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Simplify my Job! Ein neues Buch enthüllt: Perfektionismus ist ein totaler Karrierekiller

Die Beziehung zu ihr ist durchaus ambivalent, aber im Grunde mögen sie ihre Arbeit: die Perfektionistinnen. Ihr Büro ist irgendwie so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer geworden. Und wenn sie bis spät in die Nacht eifrig in die Computertastatur hacken, geht es sogar als Schlafzimmer durch. Solange sie im Dienste ihrer wichtigen Aufgaben und Pflichten stehen, ist doch alles gut. Oder sagen wir: das meiste jedenfalls.


Simplify my Job! Ein neues Buch enthüllt: Perfektionismus ist ein totaler Karrierekiller
© WOMAN/Froese

Was viele der emsigen Arbeitsbienen nicht wissen: Sie sind keine besseren Menschen, bloß weil sie bis Mitternacht und länger hinter einem Arbeitsberg versumpfen. Und: Eine „Königin“ wird auf diese Weise ohnehin nicht aus ihnen werden. Ein neues Buch enthüllt jetzt die ernüchternde Wahrheit: „Perfektionismus“ heißt der neue Karrierekiller! „Wer im Arbeitsalltag immer 110 Prozent geben will, erreicht eher ein Burn-out als einen Karrieresprung“, schreibt die Autorin Simone Janson in ihrem Buch „Die 110-Prozent-Lüge“. Denn: Vorgesetzte und Kollegen gewöhnen sich schnell daran, dass ständig jemand brav und fleißig zuarbeitet – ja, die Arbeit förmlich an sich reißt. Und Hand aufs Herz: Würden Sie eine so praktische, gewissenhafte und dennoch oft spürbar ständig von Selbstzweifeln geplagte Person wie diese wirklich eine Etage höher hieven? In manchen Fällen sind es sogar genau diese stillen Arbeitskräfte, die als Erstes fliegen. Nämlich dann, wenn die Vorgesetzten gar nicht merken, welcher Fleiß, welche Akribie hinter einem Resultat steckt. Machen SIE es anders: Lesen Sie die Tipps unserer Expertinnen, wie Sie Perfektionismus und Stress vermeiden. Für mehr Spaß, Erfolg und Leichtigkeit im Job und im privaten Leben!

Arbeiten Sie für die Sache, nicht für das Ego

Die größte Falle für Perfektionisten ist, dass sie es allen recht machen wollen. Allen, außer sich selbst. Dieses Verhalten entsteht durch ein mangelndes Selbst-Wert-Gefühl. Die Systemische Trainerin Petra Ritter rät: „Verabschieden Sie sich von dem Ziel, dass jeder sehen soll, wie gut Sie Ihren Job machen. Konzentrieren Sie sich lieber auf die Sache.“ Manchmal arbeitet man – vordergründig – für die Selbstbestätigung, die allerdings oft ebenfalls an die Erwartungen anderer gekoppelt ist. Die zentrale Frage lautet: „Wem dient, was ich mache?“ Lautet die Antwort: „Meiner Karriere“, „Meiner Selbstverwirklichung“ oder „Ich will jemanden im Team beeindrucken“, steht die Ampel auf Rot. Nach Petra Ritters Ansatz ist Erfolg die Folge der Arbeit für die Sache an sich. Nur dann handeln Sie kongruent, integer, glaubwürdig und überzeugend. Das Resultat: Sie müssen nicht kämpfen, um zu gewinnen.

Setzen Sie sich an die erste Stelle

Was immer Sie tun – seien Sie sich selbst die Nächste. Wenn Sie abends eine Runde joggen wollen, seien Sie gut zu sich, und tun Sie es. „Das zeugt von Verantwortungsgefühl und Selbstwert. Auch wenn es gewisse Projekte immer wieder erfordern: Es ist ein Irrglaube, dass es einen guten Eindruck macht, wenn Sie ständig bis zum Umfallen arbeiten“, sagt Coach Petra Ritter. Das sogenannte „Pareto-Prinzip“ ist das Geheimnis geübter Job- und
AlltagsmanagerInnen: Viele Aufgaben lassen sich mit einem Einsatz von ca. 20 Prozent so erledigen, dass 80 Prozent aller Probleme gelöst werden. Stellen Sie sich immer wieder die Frage, was Ihnen wirklich wichtig ist.

