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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nimmt zu

In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Übergriffe gestiegen, 30 Prozent der Frauen fühlen sich außerdem bei Beförderungen benachteiligt. Das zeigt der Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer.

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nimmt zu
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Laut dem aktuellen Arbeitsklima Index der Oberösterreichischen Arbeiterkammer (AK) nimmt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu. Die Ergebnisse wurden heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Demnach hat mehr als die Hälfte der befragten Frauen schon sexuelle Belästigung erlebt. 38 Prozent gaben an, schon mit abfälligen Bemerkungen konfrontiert gewesen zu sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es noch 34 Prozent. Angestarrt, gemustert oder gar in den Ausschnitt gestarrt wurde laut der Studie 31 Prozent der Frauen - 2016 waren noch 25. Dass sie körperliche Übergriffe erlebt haben, gaben 2018 12 Prozent der Frauen an, im Jahr 2016 waren es neun Prozent. Das zeigt, dass es in allen Bereichen eine Steigerung gegenüber 2016 gab.

Die Studie hat aber nicht Belästigung am Arbeitsplatz untersucht, sondern auch gefühlte Benachteiligungen. So gaben 28 Prozent der Frauen an, sich im Berufsleben benachteiligt zu fühlen. Insbesondere im Bauwesen, in der Industrie und im Handel. Am seltensten im Unterrichtswesen. Hauptgrund dürfte nach wie vor die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen sein: Vier von zehn Frauen sagen, dass sie beim Einkommen schlechter gestellt sind als ihre männlichen Kollegen. Knapp 30 Prozent fühlen sich bei Beförderungen und Karrieresprüngen sowie bei Bewerbungen und Stellenvergaben diskriminiert. Jede Fünfte Frau hat das Gefühl, in der Firma weniger Wertschätzung zu erfahren, als männliche Kollegen.

Sonderauswertung Pflegeberufe

In einer Sonderauswertung wurde außerdem die Arbeitszufriedenheit in den Pflegeberufen erhoben. Die gute Nachricht zuerst: Vier von fünf Pflegekräften sind der Überzeugung, in der Arbeit etwas Sinnvolles zu tun - das sind fast doppelt so viele wie im Durchschnitt aller anderen Branche und Berufe. Aber, so viel Verantwortung hat auch schwierige Seiten: Zwei Drittel fühlen sich durch hohe körperliche Anstrengung und und dauernde hohe Konzentration belastet. Dabei ist auch die körperliche Schwerarbeit nicht zu unterschätzen: Zwei Drittel der Beschäftigten im Pflegebereich klagen über Rückenschmerzen und Muskelverspannungen. Hinzu kommen Erschöpfung, Ermüdung und Schmerzen in den Beinen.

Mehr betriebliche Lösungen für Kinderbetreuung

Ein Thema, das stark mit der Arbeitszufriedenheit zusammen hängt, ist die Kinderbetreuung. Auch das wurde im Rahmen des aktuellen Index erhoben. Dabei gaben zwei Drittel jener Eltern, die ihre Kinder in institutionelle Betreuung geben an, mit dem Angebot zufrieden zu sein. Allerdings: Bei den Frauen ist der Wert von 30 Prozent im Jahr 2016 auf 23 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Bei genau einem Drittel der Frauen stellen die Kinderbetreuungskosten eine Belastung für das Haushaltsbudget dar. Stark gestiegen ist der Anteil jener Eltern, die im Betrieb spezielle Lösungen zur Kinderbetreuung vorfinden - nämlich von 12 Prozent im Jahr 2012 auf 32 Prozent im Jahr 2018.

Was ist der Arbeitsklima Index?

Für den Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer wird vierteljährlich eine Umfrage unter österreichischen ArbeitnehmerInnen durchgeführt. Insgesamt werden rund 400 Personen befragt. Der Index wird seit 1997 halbjährlich berechnet und hier veröffentlicht. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen, wie im aktuellen Fall zum Thema Pflege.

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