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Ihr fragt – die Sexpertin rät!

Jede Woche beantwortet Sexpertin Brigitte Moshammer eine Frage zum Thema Liebe und Sex. Diesmal: Warum verliebe ich mich immer in verheiratete Männer?

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Ihr fragt – die Sexpertin rät!

Schluss mit den Gatten!

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Die Frage.

Es ist wie verhext. Immer verliebt sich Irene in vergebene Männer. Mal sind sie verheiratet, mal in festen Partnerschaften. Mal ist Irene einfach nur verliebt – und der jeweilige Mann reagiert gar nicht. Mal wird daraus eine Affäre – die von einem One-Night-Stand bis zu einer zweijährigen Liebschaft gedauert hat. Nach einer längeren Singlephase, hat sich die Mittdreißigerin nun erneut verliebt. Auf einer Geschäftsreise hat sie Sebastian kennen gelernt und war von seinem Aussehen und seiner Ausstrahlung völlig hingerissen. Auch Sebastian war von Irene angetan. Doch wie so oft: Sebastian ist verheiratet. Irene ist frustriert: Warum zieht sie immer die vergebenen Männer an? Gibt es dafür eine Erklärung?

Die Sexpertin antwortet.

Natürlich kann es Zufall sein, dass Irene sich immer in verheiratete Männer verliebt. Bei vielen Menschen, die sich immer in vergebene oder unerreichbare Personen verlieben, ist es allerdings so, dass sie sich einerseits eine Beziehung wünschen, andererseits aber unbewusste Ängste davor haben.

Das kann unterschiedliche Ursachen haben. So kann beispielsweise das Vorbild der Eltern kann zu massiven Beziehungsängsten führen. Hatten die Eltern eine schlechte Beziehung, stritten häufig, oder war eventuell sogar Gewalt im Spiel, so ist dieses Vorbild einem Bindungswunsch sicher nicht zuträglich. Die Angst, dass die eigene Beziehung ebenso schrecklich werden könnte, ist zu groß und um einem ähnlichen Schicksal sicher zu entfliehen, wird die Beziehung von Anfang an vermieden. Aber auch für Menschen, die in ihrer Kindheit, z. B. durch die Trennung der Eltern oder den Tod eines Elternteils einen schweren Verlust erleiden mussten, ist es oft sehr schwer zu vertrauen, vom Partner nicht verlassen zu werden.

Immer häufiger sind allerdings überzogene Idealvorstellungen der Grund für Bindungsängste. Wir leben in einer Zeit in der wir es gewohnt sind, uns nur mit dem Allerbesten zufrieden zu geben. Die Werbung sagt uns, was gut für uns und was das Beste ist. Auch die Beziehungsgestaltung ist nicht mehr frei. Wir werden manipuliert. Der Anspruch an Partnerschaften ist so hoch wie nie zuvor, alle möchten das große Hollywoodkino erleben und sind kaum mehr zu Einschränkungen bereit. Kaum ist jemand gefunden, der sich als Partner eigenen könnte, entsteht die Frage, ob es nicht doch noch einen Schöneren, Besseren, Reicheren, ... geben könnte – und schon ist es fast unmöglich, sich wirklich zu binden.

Irene sollte sich also gründlich überlegen, ob sie wirklich eine fixe Beziehung eingehen möchte. Wenn sie sich dafür entscheidet, ist es hilfreich, wenn sie schon bei der Auswahl der Partner genau darauf achtet, ob der Auserwählte vergeben ist – und dann braucht es Geduld und Zeit und eine langsame Annäherung. Das Wichtigste allerdings ist die Liebe zu sich selbst – denn nur wer sich selbst liebt, ist auch für andere liebenswert. Und so gesehen beginnt jede Beziehung damit darauf zu vertrauen, dass man die Liebe des Anderen auch verdient.

Sexpertin Brigitte Moshammer.

Wenn auch ihr Fragen oder Anregungen zu den Themen Liebe, Partnerschaft und Sex habt, dann schreibt uns (auch gerne anonym, in Stichworten, einfach nur das Problem) doch bitte an online@woman.at, Kennwort: "Moshammer" – Brigitte Moshammer (psychotherapeutin.cc) wird eure Fragen gerne beantworten.