Ressort
Du befindest dich hier:

Buch überträgt Gefühle der Figur

Bücher erzeugen Emotionen. Aber dass sie jene der Hauptfigur auf den Leser übertragen, ist neu. "Sensory Fiction" nennt sich ein neues Projekt des MIT Media Lab.

von

Buch überträgt Gefühle der Figur

Und plötzlich spürst du, was der Buch-Charakter fühlt...

© Thinkstock

Stell' dir vor, du liest ein Buch – und kannst dir nicht mehr nur VORSTELLEN, wie die Hauptfigur sich fühlt, sondern ERLEBST alle ihre Emotionen hautnah mit. Im wahrsten Sinne des Sinnes.

Möglich macht dies ein neues Projekt des amerikanischen MIT Media Lab, das unter dem Namen "Sensory Fiction" gestartet wurde. Die Forscher und Techniker entwickelten dafür einn Prototypen, bestehend aus einem mit Sensoren überzogenen Buch und einer damit verbundenen Weste, welche der Leser beim Schmökern überzieht.

Wearable Technology: Erlebe das Buch

Im Laufe der Geschichte produziert das Buch Empfindungen, die jenen des Charakters gleichen. Ist die Hauptfigur verängstigt, blähen sich Lufttaschen in der Weste auf. Der Leser empfindet ein ähnlich beklemmendes Gefühl in der Brust wie der Buch-Protagonist. Bei Aufregung vibriert das Kleidungsstück; ist die Figur peinlich berührt, erwärmt sich die Weste und dem Leser steigt die Röte ins Gesicht.

Noch wilder wird es in traurigen Momenten. Dann verändern 100 winzige LED-Lämpchen auf dem Buchumschlag Farbe und Lichtstärke, womit automatisch auch die Stimmung des Lesers umschlagen soll.

Für den Prototypen von "Sensory Fiction" nahmen die Wissenschaftler James Tiptrees Novelle "The Girl Who Was Plugged In" als Vorlage. Die Science Fiction-Geschichte spielt in einer Zukunft, in der alles und jeder von den Interessen großer Unternehmen gesteuert wird. Werbung ist verboten – stattdessen werden Menschen zu lebenden Product Placements umfunktioniert.

Während für die MIT-Forscher Felix Heibeck, Alexis Hope und Julie Legault "Wearable Technology" (also Kleidung, die dank Chips oder Sensoren spezielle Informationen über und für den Träger auswertet und übermittelt) "die Zukunft gehört", kritisiert der Science Fiction-Autor Adam Roberts das Projekt: "Es ist ein wenig so, als würde man zu diesen Büchern zurückkehren, die wir für Kleinkinder kaufen - jene mit Knöpfen, die auf Druck passende Soundeffekte erzeugen."

Thema: Internet-Hype

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .