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Selbstversuch: Alles, was ihr über Silent Dating wissen müsst

Du bist Single und suchst nach einer neuen Dating-Erfahrung? Beim Silent Dating erwarten dich keine blöden Anmachsprüche. Unsere Redakteurin hat's getestet!

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Selbstversuch: Alles, was ihr über Silent Dating wissen müsst

Es ist der Trend in Sachen Partnersuche: stumme Massen- Rendezvous.

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Was einen beim Silent Dating fix nicht erwartet, sind blöde Anmachsprüche. Denn bei dieser NEUEN ART DER PARTNERSUCHE sagt man nix, sondern schaut nur - na ja, und spielt zwischendurch witzige Spiele. Redakteurin Katharina Domiter war vor Ort und hat sich für WOMAN unter die datingwütigen Singles gemischt

Die Stille ertragen...

Es gibt zwei Arten von Stille zwischen zwei Menschen. Die eine, die sich angenehm, vertraut oder sogar aufregend, geheimnisvoll anfühlt. Die, bei der man alles andere um sich herum ausblendet. Und dann ist da die Art von Stille, die Beklemmungen hervorruft und bei der man lieber detailreich über Magen-Darm-Grippe sprechen würde, anstatt dieses unleidliche Schweigen weiter zu ertragen. Beim Silent Dating habe ich beides erlebt ...

Spaßiger Gruppenflirt ohne Worte

Es ist der Trend in Sachen Partnersuche: stumme Massen- Rendezvous. Was ihr euch darunter vorstellen könnt? Eine Runde von etwa 20 liebessuchenden Singles, die zusammen Pantomime spielen und sich minutenlang gegenseitig in die Augen starren, aber kein Wort miteinander wechseln. Kostenpunkt: 29 Euro. Tja, und ich hab mich auf dieses Event eingelassen. Ein paar Minuten vor Veranstaltungsbeginn frage ich mich, warum eigentlich. Ich stelle es mir befremdlich vor, mit einem Dutzend fremder Männer, von denen mir vermutlich nicht alle zusagen, Gebärden und ewig lange Blicke austauschen. Ich bin angespannt, aber jetzt ist es zu spät, um abzuhauen. Das mit dem Eye Gazing kommt sowieso erst am Ende. Krönender Abschluss sozusagen

Mit Superman ans Ende der Komfortzone

Nach ein paar einleitenden Worten starten wir mit dem "dynamischen Teil", wie es Organisator und Erlebnispädagoge Till nennt. Zusammen mit seiner Schwester Helena (Soziologin) und deren Mitbewohnerin Karen (Marketing-Managerin) hat er vor sieben Monaten das Start-up "Slow Dating Events Vienna" (slowdatingevents.at) gegründet - mit dem klaren Ziel, Menschen zusammenzubringen.

Die erste Aufgabe:

Und damit beginnen wir jetzt auch gleich Unsere erste Aufgabe: durch den Raum gehen und dabei auf den Boden schauen. Haut hin. Danach wird der "Schwierigkeitsgrad" gesteigert: Wir suchen den Blickkontakt zu den anderen Teilnehmern. Ebenfalls machbar. Weiter geht 's mit originellen Handshakes und einem Marionettenspiel. Ein Part mimt das Spielzeug, der andere den Puppenspieler. Ich bewege mich gefährlich nahe an der Grenze meiner Komfortzone. Nächste Challenge: Das Gegenüber agiert als Spiegel und macht alle Bewegungen nach. Als Accessoire bekommen wir bunte Stoffe. Hat was von Kinderanimation im All-inclusive-Club. Ich hab mich schon mal wohler gefühlt, aber hey, ich muss ein paar Mal echt lachen! Etwa als mein Gegenüber das Tuch zum Superman-Umhang umfunktioniert und damit durch das Lokal flattert.

Mittendrin statt nur dabei: Redakteurin Katharina Domiter mit ihrem Flirtpartner


Dann geht 's wirklich auf Tuchfühlung:

Wir wiederholen das Spiel, dieses Mal aber sind Berührungen erlaubt. "Ich muss leider schon ziemlich dringend aufs Klo", sage ich und flüchte. Mit mir setzen auch zwei andere Gäste aus. Scheinbar nicht jedermanns Sache, und auch für mich ist es zu viel Kontakt für den Anfang, besonders weil ich ja nicht weiß, wer in dieser Runde mein Partner sein wird. "Die Aufgaben schaffen schnell eine zwischenmenschliche Basis, die einen die Hürden des Kennenlernens überspringen lässt", erklärt mir Helena, als ich von der Toilette wieder retour bin. Stimmt, auch wenn es alles andere als alltagstaugliche Icebreaker sind. Den meisten Leuten vor Ort gefällt das Konzept jedenfalls sehr, wie ich in der Pause bei Brötchen und Prosecco erfahre, in der Reden übrigens erlaubt ist. "Es ist viel persönlicher und nicht so oberflächlich wie Tinder", erzählt ein Teilnehmer, der schon das zweite Mal dabei ist.

Schau mir in die Augen, Kleines!

Nach der Unterbrechung wird 's ernst: Das Blickkontakt-Experiment startet. Wie beim Speeddating sitzen sich zwei Singles 90 Sekunden lang gegenüber. Wenn die Glocke läutet, tauschen die Ladies den Platz. Findet man jemanden gut, markiert man das auf dem Sheet. Bei einem Match werden später die Kontakte ausgetauscht. Der kleine Unterschied: Anstatt in eineinhalb Minuten Job, Hobbys und Zukunftsvorstellungen abzufragen, schaut man sich beim Silent Dating wortlos in die Augen, während im Hintergrund eine Instrumental-Version von "Sound of Silence" Stimmung macht. Nach drei Sekunden würde ich am liebsten aufstehen und das Event verlassen. Es ist mir mehr als unangenehm, dass mein Kurzzeit-Date und ich uns anstarren. Wir blinzeln und schlucken unnatürlich. "Du spürst das wahre Ich deines Gegenübers mit all seinen Stärken und Schwächen", spricht Till ins Mikro. Ich fühle nix, aber ich erkenne zumindest, dass er gepflegte Augenbrauen hat. Wann habe ich meine eigentlich zuletzt gezupft?!? Und wie lange können 90 Sekunden bitte dauern?

INTERAKTION. Zu Beginn der Veranstaltung werden Techniken aus dem Teambuilding eingesetzt.


Next!

Glockenläuten. Endlich. Next. Dunkelbraune Augen fixieren mich. Kann man vom Blick eines Menschen tatsächlich auf seine Persönlichkeit schließen?! Er zwinkert mir einladend zu, als ich gerade dabei bin, in seinen Pupillen etwas über seine Vergangenheit herauszufinden. Ich lächle verkrampft. Next. Nach ein paar Runden spüre ich etwas - es sind meine Kontaktlinsen, die durch das gegenseitige Anstieren austrocknen. Und noch etwas: Es fühlt sich jetzt nicht mehr ganz so irritierend an wie am Anfang. Es fällt mir zunehmend leichter, mich auf den Blick meines Gegenübers einzulassen. Durch das Schweigen begegnet man sich tatsächlich auf einer anderen Ebene als beim Reden. Irgendwie intensiver. Nur: Wenn von vornherein keine Anziehung da ist, entsteht sie auch nicht durchs Dauerstarren. Es muss ja auch nicht immer gleich die große Liebe sein, die man hier findet. Ich kann mir vorstellen, dass vor allem auch sehr nette Freundschaften entstehen können.

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