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"Musik ist für mich ein Kommunikationskanal." - SINAH im Interview

Sie ist Bloggerin, sie ist Powerfrau, sie ist Musikerin: Wir haben mit der Austro-Musikerin über ihre werdende Karriere und über Selbstreflektion gesprochen.

von

sinah edhofer
© instagram.com/sinahsinsta

Sinah Edhofer ist vielen sicher als Bloggerin bekannt. Auf ihrer Seite "The Black Shirt Blog" schreibt sie über Themen, die zur heutigen Zeit wie eine Faust aufs Auge passen. Dabei bleibt sie immer ehrlich und ein bisschen rebellisch. Dass sie auch Musikerin ist, wussten bis jetzt nur ihre engen Freunde.

Und als solche, als SINAH, hat sie ihre erste Single "Blame Me" präsentiert. In dem Musikvideo zum Song sieht man sie ungeschminkt und kunstvoll in Szene gesetzt. Wir haben mit der Austro-Bloggerin und Musikerin über ihre kommende EP, Ängste und Walt Disney Soundtracks gesprochen.

WOMAN Welche Rückmeldungen hast du auf dein erstes Video bekommen?

SINAH Es ist erstaunlich viel zurückgekommen! Sehr viel Zuspruch. Ich nehme mir die Zeit und ich schreibe auf jede Nachricht zurück. Ich will nicht so eine Künstlerin sein, die sich zu cool ist für das Feedback. Ich nehme konstruktive Kritik gerne an!

WOMAN Kommt überhaupt konstruktive Kritik zurück, oder schreiben jene, denen es gefällt, dass es super ist und die anderen gar nichts?

SINAH Kommt natürlich drauf an, mit wem man spricht. Wenn man mit Leuten vom Fach spricht, dann ist das schon konstruktive Kritik. Es ist mir sehr wichtig, dass ich nicht nur eine Kunstfigur veröffentliche, die sich dann nicht kümmert, sondern ich genieße den Dialog durch meine Musik. Das war beim Schreiben auch schon immer so.

Durch Artikel habe ich Themen kommuniziert, die mir am Herzen liegen und dadurch kam ich mit Leuten ins Gespräch, sei es über Facebook oder über den Blog selbst. Musik ist für mich auch ein Kommunikationskanal. Ich kann nichts mit dem inszenierten Newcomer-Star-Dings anfangen, denn dann wird man hochstilisiert und zuletzt verschwindet man wieder. Ich will meine Musik langsamer aufbauen. Ich schreibe sehr viel und regelmäßig neue Musik.

WOMAN Dann machst du schon seit immer Musik?

SINAH Ja, eigentlich schon. Chorgesänge mit 11 und so. (lacht) Auf Soundcloud sind auch noch zwei Songs von mir. Das war vor zwei Jahren, als ich angefangen habe, mich mit dem Produzieren von Tracks auseinander zu setzen. Und das ist auch etwas, wofür ich mehr Zeit investieren will: Ich möchte eigene Beats bauen. Natürlich brauche ich zuerst mal viel Hilfe damit. Aber es ist gut, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten, weil ich tendiere dazu in der eigenen Blase zu sein und mich selber sehr schlecht zu machen.

WOMAN Selbstreflektion und Selbstkritik sind schön und gut, aber sie sind nicht immer so zielführend..

SINAH Selbstreflektion ist das richtige Stichwort. Über das habe ich in den letzten Jahren immer wieder nachgedacht, vor allem, da ich mich selber so oft runtergemacht hab. Es ist aber eigentlich keine schlechte Eigenschaft, wenn man sich von oben betrachten kann. Man muss aufpassen, dass es nicht destruktiv wird. Was in deinem Kopf vor sich geht, ist deine Realität, aber es das ist nicht bei jedem Menschen dasselbe.

WOMAN Wie hast du dann den Schritt schließlich gewagt, doch noch etwas zu veröffentlichen?

SINAH Ich habe mit Männern zusammengearbeitet (lacht). Weibliche Produzentinnen in Österreich zu finden ist recht schwierig. Die Musikbranche, die ich kenne ist wirklich sehr männlich dominiert. Ich hatte Angst davor, auf einen Produzenten zuzugehen und ihm zu sagen, dass ich gerne jemanden hätte, der den Beat macht und wie genau, der Beat auszusehen hat. Denn ich fürchtete, dass mein Song dan komplett anders klingen würde und auch die Stimmung eine andere sein würde. Ich wollte nicht in die süße Sängerinnen-Schiene geraten. Aber ich muss sagen, dass die Herren mit denen ich zusammengearbeitet habe, mich sehr ernst genommen haben.

»"Musik ist für mich auch ein Kommunikationskanal."«

WOMAN Ist “Blame Me” ein Song aus deinem Leben?

