr. Simon Ourian ist ein Genie," flötet die Neo-Designerin, "Ich war davor schon bei anderen Beauty-Docs in Beverly Hills – aber sie haben es immer übertrieben. Aber er schafft es, dass meine Lippen toootal super-natural aussehen!"

Nun ist es nichts verblüffendes, dass sich Stars und Sternchen im Showbiz chirurgisch optimieren lassen. Selten wäre das – außer es geht dramatisch schief – eine Headline wert. Aber Fräulein Jenner ist soeben erst 18 Jahre alt geworden.

Man könnte dies nun als Spleen eines Hollywood-Teens abtun. Aber Kylie Jenner stellt nicht die Ausnahme unter den 18-Jährigen, sie ist die Regel. Eine Umfrage der Amerikanischen Akademie für plastische Chirurgie (AAFPRS) ergab, dass das Einstiegsalter für den Erstbesuch beim Schönheits-Chirurgen in den USA bei 17 Jahren liegt.

Selfie Surgery: Nasenkorrekturen und Augenlid-Liftings boomen

Edward Farrior, Präsident der AAFPRS: "Wir bemerken, dass durch die Selfie-Kultur in Social Networks wie Instagram, Snapchat oder Facebook eine komplette Änderung der Zielgruppe mit sich bringt." Die jungen Patientinnen fühlten sich durch die Fotos anderer Userinnen oder sogenannter Instagram-Stars immer unzulänglicher. "Sie sezieren ihre eigenen Bilder, betrachten sie fast unter dem Mikroskop. Plötzlich finden sie ihre Nase zu breit oder den Schnitt ihrer Augen hässlich."

Seit 2013 sei ein Anstieg von zehn Prozent an Nasenkorrekturen bei jungen Mädchen zu verzeichnen. Auch die Nachfrage nach Lifting der Augenlider hätte sich um sechs Prozent erhöht. In der Branche, so Farrior, spreche man bereits von #SelfieSurgery .

Doch der Trend betrifft nicht allein die – Schönheits-OPs gegenüber prinzipiell aufgeschlossenere – USA. Im britischen Telegraph berichtet der prominente Beauty-Doc Dr. Alex Karidis über die Auswirkungen von Social Media auf den Wunsch nach chirurgischer Selbstoptimierung. "Für die meisten jungen Mädchen ist Instagram ein entscheidender Teil ihres Lebens. Sie wollen alles dokumentieren – und perfekt aussehen, während sie dies tun."

Die 16- bis 18-Jährigen stellten die erste Generation, die mit den Stories über Promis und deren Botox- und Filler-Eskapaden aufgewachsen sind und die Schönheits-OPs als etwas völlig akzeptables und normales erachten. "Wenn sie glattere Haut oder vollere Lippen haben wollen, dann gehen sie davon aus, dass sie das auch haben können. Und sie sehen keinen Grund, warum sie auch nur ein Jahr damit warten sollten...."

Auch die British Association of Aesthetic Plastic Surgeons (BAAPS) warnt, dass immer mehr junge Mädchen wegen chirurgischer Eingriffe vorstellig würde. "Aber in diesem Alter," so BAAPS-Präsident Michael Cadier, "sind die meisten Menschen noch unsicher und unreif. Sie wollen ihr Gesicht oder ihren Körper verändern, weil sie manchmal selbst noch nicht ganz sicher wissen, wer sie sind und sein wollen. Es ist natürlich einfacher, das Äußere statt des Inneren zu optimieren." Ein paar Jahre später könnten die Jugendlichen den Eingriff dann bereuen.

In Österreich verbietet die Gesetzeslage spontane Selfie Surgery bei Jugendlichen. Bei 16- bis 18-Jährigen dürfen Schönheitsoperationen nur durchgeführt werden, wenn eine psychologische Beratung erfolgt ist, die Einwilligung durch die Erziehungsberechtigten und die jene durch den Patienten vorliegt sowie eine Wartefrist von acht Wochen zwischen Einwilligung und Operation eingehalten wurde. Für unter 16-Jährige sind Eingriffe ohne medizinische Indikation aufgrund der damit verbundenen Gefahren für den noch im Wachstum begriffenen Körper komplett verboten.

Einen seriösen Chirurgen erkennt man also auch daran, dass er bereit ist, einen Eingriff bei Jugendlichen abzulehnen.