Sie müssen nicht alles verstehen

Werden Sie zur Nichtwisserin. Eine typische Macke der Perfektionisten ist, dass sie alles genau verstehen wollen – auch das Unwesentliche. Perfektionisten wollen genau wissen, wie das neue Datenbanksystem funktioniert, in dem sie arbeiten. Sie wollen begreifen, was die anderen Projektmitarbeiter tun. Sie wollen genau darüber informiert sein, wie Kollege A seinen Zeitplan erstellt und Kollege B seine Kunden anspricht. Perfektionisten wollen alles verstehen und verstehen am Ende gar nichts mehr. Und was haben Sie davon? Konzentrieren Sie sich auf das, was für Sie wichtig ist.

Fokussieren Sie das Wesentliche

Holen Sie Helferlein. Als Chefin oder Selbständige erledigen Sie Ihren Papierkram lieber selbst, schließlich sind Sie allein die Expertin für alles und behalten im Alleingang den besten Überblick. Sie programmieren Ihre Firmenhomepage höchstpersönlich, obwohl Sie es nie wirklich gelernt haben, kochen den Kaffee für das Meeting in Ihrer individuellen Kaffeekochkunst-Manier, schreiben das Protokoll des Vortrags, checken Ihre Steuererklärung, indem Sie nie enden wollende Excel-Sheets erstellen, erledigen Behördengänge und Besorgungen im Alleingang und putzen abends völlig erschöpft und mit einem letzten Funken Begeisterung die Fenster. Sie haben sich wieder einmal unentbehrlich gemacht und können richtig stolz auf sich sein, finden Sie? Denkste! Wer im Job oder in der Organisation des Alltags immer alles selber macht, verzettelt sich. Der vermeintliche souveräne Überblick geht mit den vielen Detailaufgaben flöten. Das ist und wirkt alles andere als professionell! Außerdem verschleudern Sie Energie an der falschen Stelle, statt sie an der richtigen zu potenzieren. Die deutsche Managementtrainerin Sabine Asgodom sagt: „Konzentrieren Sie sich auf Ihre Kernkompetenz und auf das, was Sie wirklich können. Das bringt Erfolg und Geld.“ Wo können Sie delegieren? Wenn Sie sich eine Haushaltshilfe etwas kosten lassen, kommt dafür an anderer Stelle Geld herein: weil Sie selbst mehr Energie haben, um mehr Aufträge anzunehmen, bzw. Zeit haben, an Ihrem Karrieresprung zu feilen – in Form einer Weiterbildung oder bei der Lektüre eines klugen Buches. Wer seine Stärken lebt, wer das macht, was er gerne macht und gut kann, wächst über sich selbst hinaus. Es ist keine Schwäche, um Hilfe zu fragen oder Hilfe anzunehmen – ganz im Gegenteil!

Bringen Sie neue Qualitäten in Ihr Leben

In kleinen Schritten. Sie wollen Ihren Perfektionismus endgültig über Bord schmeißen? Seien Sie auch hier nicht zu „perfektionistisch“ mit sich. Gehen Sie ruhig in kleinen Schritten vor: Zuerst einmal legen Sie die „Ich will alles im Griff haben“-Mentalität ab. Dann haben Sie Platz für anderes, das an ihre Stelle treten kann: Kritikfähigkeit – indem Sie Fehler nicht persönlich, sondern als Chance sehen; Führungsstärke – indem Sie Mut zum Risiko integrieren und nicht ständig Angst vor Fehlern haben; Selbstmarketing – indem Sie auch darüber sprechen, was Sie leisten. Und: Selbstbestimmtheit. Sie selbst entscheiden, was gut genug ist!

Redaktion: Susanne Prosser

Thema: Karriere