Ressort
Du befindest dich hier:

SO SEHR lügen wir über Sex!

Wie oft haben wir Sex? Schon mal einen flotten Dreier probiert? Wie groß muss der Penis sein? Die größten Sex-Lügen – aufgedeckt von Google. Und was wir daraus lernen.

von

SO SEHR lügen wir über Sex!

Alles schon probiert, nix ausgelassen? So oft lügen wir!

© Thinkstock/Stockbyte/George Doyle

Verwirrt dich Sex auch so oft? Uns schon.

Es gibt ein paar sehr einleuchtende Gründe, warum die angeblich schönste Sache der Welt auch eine äußerst rätselhafte bleibt. Einer davon: es gibt nicht wahnsinnig viele zuverlässliche Daten darüber.

Denn in Sachen Sex lügen Menschen. Ständig. Sie beschwindeln Freunde, den Liebsten, Ärzte, Meinungsforschungsinstitute – vor allem aber sich selbst.

Doch jetzt hat sich der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Seth Stephens-Davidowitz in einem wunderbaren Essay für die NYTimes mit der Wahrheitsfindung befasst. Indem er akribisch sämtliche Daten von Meinungs- und Marktforschern, aber auch die Suchanfragen bei der weltgrößten Wissensdatenbank Google analysierte, verglich – und sich so der Wahrheit am ehesten annäherte.

Wie viel Sex haben wir – und wie verhüten wir?

Am Anfang seiner Sex-Suche stand die Frage nach der Sex-Frequenz und der Verhütung. Laut einer der größten Meinungsumfragen, der General Social Survey , geben amerikanische heterosexuelle Männer ab 18 Jahren an, dass sie im Schnitt 63mal pro Jahr Sex haben. 23% davon verwenden dabei ein Kondom. Bedeutet umgerechnet: pro Jahr müssten Hetero-Kerle 1,6 Milliarden Kondome benutzen.

So. Nun sah sich Stephens-Davidowitz die Aussagen der Frauen ein wenig genauer an. Sie haben offenbar nur 55mal jährlich Sex – 16% schützen sich dabei nach eigenen Angaben mit Kondom. Ergibt: 1,1 Milliarden verkaufte Kondome.

Wer sagt nun die Wahrheit? Männer – oder Frauen?

Weder noch. Denn das Marktforschungsinstitut Nielsen hat die jährlichen Kondom-Verkäufe exakt ausgewiesen. In den USA werden jedes Jahr weniger als 600 Millionen Kondome verkauft.

Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder lügen alle, was Verhütung betrifft. Oder man landet weit seltener zusammen in der Kiste, als gerne behauptet wird. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte.

Zu müde? – So groß ist der Sex-Frust

Es ist ein fast normaler Prozess (die Hormone, wir landen immer wieder bei ihnen!) – trotzdem sind fehlende Leidenschaft und nachlassender Sex jene Beschwerden, die in langanhaltenden Beziehungen am häufigsten geäußert werden.

Und nicht nur dort. Analysiert man die Google-Suchanfragen in den großen Themengebieten "Liebe, Sex und Partnerschaft", dann ergibt sich folgendes, ziemlich trauriges Bild: Die meisten (nämlich in den USA 21.090) monatlichen Anfragen in Kombination mit dem Begriff "Ehe" gibt es zu "kein Sex". Das ist dreieinhalb mal häufiger als "unglückliche Ehe " und sogar acht Mal häufiger als "lieblose Ehe" !

Doch nicht nur verheiratete Paare leiden unter der mangelnden Lust. Etwas weniger, aber immer noch verblüffend oft werden die Worte "Beziehung + kein Sex" in die Suchmaske eingeben.

