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Sex auf Rezept: Wie das Liebesspiel wie ein Medikament wirken kann...

Sommerzeit ist Flirtzeit, und das ist auch gut so. Denn wer im Bett aktiv ist, profitiert doppelt. Wir verraten, warum Sex auch wie ein Medikament wirken kann...

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Sex auf Rezept: Wie das Liebesspiel wie ein Medikament wirken kann...
© Corbis

Enge Umarmungen, leidenschaftliche Küsse und das gewisse Prickeln: Sex zwischen frisch Verliebten ist Emotion pur. "Bei der genüsslichen Vereinigung wird eine wahre Flut an Wohlfühl-Hormonen wie Oxytocin, Serotonin und Dopamin ausgeschüttet", bringt es Dr. Harald Lass, Hormonspezialist und Gynäkologe in Wien, relativ trocken auf den Punkt. "All diese Stoffe senken die Schmerzempfindlichkeit, machen glücklich und auch ein bisschen high."

Herr und Frau Österreicher liegen in der Statistik gar nicht so schlecht: Laut aktuellem "Durex Sexual Wellbeing Global Survey" haben wir durchschnittlich 115-mal im Jahr Sex, fast jeden dritten Tag also. 57 Prozent sind jedoch mit der Häufigkeit unzufrieden. Sie wollen mehr!

Das ist auch gut so - medizinisch gesehen. Denn: "Regelmäßige sexuelle Aktivität regt Fettverbrennung und Durchblutung an, fördert die Sauerstoffaufnahme, baut Cholesterin ab und trainiert die Muskeln. Die Abwehrkräfte werden aktiviert, und man fühlt sich rundum wohler", so Lass. Kurz: Vom Sex profitiert auch Ihre Gesundheit. Wie genau, verraten wir in folgenden sechs Punkten.

1. Sex hält jung und aktiv.
Während des Akts werden Östrogene ausgeschüttet, diese schützen vor freien Radikalen, also den Verantwortlichen für den Hautalterungsprozess. Durch das Hormon wird außerdem die Bildung von Kollagen und die Regenerationsfähigkeit der Haut gefördert. Diese bleibt somit länger straff und faltenfrei. "Frauen, die mindestens einmal pro Woche Sex haben, zeigen einen deutlich höheren Östrogenspiegel im Blut als enthaltsamere", sagt Lass. Auch der leidigen Cellulite kann regelmäßiger Sex entgegenwirken: "Der Östrogenschub bringt den Lymphfluss in Schwung und stärkt das Bindegewebe." Wer also öfter aus dem Erotik-Jungbrunnen schöpft, profitiert sichtbar: Lass: "Frauen mit einem aktiven Liebesleben sehen laut Studien um fünf bis zehn Jahre jünger aus!"

2. Sex mindert Krämpfe.
Bei Migräne gilt: Ab ins Bett! Aber nur zu zweit. Denn obwohl sie gern als Sexaus-rede Nummer eins verwendet wird, vermindert eine (tatsächlich vorhandene) Migräne nicht die Lust auf Sex, sondern erhöht sie sogar: "Eine amerikanische Studie konnte zeigen, dass das sexuelle Verlangen bei Migränepatienten besonders stark ausgeprägt ist." Migränepatienten haben nämlich häufig einen niedrigen Serotoninspiegel, welcher durch sexuelle Aktivität erhöht werden kann. Auch die beim Orgasmus freigesetzten Endorphine sind wahre Schmerzkiller und wirken quasi wie Morphium. Migräne oder auch Regelschmerzen können - so unvorstellbar das klingt - somit zeitweise betäubt werden.

3. Sex stärkt die Abwehr.
Wem öfters die Nase rinnt oder wer an Asthma und Heuschnupfen leidet, sollte einmal seine Sprühpräparate gegen atemberaubende Momente im Bett eintauschen. Durch den Sexualverkehr wird Antihistamin im Körper produziert, welches Beeinträchtigungen im Atmungsbereich lindern kann. Studien zeigen außerdem, dass bei Paaren, die ein- bis zweimal pro Woche zur Sache kommen, die Anzahl des Antikörpers Immunglobulin A fast doppelt so hoch ist wie bei enthaltsameren. Interessant: Um von diesen optimal zu profitieren, ist der Weg der goldenen Mitte gefragt. "Weder die ungezügelte Sexsucht noch Enthaltsamkeit erscheinen vorteilhaft", bestätigt auch der Gynäkologe.

4. Sex macht schlank.
Lust aktiviert: "Während des Geschlechtsverkehrs laufen vielfältige Reaktionen ab. Herzfrequenz und Blutdruck nehmen mit dem Erregungsgrad zu. Die Skelettmuskulatur kontrahiert sich willkürlich und unwillkürlich." Bei jedem Stellungswechsel wird nahezu jeder Muskel im Körper beansprucht. Und: Durchschnittlich werden beim Matratzensport in 30 Minuten ungefähr 300 bis 400 Kalorien verbrannt. Zum Vergleich: Dafür müssen Jogger fast eine Stunde laufen. Einen Vorteil haben auch Küsserköniginnen: "Wer viel Zeit hat, kann sich schlank küssen. Ein leidenschaftlicher Zungenkuss verbraucht in zwei Minuten immerhin 20 Kalorien."

5. Sex macht schlau.
Wer sich häufig körperlich liebt, tut auch etwas fürs Köpfchen. Vor allem die rechte Gehirnhälfte wird aktiviert, die grauen Zellen laufen auf Hochtouren. "Die in den Sexualorganen erzeugte Energie stimuliert die Hirnanhangdrüse und die Zirbeldrüse, wodurch das Gehirn reichlich mit Sauerstoff versorgt wird." Nur zu naheliegend, dass sich häufiger Sex auch positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Der Hamburger Sozialwissenschaftler Werner Habermehl hat in Studien aufgezeigt, dass regelmäßiger Verkehr das Studium verkürzt und die geistige Leistung wesentlich verbessert. Wer hingegen enthaltsam lebt, "verkrampft schnell und ist unausgeglichen", so Habermehl.

6. Relaxt ist, wer liebt.
Entspannungs-CDs, Yogakurse und Wellnessurlaube sind gut, Sex ist besser und billiger. Durch ein befriedigendes Liebesspiel werden die Stresshormone Noradrenalin und Kortisol gesenkt und im Gegenzug dazu das Kuschelhormon Prolaktin vermehrt produziert. "Durch den Höhepunkt lösen sich blitzartig Blockaden im Kopf, dabei werden auch alle Lasten des Tages abgebaut", bestätigt Lass. Na dann, nichts wie ab ins Bett!