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Sind alle Karrierefrauen Zicken und Rabenmütter?

Beruflich erfolgreiche Männer sind durchsetzungsstark, Macher, Führungspersönlichkeiten. Frauen in ähnlichen Positionen werden mit anderen Vokabeln bedacht: Zicke, verbissen, eiskalt, Rabenmutter. Wie sind diese frauenfeindlichen Klischees nur in unsere Köpfe gekommen?

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Karrierefrauen
© iStockphoto.com

Manche Vorurteile sind so allgegenwärtig, dass sie uns schon gar nicht mehr auffallen. Leider jedoch betreffen dieses Vorverurteilungen dann auch uns selbst. Uns Frauen. Das musste Viktoria von "MY MIRROR WORLD" aktuell am eigenen Leib erfahren und schrieb daraufhin diesen augenöffnenden Text:

Auf dem Weg von einem Termin zurück ins Büro treffe ich einen langjährigen Bekannten. Wir verstehen uns gut, haben schon das eine oder andere Projekt gemeinsam abgewickelt. Auf mein „Wie läuft’s bei dir?“ verdreht er die Augen. „Frag lieber nicht. Sie haben mir eine neue Abteilungsleiterin vor die Nase gesetzt. Du weißt schon, so eine richtige Karrierefrau.“ sagt er und wackelt vielsagend mit den Augenbrauen. Fragend sehe ich ihn an. „So eine verbissene Zicke eben. Wie die halt alle sind.“ setzt er nach und seufzt theatralisch.

Karrierefrauen
So definiert Google den Begriff "Karrierefrau".


"So eine richtige Karrierefrau!"

Als ich weitergehe rattert mein Kopf. Karrierefrauen sind also Zicken. Und wahrscheinlich auch Rabenmütter, denn für Kinder oder Kindererziehung haben sie sowieso keine Zeit. Aber wahrscheinlich sind solche Frauen eh alle Single, wer will schon so jemanden zur Frau haben? Mir fällt auf, wie negativ besetzt das Wort „Karrierefrau“ eigentlich ist. Eine Zicke, die alle anderen wegbeißt. Nur die eigenen Ziele im Sinn. Geht über Leichen. Selbst ich habe bei dem Wort sofort ein Bild im Kopf. Aber warum ist das so? Wer um alles in der Welt hat mir das dort hin gesetzt?

Karrierefrauen
Einsam an der Spitze?


Wer um alles in der Welt hat mir dieses Bild der Karrierefrau in den Kopf gesetzt?

Als ich mich kürzlich auf die Suche nach einem Hashtag für meine Karriere- und Erfolgstipps auf meinem Blog gemacht habe, wollte mir partout nichts einfallen. #Karrierefrau klingt also negativ. Nach alt, grau und verbissen.

Girlboss und Careergirl

Auf englisch klingt halt alles besser, dachte ich mir damals. Bei #girlboss und #careergirl denkt niemand an eine zickige, verbissene Dame im grauen Kostüm. Damit verbinde ich erfolgreiche, junge Frauen, die wissen was sie wollen. Ihr eigenes Business aufziehen oder im Beruf auf eigenen Beinen stehen. Aber sobald man die englischen Begriffe ins Deutsche übersetzt, klingt es blöd. Nicht nach dem, was ich aussagen möchte. Nicht nach dem, wie ich viele erfolgreiche Frauen sehe. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass das gar nicht am Englischen liegt. Nein es liegt an uns. Und daran, was wir mit dem Begriff „Karrierefrau“ verbinden, welche Bilder er in unseren Köpfen auslöst.

Karrierefrauen

Hallo, mein Name ist Viktoria. Ich bin unweiblich und eine Zicke.

Ich sehe mich durchaus als „Karrierefrau“. Aber alleine, wenn ich das tippe, stößt mich etwas daran ab. Mir ist mein beruflicher Erfolg wichtig. Schlimm wäre es, wenn es nicht so wäre, wozu hätte ich dann meine eigene Firma gründen sollen? Aber manchmal habe ich Angst das auszusprechen. Sage dann „Das passt schon so mit meiner kleinen Firma.“ Aber ich habe Pläne für die Zukunft. Größere Pläne. Und im Alltag muss und möchte ich tough sein. Ich vertrete meine Meinung in Meetings, sage was ich kann, widerspreche auch mal konstruktiv.

Ich möchte gar nicht wissen, wie oft ich von Männern deshalb schon als Zicke bezeichnet wurde. Und ich frage mich ernsthaft, warum man eine Zicke ist, wenn man als Frau eine klare Ansage macht, fachlich gut ist und Selbstvertrauen besitzt. Nicht selten wird das als männlich oder unweiblich bezeichnet. Ich bin also unweiblich, wenn ich weiß, was ich kann? Und ich bin unweiblich, wenn ich meinen Fokus darauf lege, beruflich weiterzukommen oder eine Führungsposition bekleiden möchte?

Karrierefrauen

Das alles macht mich traurig, denn ich kenne viele „Karrierefrauen“, die gerade all das nicht sind. Aber ich weiß auch, dass das Bild, das so mancher Mann (und manche andere Frau!) von ihnen hat, nicht besonders positiv ist. Offensichtlich gibt es hier noch jede Menge Vorurteile, die sich festhalten und sich auch nicht so leicht wegdiskutieren lassen. Und gerade deshalb habe ich wohl immer noch keinen deutschen Hashtag gefunden, der genau das aussagt, was ich sagen möchte. (Für Vorschläge bin ich sehr dankbar!)

Karrierefrauen
Würde er bei einem Mann als Gegenüber ebenso skeptisch sein?


Wie siehst du das? Wurdest du vielleicht auch schon einmal als zickige Karrierefrau bezeichnet? Glaubst du, dass es stimmt, dass Karrierefrauen Zicken und Rabenmütter sind? Und warum fragt man eigentlich nie Männer, wie sie Beruf und Karriere vereinen?

Dieser Text erschien ursprünglich auf "MY MIRROR WORLD". Die Grazerin Viktoria Resch ist erfolgreiche Bloggerin sowie Unternehmerin und auf ihrem Lifestyle- und Business-Blog präsentiert sie regelmäßig Outfits für den (Business)-Alltag, Tipps fürs Office-Leben, ihre Reisen, Genussrezepte, Anregungen für einen gesunden Lebensstil und sportliche Challenges.

Viktoria Resch von MY MIRROR WORLD
Viktoria Resch von MY MIRROR WORLD