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Unkäuflich aufs Divinste

Finanzielle Unpässlichkeiten kommen vor – auch bei einer Göttin wie Erotik-Kolumnistin Anna Dichen. Trotzdem: Ihre Liebe ist nicht käuflich. Never ever. Hier ihr Bericht.

von

Reicher Mann und Frau

Ist Liebe käuflich? Nicht bei einer Göttin!

© Thinkstock

Finanzielle Unpässlichkeiten kommen auch bei der feinsten und unabhängigsten divinen Lady in den Höhen des Olymps vor: Ein genussreiches Leben hat nun mal seinen Preis.

Dieses Wissen möchte sich ein wohlhabender Mann taktisch zunutze machen: Er führt die Göttin regelmäßig auf Champagner und Austern und sonstige kulinarische Finessen aus. Becirct sie, materiell und derart immateriell, wie es ihm zu Anfang spielerisch noch möglich ist. Prahlt mit vermeintlichen Heldentaten aus der Vergangenheit (verdächtig!). Und frohlockt mit Worten wie: „Du musst dir bei mir keine finanziellen Sorgen machen, Schöne, und ich enge dich nie ein.“ – Verzückend und beruhigend klingt das – gerade in finanziellen Un-Zeiten wie diesen.

„Glaube zuerst – und dann vertraue“, ist mein Motto. Ein Schauspiel fliegt so und so irgendwann mal auf. Das weiß ich. Angst in der Anfangs-Kennenlern-Phase kenne ich also kaum.

Nach ein paar Wochen romantischer Dates wird es wohl brenzlig für den männlichen Akteur. Weshalb er die Romanze durch pekuniäre Anreize vorantreiben will: Nach Südfrankreich solle ich ihn begleiten, für einen ganzen Monat. In die High Society will er mich einführen, Prominenten vorstellen... (für mich noch nie von hohem Interesse). "Standesgemäß" einkleiden wolle er mich (Beisatz: Fünf Kilo solle ich aber vorab verlieren). Sogar eine Hochzeit hängt im Raum und damit vor meiner Nase.

Und plötzlich wird mir bang: Ich fühle mich ob der verlangten örtlichen und äußerlichen Veränderungen und Vorstellungen eingeschränkt. Meine eigenen Bedürfnisse werden mehr und mehr aus dem Drehbuch des Holden gestrichen. Ein goldener Käfig schließt sich in der Göttin Phantasie – und in ihren Albträumen findet sich kein passender Schlüssel dazu.

Endgültig Aufschluss über die Qualitäten des Liebeswerbers gab ein Treffen mit seiner Mutter: Von oben herab mustert mich die Grande Dame. Belächelnd und lautstark vergleicht sie mich mit Ex-Frauen ihres abgöttisch geliebten Sohnemannes; mit intimen, dreisten Fragen aus meinem Leben werde ich konfrontiert. Der Sohnemann wird von ihr auf ein für alle Damen von Welt (auch die von Olymp-Town) schier unerreichbares Podest gestellt.

Das Muttersöhnchen schmolz während der Lobeshymnen seiner Mutter förmlich dahin. Loyalität mir gegenüber: von wegen. Nicht ein eingreifendes, beschwichtigendes oder verteidigendes Wort des Mannes, der mir die Ehe versprach. Ein Unterfangen, von dem ich angesichts seiner Performance sekündlich weiter abrückte.

Das finale Urteil der Göttin: Mischtyp Ödipus-Narziss !

Ich zog mich schleunigst und divinst aus der Affäre. Trotz materieller Verlockung. Hätte ich mich darauf eingelassen, wären zwar alle finanziellen Schwierigkeiten wohl bis ans Ende meiner Tage gelöst. Selbst wenn ich einen Draht zur Mutter gefunden hätte, wo wären Respekt und Liebe für diesen Mann geblieben? - Inexistent! Wenn schon Liebe, dann TRUE love! Das ist eben der Glaubens- und (Er-)Lebens-Grundsatz aller Götter und -innen! ☺

Thema: Sex-Kolumne