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Wer macht’s richtig? Fitness-Influencerinnen im Check

Pamela Reif, Mady Morrison, Anna Engelschall & Co: Eine Trainings-Expertin analysiert fünf bekannte Youtube-Sportlerinnen.

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Wer macht’s richtig? Fitness-Influencerinnen im Check

Pamela Reif und Mady Morrison gehören zu den erfolgreichsten FitnessinfluencerInnen Deutschlands

© Instagram: Pamela Reif & Mady Morrison

Pamela Reif ist eine der erfolgreichsten Fitness-Influencerinnen. Die 24-Jährige hat 7,4 Millionen FollowerInnen auf Instagram, 6,2 Millionen auf YouTube. Ihr Vermögen wird auf etwa 4,7 Millionen Euro geschätzt. Wenig überraschend, die Marketing-Maschine läuft immerhin auf Hochtouren. Mittlerweile gibt es (fast) alles von ihr: Müsli, Protein-Riegel, Nuss-Kugeln, Chocolate Chips, Kochbücher, eine Modekollektion, eine eigene App und Trainings für zuhause. Letzteren hat sie ihren Durchbruch zu verdanken. Und wir wollen wissen: Wie gut sind die eigentlich? Fitness-Expertin Klara Balla hat für uns ihre Workout-Videos und die von vier weiteren Internet-Sportlerinnen analysiert.

Pamela Reif

Ein kleiner Kritikpunkt vorweg: Bei ihren Workouts wird immer sofort gestartet ohne Warm-up. Dafür gibt’s zwar ein eigenes Video, aber es fehlt der Verweis dazu. Dadurch ist man versucht, sofort zu starten. Dabei ist das Aufwärmen enorm wichtig ist, um Verletzungen zu vermeiden. Die meisten Videos sind ohne Kommentare. Ein paar gibt es mit und die finde ich besonders gut, weil auf Wichtiges beim Training aufmerksam gemacht wird. Außer auf die richtige Atmung. Dabei ist die wesentlich. Der Fokus liegt auf Bauch und Po, es wird mehr auf Burning & Shaping hingearbeitet als auf Muskelaufbau. Meistens gibt es keine Pause zwischen den Übungen. Zumindest fünf Sekunden fände ich gut, denn alleine, um die Position zu wechseln, verliert man schon Zeit. Außerdem hätte man die Möglichkeit für einen Schluck Wasser zwischendurch.

Was sehr positiv auffällt: Es gibt Videos in verschiedenen Längen. Also auch wenn man nur wenig Zeit hat, findet sich ein Workout. Die Ausführung ist gut und es werden auch Variationen vorgeschlagen. Außerdem gibt es extra Trainings für Beginner. Die Visualisierung finde ich schön und gemeinsam mit der Zeit wird auch gleich die nächste Übung eingeblendet. So weiß man genau, wie lange die Sequenz noch geht. Die Übungen sind meistens in einem recht flotten Tempo, was prinzipiell nichts Schlechtes ist, allerdings sollte man eher auf die Qualität der Übung als auf die Schnelligkeit achten.

Anna Engelschall

Alle Videos bleiben unkommentiert, dafür ist die Übungsausführung besonders schön. Es werden immer ein Warm-up und Cool-down gemacht, das ist sehr gut. Toll ist auch, dass es Übungen mit Gewichten gibt. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf High Intensity & Full Body, allerdings mit einer guten Portion an Kraft kombiniert. Was ich auch sehr schön finde ist, dass in der kurzen Pause zwischen den Übungen die nächste schon als Video eingeblendet wird. Es läuft die Zeit nebenbei und man sieht, wie viel man schon geschafft hat. Die Übungen sind alle sehr konzentriert und genau ausgeführt, da würde ein Anfänger durchaus mitkommen. Leider fehlen die Trainings-Infos, die auf Bauchspannung oder einen geraden Rücken hinweisen.

Mady Morrison

Einen riesigen Pluspunkt bekommt sie dafür, dass alle Videos super kommentiert sind. Es gibt zwar auch ein paar Fitness-Clips, aber ansonsten liegt der Schwerpunkt bei Yoga. Was ich loben möchte, sind die vielen Videos für Beginner. Es sind meistens eher kurze Sequenzen und die sind sehr genau angeleitet. Was auch super ist: Die große Bandbreite an Mobilisierungs- und Entspannungsübungen, die bei anderen meistens zu kurz kommen. Sie sind aber essenziell notwendig, um den Körper funktionsfähig zu halten und aus ihm so viel wie möglich heraus holen zu können. Neben den eher ruhigen Workouts gibt es aber auch Power Flows, die es in sich haben und Kraft mit Koordination, Ausdauer und Mobilität vereinen.

Anne Kissner

Auch für Anne ein großes Plus: Sie kommentiert alle Workouts, gibt die richtigen Coaching Tipps und zeigt authentisch, dass auch wir Trainer mal außer Atem kommen.
Zu Beginn gibt sie immer einen kurzen Überblick über das Training und wie die Intervalle ablaufen, so kann man sich besser auf das Kommende einstellen. Es wird aufgewärmt und als Abschluss gedehnt und zu den Übungen werden auch neben der Zeit immer wieder Variation mit/ohne Equipment beziehungsweise leichtere oder anspruchsvollere Alternativen eingeblendet. Die Pausenzeit wird genutzt, um die nächste Übung zu erklären.
Die Workouts sind daher auch super für Anfänger geeignet, das Tempo ist nicht zu schnell und wenn die Übung zu schwer ist, dann probiert man es eben mit der vereinfachten Version.

Rebecca Louise

Auch Rebecca kommentiert ihre Workouts. Für mich persönlich fast schon zu viel, es fällt schwer dabei noch die wesentlichen Punkte im Auge zu behalten. Für viele ist es aber sehr motivierend, wenn die ganze Zeit mit einem geredet wird. Es werden auf jeden Fall die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gibt, genannt und auch auf die Atmung aufmerksam gemacht. Manche Videos haben Warm-up und Cool-down inkludiert. Manche hingegen nicht, das sollte man vor dem Start überprüfen, damit man nicht ohne Aufwärmen an die Übungen geht. Es gibt zwischen den Übungen kurze Pausen, in denen die Folgeübung eingeblendet wird. Die Workouts sind gute für ein mittleres Level geeignet, für Anfänger teils zu schwer und für Fortgeschrittene eventuell etwas zu leicht. Da wäre es noch super, wenn es zusätzlich Variationen gäbe und die Übung dementsprechend anzupassen.


Klara Balla ist Personal Trainerin bei John Harris Fitness in Wien.