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"Shades of Grey" - aber im echten Leben!

Die ganze Welt spricht über "Shades of Grey" - eine Geschichte, der Fantasie einer US-Hausfrau und Mutter entsprungen. Was bei dem Thema wirklich den Reiz ausmacht, weiß Nala Martin. Sie ist Domina und liebt das Spiel ohne Grenzen in echt.


"Shades of Grey" - aber im echten Leben!

Dominanz und Unterwerfung: Eine Domina über SM-Sex und "Shades of Grey".

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"Shades of Grey" ist reine Fiktion, das betont Autorin E.L. James immer wieder. Eine erfundene Geschichte, die die Massen bewegt. Doch worüber die amerikanische Hausfrau so detailreich fantasiert und schreibt, ist bei vielen Menschen Realität. So etwa bei Nala Martin. Die Domina und SM-Autorin ("Safeword") steht zu ihren sexuellen Vorlieben.

Im Moment steht erotische Literatur hoch im Kurs, vor allem auch die etwas härtere Spielart der Liebe stößt auf großes Interesse. Wie erklären Sie sich die große Popularität dieses Themenfelds?
Interesse an Erotik gab es schon immer. Fast jeder Mensch hat Sex und beschäftigt sich entsprechend auch mit seinen Phantasien. Dass SM mehr in den Fokus rückt, finde ich gut, zeigt es doch, dass das Selbstbewusstsein bei Männern und Frauen höher geworden ist und sie sich mit ihren Bedürfnissen auseinander setzen. Ich denke, dass viele gern auf die Hirnkino-Variante zurückgreifen, indem sie Bücher lesen, in die Geschichte eintauchen und daraus vielleicht neue Ideen und Phantasien ziehen.

Sie sind studierte Informatikerin. Wie kommt man dazu, als Domina zu arbeiten?
Ich habe während meines Studiums damit angefangen, als Domina zu arbeiten. Es war ein Job, der mir Spaß machte und auf gewisse Weise meine Neigung abdeckte. Das erste Studio fand ich durch eine Zeitungsannonce, und ich beschloss, mir das mal anzusehen. Es gefiel mir sehr gut, so dass ich mich entschied, zu bleiben.

Gibt es Aspekte an SM, die Sie kritisch betrachten?
Natürlich gibt es Aspekte an SM, die ich sehr kritisch sehe. Einen Aspekt davon behandle ich in meinem Buch: die Hörigkeit. Wenn Devotion so weit geht, dass man nicht mehr fähig ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen, dann ist das ein kritischer Aspekt, den ich immer hinterfrage. Wenn eine Beziehung zur Sucht wird und unter dem Deckmantel von SM einem Beteiligten nicht mehr gut tut, dann betrachte ich auch das sehr kritisch.

Für viele ist der Beruf der Domina fernab der eigenen Vorstellungswelt. Erklären Sie uns, wie ein »normaler« Tag in Ihrem Leben ausssieht.
Üblicherweise komme ich ins Studio, in welches ich mich dann mit meinem Stammgast eingemietet habe. Meistens etwa eine halbe Stunde vor dem Termin. Dann habe ich genug Zeit, das Zimmer vorzubereiten, mich umzuziehen und nochmals die Informationen zum Gast durchzugehen. Kommt er dann, wird ein Vorgespräch geführt und besprochen, was gerne ausprobiert oder gemacht wird. Außerdem frage ich nach körperlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel Rücken- oder Knieproblemen. Danach geht der Gast duschen, während ich etwaige speziellere Wünsche vorbereite, wie zum Beispiel ein Wechseln meiner Kleidung oder, falls diverses Spielzeug wie Seile oder ähnliches gewünscht ist, alles herzurichten. Schließlich beginnt eine Session, die zeitlich natürlich begrenzt ist. Ist sie vorbei, gibt es ein sanftes Landen. Kein Gast wird von jetzt auf gleich hinausgeworfen. Während der Gast sich frisch macht, beginne ich bereits, das Zimmer etwas aufzuräumen, so dass wir dann in einem frisch gelüfteten und aufgeräumteren Raum noch ein Nachgespräch, so dies gewünscht ist, durchführen können. Schließlich wird der Gast zur Tür begleitet und ich räume danach das Zimmer auf und fahre entweder nach Hause oder bereite mich seelenruhig auf einen weiteren Gast vor. Letztlich ist es ein unspektakulärer Tag, der überwiegend Vor- und Nachbereitungszeit in Anspruch nimmt. Die Session selbst ist das i-Tüpfelchen, das Besondere, und das einzige, was für mich keine Routine ist, da jedes Zusammensein mit Kunden anders abläuft.

Welchen Effekt hat Ihrer Meinung nach das offene Thematisieren von Sex-Abenteuern auf Leser?
Ich persönlich wünsche mir den Effekt, dass die Leute beim Lesen meines Buches durch die beschriebenen Situationen erregt werden, aber eben auch darüber nachdenken. Dass sie über Engelchen und Teufelchen lachen, aber eben auch reflektieren und sich die Frage stellen, ob ihnen das nicht vielleicht auch passieren könnte? Ich halte nichts von Abenteuern, die beim Zuklappen des Buches aus dem Kopf verschwunden sind. Ich mag die Nachhaltigkeit. Wenn mein Leser Phantasien von mir in sein eigenes Hirnkino übernimmt, sie sich zu eigen macht und sie selbst auslebt und weiter spinnt, dann weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe.

"Safeword" von Nala Martin, erschienen bei Anais, 272 Seiten, 10,30 €

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