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Unter Drogen gesetzt: Ist dieses Selfie-Video echt?

Zwei Mädels wollen mit einem Selfie-Video zu Vorsicht vor K.O. Tropfen aufrufen. Doch ist der Clip tatsächlich echt - oder ein produzierter Fake?

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Unter Drogen gesetzt: Ist dieses Selfie-Video echt?
© Screenshot (c) twitter.com/Jaeda_sky

"Lass deinen Drink nie aus den Augen!", warnen uns unsere Eltern. Versuchen wir auch jedes Mal, wenn wir in einem Club, in einer Bar oder auf einer Party sind. Doch manchmal ist es nicht genug, den Drink in der Hand zu halten. Es reicht offenbar schon ein kurzer Augenblick der Unaufmerksamkeit, während dem K.O.-Tropfen oder Drogen in ein Glas geworfen werden können.

Das soll das Video beweisen, das Twitter-Userin Jaeda_sky postete – und das seitdem für Aufsehen sorgt. Zu sehen sind zwei Freundinnen bei einem Konzert. Die eine hält ganz lässig einen Becher in der Hand, doch sie hat ihn nicht im Blick. Plötzlich kommt ein junger Mann vorbei und lässt etwas in den Becher fallen. "Ich werde nie verstehen, wie jemand so abartig sein kann und zu so einem Übergriff fähig ist. Ladys, passt auf eure Drinks auf!" , schreibt Jaeda_sky.

Es handle sich um K.O.-Tropfen oder Drogen. Je nach Dosierung reicht die Wirkung von Entspannung, sexueller Enthemmung bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit, die auch lebensbedrohlich sein kann. Die erste Wirkung setzt ungefähr 10 bis 20 Minuten nach der Einnahme ein. Direkt nach der Einnahme von K.O.-Tropfen wird den Betroffenen meistens ganz plötzlich übel und schwindlig. Jedoch schon vor einer Bewusstlosigkeit sind die Frauen und Mädchen unter diesen Substanzen praktisch willenlos und leicht manipulierbar. Rückwirkend können sie sich an diesen Wachzustand nicht mehr erinnern.

Bis jetzt wurde der Clip 90.000 Mal geteilt. Doch nicht alle Twitter-User sind sich einig, ob sie dem Video Glauben schenken sollen. "Ihr könntet mal eure Köpfe verwenden. Denkt mal drüber nach, wie gut die Situation gepasst hat. Der Typ hat die Kamera gesehen. Würde er wirklich so dreist sein?" , schreibt ein User. Andere meinen in dem Clip ein "Public Service Announcement" zu erkennen, also eine Art Aufklärungsvideo gegen Drogen: "Bevor er sich zum Becher dreht, sieht man ganz klar, dass er nichts in der Hand hat. Erklärt mir, dass das kein Public Service Announcement ist!"

Screenshot (c) twitter.com/Jaeda_sky

Andere User zeigten sich mitfühlend und verteidigten ihre Ansichten gegen die Ungläubigen. "Wenn Männer uns jetzt schon vor einer laufenden Kamera versuchen unter Drogen zu setzen und es trotzdem niemand glaubt... Ich verstehe euch nicht." , schrieb TheFragnator. Und TizzleNT ergänzt: "Selbst, wenn das ein Public Service Announcement Clip ist, hat wohl schon jeder mal davon gehört, dass jemanden so etwas passiert ist."

Screenshot (c) twitter.com/Jaeda_sky

Wir können den Wahrheitsbeweis nicht antreten. Doch würde es den Wert des Videos wirklich schmälern, wenn es im Rahmen einer Aufklärungskampagne gestellt wäre?

Auch in Österreich sind Fälle von K.O.-Tropfen bekannt - genaue statistische Erhebungen fehlen jedoch noch. Erst seit 2013 gibt es erste Vergleichsdaten. Von Jänner 2013 bis Juni 2014 gab es 81 Anzeigen wegen Missbrauchs unter Einsatz von Betäubungsmitteln wie K.O.-Tropfen. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, zumal sich die Opfer in den seltensten Fällen konkret an die Tat erinnern können und die Gewalttat anhand von Indizien wie zerrissener Kleidung oder blauer Flecken rekonstruieren müssen, so die Informationsoffensive K.O.-Tropfen.

Screenshot (c) twitter.com/Jaeda_sky

Für Twitter-Userin Jaeda_sky ging die Sache glücklicherweise gut aus, wie sie in einer längeren Nachricht erklärt. Alles sei am Ende der Party passiert, ihr Glas war bereits leer, sie hätte nicht mehr davon getrunken: "Ich freue mich, dass das Video so gut ankommt, denn es ist eine guter Reminder dafür, wie vorsichtig man in solch einer Situation sein muss. Ich bin mir sicher, dass jede Mutter, genauso wie meine, tausendmal vor so einem Fall gewarnt hat. Ich habe immer geglaubt, dass sie übertreibt."

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