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Sigi Maurer als "Kommunikatorin des Jahres" ausgezeichnet

Ihre Auszeichnung bedeute eine "Stärkung der Frauen, sich nicht aus der Öffentlichkeit verdrängen zu lassen, sondern gemeinsam gegen Diskriminierung und Belästigung vorzugehen", so die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft in der Laudatio.

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Sigi Maurer als "Kommunikatorin des Jahres" ausgezeichnet
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Angefangen hat alles mit obszönen Drohbotschaften, die Sigi Maurer via Facebook-Messenger erhielt. Weil es keine juristische Möglichkeit gab, sich dagegen zu wehren, setzte die ehemaligen Grünen-Politikerin auf die Öffentlichkeit: Sie teilte einen Screenshot der Nachricht auf Twitter und Facebook. Die Folge: Sämtliche Medien berichteten umfassend über Hass im Netz. Und zwar nicht nur an jenem Tag im Mai 2018, als Maurer die Nachrichten erhielt, sondern weit darüber hinaus. Kein Wunder, gipfelte diese Angelegenheit um die Nachrichten vom Account des "Bierwirt", wie der Beschuldigte heute nur mehr in den Medien genannt wird, in einem Prozess gegen Sigi Maurer in dem sie in erster Instanz tatsächlich schuldig gesprochen wurde. Der üblen Nachrede.

Weniger "übel" dürften ihre öffentliche Stellungnahmen nicht nur die zahlreichen Menschen, die über den von ZARA eingerichteten Fonds für Sigi Maurers Prozesskosten gespendet haben, wahrgenommen haben, sondern auch jene, die sie via Online-Voting zur Kommunikatorin des Jahres gewählt haben. Vergeben wird der Preis von der PRVA, dem "Public Relations Verband Austria", an Personen, die gesellschaftliche relevante Themen kommunizieren, ohne PR-Profi zu sein. Dass Sigi Maurer als ehemalige Politikerin durchaus Ahnung davon hat, wie man Themen in die Öffentlichkeit bringt, dürfte jedenfalls nicht geschadet haben.

Maurer: "Unbürokratische Möglichkeiten"

Was sagt sie selbst zur Auszeichnung? Sie wies erneut darauf hin, dass das Ziel sein müsse, Betroffenen von Hassbotschaften "eine unbürokratische, kostenlose Möglichkeit zu geben, rechtlich gegen Hassposter vorzugehen". Das Vorhaben der Regierung, ein "digitales Vermummungsverbot" einzuführen, das unter anderem eine Registrierungspflicht für die User von Online-Foren vorsieht, qualifiziert Maurer dagegen als "völlig ungeeignet – alle Menschen, die sich damit beschäftigen, wissen: Der allermeiste Hass kommt unter Klarnamen. Für die Betroffenen oder meinen Fall leistet dieses neue Gesetz absolut nichts. Stattdessen braucht es eine unbürokratische, kostenlose Möglichkeit, Hassposter rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, dafür werde ich weiter kämpfen."

Die Laudatio hielt Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft. Sie wies vor allem auf den Umstand hin, dass Sigi Maurer ihre individuelle Betroffenheit auf die strukturelle Ebene gehoben und damit das gesamtgesellschaftliche Problem aufgezeigt habe: "Das bedeutet eine Stärkung der Frauen, sich nicht aus der Öffentlichkeit verdrängen zu lassen, sondern gemeinsam gegen Diskriminierung und Belästigung vorzugehen." Maurer nahm den Preis auch im Namen der Antidiskriminierungsstelle Zara entgegen, mit der sie den Rechtshilfefonds gegründet hat.

Nominierte geben Frauen Stimme

Die Vorschläge für die Nominierungen stammen von einer sechsköpfigen Fachjury, bestehend aus VertreterInnen aus Journalismus und PR. Am Schluss des heurigen Prozess blieben drei Namen fürs Online-Voting über: Neben Sigi Maurer waren das noch Paul Sevelda (Präsident Österreichische Krebshilfe und Mitinitiator des "Don't Smoke"-Begehrens) und Nicola Werdenigg, die sich für Betroffene von Missbrauch im Spitzensport einesetzt. Dass sich zwei von drei Nominierten für die Rechte von Frauen in der Öffentlichkeit stark machen und sich vor allem für jene einsetzen, deren Stimme sonst nicht gehört wird, ist ein schönes Zeichen - das hoffentlich auch reale Konsequenzen in Form von Initiativen und Gesetzen begünstigt.

Noch kein neuer Verhandlungstermin

Der Prozess gegen Sigi Maurer wird übrigens neu aufgerollt, nachdem das OLG Wien das erstinstanzliche Urteil gegen sie aufgehoben hat. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Wir werden jedenfalls weiterhin berichten.

Thema: Hass im Netz