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A-Sex: Mission (Im)Possible

Was tun, wenn man von gierigen Männern bedrängt wird? Sex-Kolumnistin Anna D. Dichen versucht es mit Enthaltsamkeit. Hier ihr asexueller Selbstversuch.

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Mann und braunhaarige Frau flirten in einer Bar bei einem Cocktail
© Thinkstock

Manchmal braucht eine Göttin schutzmanövrige Gedanken, um sich von körperhungrigen männlichen Hyänen zu ‚erholen‘. Was eignet sich da hervorragendst als gewählte ‚Lebensphase‘, um von derartigen Individuen Abstand zu nehmen? – Genau, Asexualität! Auf unbestimmte Zeit. Ihrer selbst treu, wehrt sie ihre verehrende Umwelt ab mit einer schier unbändigen Unlust, einem Manne jemals wieder emotional oder gar sexuell zu begegnen.

Doch es kommt immer alles anders als man denkt‘, scheint ein oft vergessener Spruch im Leben der Göttin zu sein.

So trifft sie sich eines heißen Sommertages spontan mit einer Gruppe männlicher Freunde in einem Bierlokal und erzählt heiter von ihrer momentanen Phase als asexuelles Wesen. Da lachen sie, die Jungs, und einer hört besonders gewissenhaft zu: just jener Mann und Schelm, zu dem sich die Divinste immer schon hingezogen fühlte, es aber niemals auszuleben suchte (er ist ein Vergebener, gar Verlobter).

Heute ist er ihr Sitznachbar, Schenkel an Schenkel, und versucht einfühlsam, ihre Beweggründe für diese für ihn seltsam erscheinende ‚asexuelle Phase‘ zu ergründen. Die Göttin, professionell wie sie (zumindest eine Zeit lang) ist, gibt nur kurze und prägnante Antworten auf jede von ihm zugehauchte Frage und vermeidet tunlichst den aufkeimenden ‚Flirt‘. Noch spielt sie die Rolle der asexuellen, unerreichbaren Göttin recht gut...

Und es fließt der Wein, für die Männer Bier. Die Stimmung ist locker, die Runde heiter. Es wird auf Schenkeln geklopft, bevorzugt auf die des Anderen.

„Ihr beide solltet heute im Bett landen. Zwischen euch herrscht eine ganz spezielle Energie.. war doch schon immer so!“ befindet einer der Kumpanen. Ich erröte wie die sonnenreifste Tomate Italiens. Mein höchstpersönlicher Schenkel-Klopfer schmunzelt und sucht meinen Blick. Als er ihn findet, dringt er in ihn ein: unbeugsam und unverfroren TIEF! „Er ist verlobt“, erinnere ich mich gedanklich. „Mit einem allerdings uninteressanten Weibe“, *gedankenmodusaus*.

Die Zeit schreitet voran. Die Gruppe ist kleiner geworden. Man beschließt einen Lokalwechsel und wählt ein exklusives Dinner-Lokal zur Feier des Tages. Und was tut die Göttin? Sie kommt mit. Wen wundert's?

Dinieren. Flirten. Schmunzeln. Lachen. Reden. Nähe suchen. Nähe finden. Er füttert mich neckend mit dem Dessert. Und ich? Ich gebe mich hin, ohne an ein Morgen zu denken. I go with the flow ! And the flow blows your mind, wie wir wissen...

In der Bar standen wir nun, nur wir beide.. und.. unausweichlich..kamen wir uns plötzlich SEHR nah. Als divines Genuss-Ergebnis erlebte ich einen der schönsten Küsse in meinem gesamten Prachtleben! Wir münde(r)ten in eine Explosion von Gefühlen. In dieser Bar, in jenem Moment, gehörten wir nur einander. Voll und ganz.

Der nächste Morgen: die Ernüchterung. Gestern noch göttlichst ergeben, kann er sich heute nichts mehr entsinnen. Er wird sein Weibchen heiraten, komme was oder wer wolle. Die Göttin hadert und schafft es nur bedingt, diese speziellen Momente als bloße Erinnerung abzuhaken.

Zumal sie in ihrem Herzen zu glauben weiß, dass er und sie in Wahrheit zusammengehörten.

Am übernächsten Morgen zaubert sich wieder ein Lächeln in ihr Gesicht. „No risk, no fun“, weiß sie. „Wenn er sich für dieses Frauenzimmer entscheidet, dann soll er eben (un)glücklich werden“, waren ihre letzten Gedanken zu diesem Thema. Die Moral dieser Geschicht‘ ? Es gibt sie nicht. Leben und Lieben (lassen) ist die Devise aller GöttInnen in unserem himmlischen Paradies genannt ‚Erde‘. ☺

Thema: Sex-Kolumne

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