SINAH Die ganze EP ist an das Thema Narzissmus angelegt. Es ist ein Thema, das ich sehr interessant finde. Zum Beispiel durch Instagram! Die Frage, wie wir uns online anderen Menschen gegenüber verhalten, stelle ich mir oft. Und “Blame Me” ist ein Song übers eigene Ego und über Zurückweisung.

Zum Beispiel in einer Beziehungssituation: Jetzt kommt von der anderen Seite nicht so viel aufmunterndes Feedback, wenn man seine Gefühle offen zeigt, dann zieht man sich auch in sich zurück. Ich denk mir selbst in so einer Situation: “Ok, dann nicht, dann chille ich halt in meiner Komfortzone.”Ich habe mich in den letzten Jahren sehr zurückgezogen. Dabei habe ich zwar die Kontrolle über mein Gefühlsleben sehr unter Kontrolle gehabt. Man entscheidet halt selbst, wer einem zu nahe kommen und wer einen verletzen darf. Aber wenn man sich zu sehr zurückzieht, dann tut sich längerfristig selber keinen Gefallen.

WOMAN Ist das nicht ein typisches Problem von modernen, jungen Menschen?

SINAH Ja schon, alles ist zwar sehr frei, aber auch sehr egoistisch geworden. Wir sagen Dinge wie: “Oh, dann lebe ich mich aus, habe meinen Spaß…”, aber das ist ziemlich selbstzentriert. So möchte ich mich selber gar nicht mehr verhalten. Wenn ich also das Gefühl habe, ich kann einer anderen Person das Emotionale nicht geben, was sie braucht, dann ziehe sage ich ihr das, um sie nicht langfristig zu verletzen.

WOMAN Welche KünstlerInnen haben dich musikalisch inspiriert? Was für Musik hörst du privat?

SINAH Manche Alben höre ich schon seit Jahren! Ich bin so ein Mensch, der ein Album liebt und das dann tot hört. The Weeknds “The Beauty behind the madness” mag ich gerne und “Anti” von Rihanna auch. Die finde ich sowieso super, weil sie nicht zur Sklavin ihres eigenen Klischees wurde. Irgendwann ist sie in den Vordergrund getreten und hat gesagt: “Ich übernehme jetzt die Kontrolle.” und das finde ich megastark. Ich bin nicht der Typ, der die neuesten Playlists durchgehört und schaut, was man Neues findet. Sevdaliza hätte ich fast vergessen - die ist aber klasse. Also zusammengefasst sehr basslastige Sachen.

Und vielleicht ist das ein bisschen peinlich, aber ich höre auf Spotify immer wieder Walt Disney Soundtracks. Ich glaube das hat mein Musikverständnis auch sehr geprägt - diese epischen König der Löwen Lieder. Weil es einfach so schön ist!

»"Ich wollte nicht in die süße Sängerinnen-Schiene geraten."«

WOMAN Wie war es für dich, ein Musikvideo zu drehen?

SINAH Es ist komplett anders, als Fotos zu machen, wie etwa für den Blog. Und die Idee, ein Musikvideo zu machen, war im September noch gar nicht wirklich geboren worden. Ich habe Promoshoots mit Alexandra Stanic gemacht und ihr Freund hat dann mein Musikvideo gedreht. Beim Fotoshooting selbst war die aber die Vorstellung, dass ich ein Musikvideo drehen würde noch absurd.

Es war dann aber wirklich toll. Da ich in der Musikbranche noch sehr unabhängig bin, konnte ich jeden Schritt mitbestimmen. Es ist nicht so gewesen, dass ich einfach das Konzept abgegeben habe, sondern bei jeder Sekunde war ich dabei. Ich habe natürlich sehr viel Unterstützung von allen Seite gehabt, aber ich habe sehr genau gewusst was ich haben will und wie das ausschauen soll.

WOMAN Wann kommt deine EP?

SINAH Am 29. Jänner! Ich habe mir ewig überlegt, ob ich das Video auch im neuen Jahr veröffentlichen soll, aber ich hab mich dann doch für 2017 entschieden. Man sitzt ja so lange auf diesen Sachen! Von außen schaut das so aus, als hätte ich halt einfach ein Musikvideo rausgebracht und dann in einem Monat kommt dann die EP.

Aber ich arbeite ja schon seit einem Jahr an diesen Sachen, deshalb sind sie für mich gewissermaßen schon alt. Und das ist auch die Gefahr, dass man sich selber nimmer sehen kann. Gleichzeitig bin ich in Gedanken schon wieder beim Album, habe da schon viele Visionen. Man darf aber nicht vorlaufen und dann das vergessen, was für die anderen neu ist! Man muss versuchen, sich mit dem Jetzt zu beschäftigen und gleichzeitig am Zukünftigen zu arbeiten.

Themen: Musik, Feminismus

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