Offenbar sind es öfter die Männer, die in Beziehungen den Lakensport verweigern – oder, so kann man die Zahlen auch interpretieren – es stellt Frauen eben vor ein größeres Rätsel. Denn während nur 413 User jeden Monat "meine Freundin will keinen Sex" in die Google-Suchmaske eingeben, werden fast doppelt so viele (805) Anfragen zu "mein Freund hat keine Lust auf Sex" verzeichnet.

Anders liegt die Sache bei verheirateten Paaren. Hier suchen 1.048 Männer nach einer Antwort auf die Frage, warum ihre "Ehefrau keinen Sex" will. Warum ihr Ehegespons keine Lust mehr hat, interessiert dagegen nur 972 Frauen.

Sex macht doch Spaß. Warum nur haben wir so wenig davon?

Auch hier serviert die weltgrößte Suchmaschine für den Wissenschaftler Seth Stephens-Davidowitz eine plausible Antwort: weil das Thema offenkundig mit irrsinnig vielen Ängsten und Unsicherheiten belegt ist.

Da wären einmal, so scheint es, zahlreiche männliche Neurosen.

Online, so führt Stephens-Davidowitz aus, werden über über den Penis mehr Suchanfragen bei Google gestellt als über jedes andere Körperteil, mehr sogar als über Lunge, Leber, Füße, Ohren, Nase, Rachen und Gehirn zusammen.

Männer suchen mehr Infos über ihr bestes Stück als darüber, wie eine Gitarre zu stimmen ist, man ein Omelett brät oder einen Reifen montiert (nur damit ihr euch das mal vorstellen könnt...).

Stattdessen ängstigen sie sich viel häufiger darüber, ob Steroide die Funktion ihres Gemächts beeinträchtigen können (jawohl), ob der Penis im Alter schrumpft (nein) oder wie sie den Kleinen zum Größeren machen können. Vor allem aber stellen sie der allwissenden Suchmaschine eine Frage, die selbst diese im Zweifel vor ein Rätsel stellen wird: "Wie groß ist mein Penis?" .

Frauen kümmern sich wesentlich seltener um den Penis ihres Partners. Und wenn, dann eher in Form einer Klage: "Penis zu groß - Schmerz beim Sex." Auch sonst suchen Frauen eher Lösungen für medizinische oder peinliche Probleme beim Liebesspiel. "Sex" wird von ihnen bei Google sehr oft in Kombination mit "bluten", "pinkeln", "weinen" oder auch "furzen" eingetippt.

Auch Frauen haben natürlich Fragen zu ihren Genitalien. Die sind aber fast ausschließlich gesundheitsbezogen. 30% aller die Vagina betreffenden Suchanfragen drehen sich um schlechten Intimgeruch, wie frau den Geschmack der Intimzone verbessern, den Scheidenpilz loswerden oder den Venushügel rasieren kann.

Die Sache mit dem frühen Orgasmus

Wenn Männer nicht die Sorge über ihren vermeintlich zu kleinen Pimmel umtreibt, dann ist es die Frage, wie sie beim Sex mehr Durchhaltevermögen beweisen können. "Höhepunkt hinauszögern" , "längerer Sex" – so lauten die häufigsten Fragestellungen im Web.

Dass die Herren der Schöpfung mit ihrem Anliegen offenbar reichlich falsch gewickelt sind, das legen die Suchanfragen der Frauen nahe. Hier geht es eher darum, wie man den Akt beschleunigt. "Freund schneller zum Orgasmus bringen" oder "Warum kommt er nicht" bestimmt laut der Datenanalyse von Stephen-Davidowitz das Gros der weiblichen Suchanfragen.

"Google ist eben das umfangreichste Spiegelbild dessen, was die Leute nicht wissen und wofür sie zusätzliche Informationen benötigen," zitiert der Zahlen-Analyst den renommierten US-Psychologen Dan Ariely.

Was das für uns bedeutet? Dass Männer und Frauen wirklich nicht viel Ahnung voneinander haben .... (eine These, die wir übrigens schon vorher hatten ;-))

Thema: Sex & Erotik