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Facebook-Managerin Sandberg: Frauen können doch nicht alles haben

In ihrem Buch "Lean In" forderte Facebook-Managerinnen Shery Sandberg Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf. Nun sagt sie: "Ich habe die Probleme Alleinerziehender unterschätzt."


Facebook-Managerin Sandberg: Frauen können doch nicht alles haben

Sheryl Sandberg: Eine der erfolgreichsten Managerinnen der Welt

© 2013 Getty Images

"Ich hatte es nicht richtig verstanden," schreibt Sheryl Sandberg in einem Blog-Eintrag. "Ich habe die Probleme alleinerziehender Mütter einfach unterschätzt."

Vor drei Jahren forderte die erfolgreiche Facebook-Managerin in ihrem Buch "Lean In" Frauen zu mehr Frechheit im Berufsleben auf. "Fordert eure Beförderung aggressiver," schrieb sie. Auch die Kinderbetreuung sei keine Ausrede, um eine Karriere hinten anzustellen. "Karriere und Familie, das ist machbar – es müssen eben die Väter mit ran." Der Ratgeber wurde zu einem Bestseller, Sandberg zu einer neuen Galionsfigur selbstbewusster Frauen.

Sheryl Sandberg: "Ich habe unterschätzt, was es für Frauen bedeutet, ihre Kinder alleine großzuziehen."

Nun rudert sie zurück. Und macht sich in ihrem emotionalen Facebook-Eintrag für alleinstehende Mütter stark. "Ich bin nach wie vor privilegiert. Aber verstehe heute viel besser als noch vor einem Jahr, was es bedeutet, seine Kinder ohne Partner, ohne soziales Sicherheitsnetz großzuziehen. Ich habe diese Probleme einfach unterschätzt," so Sandberg, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes David Goldberg vor rund einem Jahr die beiden gemeinsamen Kinder alleine aufzieht.

"Ich habe mein Buch "Lean In" aus der Perspektive einer berufstätigen Frau geschrieben, deren Mann sich zuhause stark engagiert. Damals konnte ich nicht wissen, wie schwierig es für uns Frauen ist, im Job erfolgreich zu sein, wenn man zu Hause alleine sitzt und von all den Problemen schier erdrückt wird." Alleinerziehende Mütter bräuchten viel Zeit und noch mehr Energie. "Wenn die Kinder weinen, wenn man nicht weiß, wie man sie trösten soll - und wenn man keinen Partner hat, mit dem man über die Probleme sprechen kann." Dies lauge aus, dies verschiebe die Prioritäten. "Um keck die Karriere zu forcieren, braucht man Kraft." Diese werde aber immer wieder abgezogen.

Sie sei nach dem Erscheinen ihres Buches "Lean In" oft kritisiert worden, weil sie die Probleme von Frauen, die keinen oder auch einen unkooperativen Partner hätten, einfach beiseite gewischt habe. "Sie hatten damit Recht," gesteht Sandberg nun ein.

Sie sei nach wie vor in einer privilegierten Situation, habe keine finanziellen Sorgen – dennoch könne sie die Probleme nun besser nachvollziehen. "In Amerika leben 40 Prozent der Familien, in denen eine Frau alleine die Kinder großziehen muss, unter der Armutsgrenze – im Vergleich dazu nur 22 Prozent jener Familien, in denen der Vater Alleinerzieher ist," rechnet Sandberg vor. Das sage viel über die Situation der alleinerziehenden Frauen aus.

Sie apelliert sie nun an die Politik, alleinstehenden Frauen mehr zu helfen. Es gebe dafür kein ausreichendes soziales Netz in Amerika. Die Vereinigten Staaten seien das einzige Industrieland der Welt, in dem es keinerlei bezahlten Mutterschaftsurlaub gebe.

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